Jazzidelity: Makkro – Raeume

Ideen hoch zwei

Sebastian Gramss, ECHO-Preisträger 2013, gehört zu Deutschlands profiliertesten Jazzbassisten. Vor mehr als 20 Jahren gründete er das permanent verblüffende Quintett Underkarl, er hat ein spannendes eigenes Trio am Laufen, leitet bis zu 50-köpfige Kontrabass-Ensembles oder überträgt die Bigbandmusik von Duke Ellington auf ein Duo. Für Überraschungen ist Gramss immer wieder gut. Doch was hat er mit dem Projekt Makkro zu schaffen? Auf den ersten Blick: nichts. Weder spielt er hier mit – noch hat er Kompositionen dafür geliefert. Und doch findet sich sein Name auf der CD-Verpackung gleich zweimal: als Mit-Arrangeur und als Begründer eines „makropolyphonen“ Konzepts, das dieser Musik zugrunde liegen soll.

Makkro

Makkro – zwei Jazz-Trios verschmelzen zur Makropolyphonie

Makkro

Makkro – Raeume
CD, Fuhrwerk

Die Idee dieses Konzepts ist, dass zwei Bands – möglichst gleicher Größe – sich und ihre Interpretationen derselben Stücke miteinander verbinden. Ergebnis: Eine Doppel-Band spielt eine Doppel-Interpretation. „Das Repertoire wird entsprechend dem Spielkonzept besprochen, strukturiert und auf gemeinschaftlicher Basis in Konzertform gebracht“, heißt es auf Gramss’ Website. Das klingt ein wenig, als würde das Selbstverständlichste zur Sensation aufgeblasen. Im Pressetext von Makkro wird man dagegen konkreter: „Die resultierenden Möglichkeiten werden sehr bewusst genutzt und gegeneinander ausgespielt. Mit großer Spielfreude und Leichtigkeit werden Vielschichtigkeit, Stereoeffekte oder Überlagerungen rhythmischer und melodischer Art erzeugt. Zuweilen erscheint einem das Bild eines vielarmigen Bassisten oder Schlagzeugers.“

Makkro – Raeume

„Das Repertoire wird entsprechend dem Spielkonzept besprochen, strukturiert und auf gemeinschaftlicher Basis in Konzertform gebracht.“

Doch wie das „makropolyphone“ Konzept gemeint ist und wie es funktioniert: Man muss es gar nicht wissen, um das Album Raeume extrem mitreißend zu finden. Zwei Bandleader führen hier ihre Trios zusammen: der Pianist Christian Lorenzen, der die meisten Kompositionen lieferte, und der erst 23-jährige Posaunist Janning Trumann, offenbar ein Riesentalent. Mit zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern spielen sie sich durch originelle Themen, Blues-Stimmungen, Rock-Grooves, freie Steigerungen, handfeste Improvisationen, gewitzte Rhythmen und raffinierte Verfremdungen. In der Tat sorgt dabei die doppelte Rhythmusgruppe für enorm viel Power. Und in der Tat passieren im Lauf der Stücke so viele Dinge, dass man meinen könnte, die beiden Bands hätten ihre Ideen nicht nur zusammengepackt, sondern gleich miteinander multipliziert. Wenn die Spannung und die Intensität dieser Musik wirklich das Ergebnis von Gramss’ „Makropolyphonie“ sind, dann wünsche ich mir eine weite Verbreitung seines Konzepts.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 12 (2/2014)

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