Die Avantgarde Acoustic Trio von Herrn A. aus L. – Ausgerechnet Harfe!

Was treibt einen vernünftigen Menschen dazu, ein ganzes Haus um ein Paar Lautsprecher herumzubauen: die Liebe zur Musik? Das Streben nach bestmöglicher Musikwiedergabe? Oder die Erkenntnis, dass es sich bei der ultimativen Lösung gar nicht um Lautsprecher, sondern um wahre Kunst handelt?

Avantgarde Acoustic Trio Horn

Eine Harfe verändert den Lebensweg von Herrn A. in den frühen 1980ern. Der Sound der elektrifizierten Pedalharfe von Andreas Vollenweider fährt – über die Saalanlage im Mannheimer „Rosengarten“ verstärkt – direkt in den jungen Musikliebhaber und HiFi-Fan. In diesem Moment ist ihm klar, dass er „diesen großen, unmittelbar anspringenden Live-Klang eines Tages auch zu Hause erleben“ will.
Richtig große Lautsprecher hatten Herrn A. schon früh fasziniert, doch für die typischen US-HiFi-Monster reicht damals weder das Budget noch der Platz. Dennoch hält er weiter Augen und Ohren offen für den nächsten, womöglich entscheidenden Kick. Die Lautsprecher wachsen mit der Größe des Raums, die Verstärker werden immer schwerer – und Mitte der 1990er stößt der dynamiksüchtige HiFiist auf eine junge Firma aus dem Odenwald, deren Produkte seinen Wünschen und Vorstellungen entsprechen: Avantgarde Acoustic.

Holy Horns

Der Gründer und Chef von Avantgarde Acoustic, Holger Fromme, ist seit seinen ersten „Küchentisch-Konstruktionen“ in den 1980ern überzeugt, das technisch uralte und „physikalisch natürlichste“ Prinzip des Hornlautsprechers perfektionieren zu können. Fromme will das klassische und elegante Kugelwellenhorn rehabilitieren. Er stellt Verzerrungsarmut und Wirkungsgrad gegen alle damaligen HiFi-Trends – immer kleiner, schlanker, saturierter – und nimmt den prinzipbedingt großen Platzbedarf eines echten Horns nicht nur in Kauf, sondern setzt schon mit dem ersten Serienmodell „Trio“ ein kompromissloses und äußerst markantes Zeichen.
Die Trichter der Kugelwellenhörner fertigt Fromme, der Qualitätsfanatiker, im aufwendigen Spritzgussverfahren aus ABS. Der hochfeste, resonanzarme und präzise zu verarbeitende Kunststoff kann problemlos poliert und lackiert werden. Hochohmige Spezialtreiber und deren clevere akustische Ankopplung an das jeweilige Horn reduzieren den Aufwand für die Frequenzweiche auf ein absolutes Minimum. Der supereffiziente 109-dB-Schallwandler ist auch ideal für Verstärker mit kleiner und kleinster Leistung, etwa „historische“ Röhrenamps oder „heiße“ Class-A-Verstärker.


Fromme zeigt die Trio erstmals 1993 auf der IFA und erregt mit dem fast mannsgroßen und optisch spektakulären Dreiwege-Horn mächtig Aufsehen; unter anderem bei Dieter Burmester, der sich in Berlin ausgiebig mit ihm austauscht. Kurze Zeit später beschließt Horn-Fan Fromme, Avantgarde Acoustic vom Hobby- zum Profi-Unternehmen zu machen. Und seit nunmehr fast einem Vierteljahrhundert ist die Trio das Flaggschiff der Marke. Schon bei ihrer Premiere unter „Klassiker-Verdacht“ stehend, ist sie über Jahrzehnte hinweg im Portfolio geblieben – zwar mit stetem Feinschliff und Detailverbesserungen, im Prinzip aber unverändert.

Step by step

Herr A. aus L. hat seit der Premiere auf der IFA endlich ein klares Ziel vor Augen: ein Pärchen Avantgarde Acoustic Trio und das dazu passende Wohnzimmer. Schließlich muss ja auch die Frage nach dem Bass beantwortet werden. So unempfindlich ein gutes Hornsystem gegenüber räumlichen Einschränkungen akustisch auch sein mag – die Trio ist wirklich groß und braucht Platz zur Entfaltung. Schon als Normalversion ist sie rund einen Meter breit, als noch eindrucksvollere „Trio Classico“ mit geschwungenem Stahlgestell misst sie gar 1,3 Meter in der Breite. Pro Kanal. Und dann kommen pflichtgemäß noch mindestens zwei standesgemäße Subwoofer hinzu, die den Spaß erst komplett machen. Denn prinzipbedingt kann selbst das große Tiefmittelton-Horn – Trichterdurchmesser 95 Zentimeter – keine tiefen Basslagen produzieren, sondern blendet sich unterhalb von etwa 100 Hertz aus. Daher klingt eine Trio ohne Tieftonunterstützung wie eine völlig wild gewordene Kleinbox nach dem Zuckerschock: unfassbar „schnell“ und irre „laut“, aber dank fehlendem Fundament eben auch unbalanciert und hysterisch. Für die volle Performance braucht eine Trio ordentlich „Druck von unten“; adäquate Unterstützung aus dem Basskeller ist gefragt, um auch klanglich der optischen Erscheinung gerecht zu werden.

Vermeintlich pfiffige Bass-Lösungen mit gefalteten Hornführungen – siehe Klipschorn oder Tannoy Westminster – bieten eine recht „wilde“ Performance mit limitiertem Tiefbass. Das genügt Holger Fromme natürlich nicht, er setzt von Beginn an auf aktive Subwoofer. Zunächst eher konventionelle, unauffällige „Kisten“ erledigen die Aufgabe in den ersten Produktionsjahren schon sehr ordentlich. Doch erst als Avantgarde Acoustic 2002 das völlig neu entwickelte „Basshorn“ vorstellt, bekommen Trio-Fans glänzende Augen. Das aktiv geregelte, mit bärenstarken Verstärkern bestückte Basshorn basiert, Nomen est Omen, auf einem modifizierten Hornverlauf. Man hat es mit einigen schaltungstechnischen Tricks geschafft, aus relativ moderaten Abmessungen einen tiefen, zugleich „schnellen“ Tiefbass zu kitzeln. Zudem passt das knapp 100 Kilo schwere Basshorn optisch sehr gut zum spektakulären Trio-Satelliten, erlaubt dank schlauer Formgebung auch noch verschiedene Aufstellungen und Kombinationen: hochkant oder liegend, vor der Wand oder in der Ecke – und kommen immer im Doppelpack. Das ist das Minimum. Allerdings ist hier gepflegte Hochstapelei erlaubt, ein Quartett oder Sextett passt mindestens ebenso gut zur Trio. Was in maximaler Ausbaustufe einer Hornmundfläche von 5,7 Quadratmetern (!) entspricht!

Kultur-Skulptur

Herr A. hat sich zwischenzeitlich seinen Traum erfüllt und ein Haus gebaut, das sich quasi um ein Pärchen Avantgarde Acoustic Trio – in Nextel-Mattlack „Stealth Nocturne Red“ mit goldenen Hochtonhörnern – herumschmiegt, wenn man das so sagen darf. Und aus dem „eigentlich ausreichenden“ Basshorn-Doppelpack der ersten Stunde ist erst ein flotter Vierer, dann ein fast schon monolithischer Sixpack geworden. Vor allem in der höchsten Ausbaustufe wirkt das komplette, nunmehr zwölfteilige Trio-Ensemble wie ein riesiges Kunstwerk im Raum, das sich mühelos in das geschmackvoll arrangierte Ambiente des Wohnhauses einfügt. Schön, dass die Skulptur auf Knopfdruck auch noch Musik machen kann – und wie! Zum Dahinschmelzen. Zum Aufspringen. Zum Abrocken. Zum Versinken.

Supergalerie mit 44 Bildern


Übrigens ist die zentrale Fläche des Wohnzimmers von Herrn A. gar nicht mal so viel größer als das empfohlene Mindestmaß von 25 Quadratmetern. Doch da der Wohnbereich des Hauses praktisch zu allen Seiten offen ist, muss hier ein stattliches Luftvolumen bewegt werden. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie viel Mühe eine Avantgarde Acoustic Trio mit einer solchen Aufgabe hat: nullkommanull. Und schon spielt Keith Jarrett sein berühmtes Köln Concert, live und nur für uns. Im Vorprogramm. Denn als Haupt-Act hat sich ein gewisser Andreas Vollenweider angekündigt …
Es gibt übrigens noch eine weitere Ausbaustufe des Systems, die Herr A. schon bald einbauen lassen will: das Upgrade des Basshorn-Sextetts zur aktuellen „XD“-Variante. Das Kürzel steht für „eXtrem Digital“ und bedeutet einen nochmals deutlichen Schritt in puncto Linearität, Zeitrichtigkeit sowie Abstimmung des Systems auf den Raum. Klingt langweilig? Vollenweider, übernehmen Sie!

 

Avantgarde Acoustic Trio
3-Wege-Hornsatellit mit aktivem Subwoofersystem
Produktionszeit Trio: seit 1993
Paarpreis Trio 1993 (ohne Subwoofer): ab ca. 29 000 DM
Paarpreis Trio XD 2017 (ohne Subwoofer): ab ca. 39 900 €

Avantgarde Acoustic Basshorn
Aktives Subwoofer-Hornsystem
Produktionszeit Basshorn: seit 2002
Paarpreis Basshorn XD 2017: ca. 29 900 €

Avantgarde Acoustic Lautsprechersysteme GmbH
Nibelungenstraße 349
64686 Lautertal-Reichenbach
Telefon 06254 306100

www.avantgarde-acoustic.de

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