Musiklexikon: T wie Toccata

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Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge in d-Moll

Eines der berühmtesten Werke Johann Sebastian Bachs ist die Toccata und Fuge in d-moll, BWV 565. Doch was ist eigentlich eine Toccata? Anders als eine Fuge, ein Walzer oder ein Blues ist die Toccata schwer zu fassen. Das Wort selbst kommt vom italienischen Verb „toccare“, das „berühren“ oder „klopfen“ bedeutet („to touch“, „tock-tock“). Toccaten werden also „geklopft“, das heißt, man spielt sie in der Regel auf einer Tastatur oder seit dem 20. Jahrhundert gelegentlich auch auf einem Schlagwerk. Was aber eine Toccata aber außerdem noch ausmacht, ist ziemlich unklar. Ursprünglich war die Bezeichnung wohl nur ein Verlegenheitsname für ein quasi improvisierend dargebotenes Vor- oder Zwischenspiel auf einem Tasteninstrument. Dass der Spieler dabei sein Können und die Möglichkeiten seines Instruments demonstrieren wollte, liegt auf der Hand. Um ein großes spieltechnisches Feld abzudecken, weisen komponierte Toccaten daher häufig starke innere Gegensätze auf. Oft benutzte Begriffe wie „toccatenartig“ oder „Toccatenfiguren“ werden dadurch aber eher noch rätselhafter.

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J.S. Bach mit der berühmtesten aller Toccaten

Selbst Johann Sebastian Bach hat den Begriff „Toccata“ nicht einheitlich verwendet. Seine Orgeltoccaten (z.B. in BWV 538, 564, 565, 566) sind als freizügige Präludien jeweils mit einer nachfolgenden Fuge gekoppelt. Seine Klaviertoccaten dagegen (BWV 910-916) verhalten sich fast wie Suiten mit eingestreuten Fugenteilen. Es gibt in der Musikliteratur Toccaten, die konzentrierten Etüden ähneln, und solche, die im Gegenteil an recht ziellos zusammengestellte Divertimenti erinnern. Die Bezeichnung „Toccata“ scheint also nichtssagend wie die vorklassische „Sonate“, die einfach nur ein „Klangstück“ war. Bachs Zeitgenosse Johann Mattheson (1681-1764) soll die Toccata sogar einmal als „Gespiele“ definiert haben. Vielleicht ist genau das die richtige formale Bestimmung der Toccata: ihre Beliebigkeit, ihre Unbestimmtheit, ihre Unberechenbarkeit. Ob darin aber eine spontane Expressivität zum Ausdruck kommt oder vielleicht nur eine besondere Zerstreutheit: Auch dies bleibt letztlich unbestimmt.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 7 (3/2013)

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