Musiklexikon: B wie Bandoneon

Musiklexikon BandoneonDer Name leitet sich nicht von der „Banda“ (Musikkapelle) her, hat auch nichts mit der irischen Ortschaft Bandon oder mit der Malediven-Insel Bandos zu tun. Namensgeber des Bandoneons war vielmehr ein gewisser Heinrich Band, Musikhändler in Krefeld, der schon 1860 (mit 39 Jahren) verstorben ist. Zuvor hatte Band die Idee, die ihm gelieferten „Konzertinas“ aus Chemnitz und Carlsfeld – deutsche Konkurrenzprodukte zum Akkordeon – mit einem neuen Griffsystem auszustatten. Das Ergebnis nannte er stolz „Bandonion“ und vermarktete es so geschickt, dass die Popularität des Instruments zeitweise sogar das Akkordeon in den Schatten stellte. Im Kaiserreich entstanden in Deutschland zahlreiche Bandoneon- und Konzertina-Vereine.

Musiklexikon Bandoneon

Musiklexikon BandoneonDen größten Erfolg aber erzielte das Bandoneon im mehr als 10.000 Kilometer entfernten Buenos Aires. Dort, im Schmelztiegel spanischer, italienischer, afrikanischer und indianischer Traditionen, war um 1900 ein neuer Tanz entstanden, der Tango. Man spielte ihn zunächst mit Flöte, Geige und Harfe, auch Gitarre und Klavier waren erlaubt. Doch offenbar fehlte der multikulturellen Mixtur noch ein Schuss germanischer Schwermut – und den brachte das Bandoneon. In Argentinien sagt man: „Buenos Aires hat seit seiner Entstehung auf das Bandoneon gewartet.“ Nach dessen Ankunft im Tango wurde die Bauart „Rheinische Lage“ bald zur „Argentinischen Lage“ und der Tango geriet dunkler, trauriger und langsamer, was vielleicht auch daran lag, dass das Bandoneon so immens schwer zu spielen ist. Kip Hanrahan, der eine Zeit lang den großen Astor Piazzolla produzierte, hat die Schikanen des Bandoneons so beschrieben: „Im Grunde hat es vier Spielflächen: eine für jede Hand beim Drücken und eine für jede Hand beim Ziehen. Aber es kommt noch schlimmer: Die Töne liegen beharrlich irrational nebeneinander und die Irrationalität wechselt noch von Hand zu Hand und die Töne wandern je nachdem, ob man drückt oder zieht.“

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 9 (5/2013)

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