Test: beyerdynamic DT 240 PRO – mit allen Wassern gewaschen

Beyerdynamics DT 240 PRO erweist sich als wahrer Allrounder

Der Walkman-Nutzer der 80er Jahre war nur der Vorbote unserer mobilen Gesellschaft. Der flexible Mensch, der digitale Nomade ist aus dem Bild der Großstadt der 21. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. Arbeit und Freizeit verschmelzen, das Leben findet im Status des To-Go statt. Wen wundert es da, dass es gerade der Markt des mobilen HiFi ist, der momentan boomt: Neben digitalen Audioplayern verzeichnet vor allem das Segment der Kopfhörer einen exponentiellen Anstieg. Natürlich gibt es auch noch edle Kopfhörer im vierstelligen Euro-Bereich, die primär als stationäres Homeequipment audiophile Gelüste bedienen, der wachsende mobile Bereich formuliert aber Herausforderungen, die über die rein akustische Qualität hinausgehen und Bewertungslevel neu justieren. Hier geht es vor allem um Leichtigkeit und Robustheit, die ein einfach zugängliches und dauerhaftes Vergnügen ermöglichen. Aber auch der Preis spielt eine Rolle. Wer mag schon die Investition eines Monatsgehalts im überfüllten öffentlichen Nahverkehr ungeschützt durch die Gegend fahren oder einem kurzen Regenschauer aussetzen? Womit wir auch schon beim aktuellen DT 240 Pro aus dem Hause beyerdynamic angelangt wären. Wie alle beyerdynamic-Kopfhörer profitiert das neue Modell von der bald einhundertjährigen Erfahrung des Unternehmens. Profi-Werkzeuge wie der DT 770 PRO kommen in Studios weltweit zum Einsatz und werden von Toningenieuren geschätzt. In diese Tradition soll sich nun der DT 240 PRO einreihen.

Für den Alltag nur das Beste

Wunderbare 196 Gramm leicht, faltbar und dabei von einer ausgewiesenen stabilen Materialqualität, die im zweistelligen Preissegment nicht selbstverständlich ist. Der neue Abhör-Kopfhörer DT 240 PRO von beyerdynamic passt perfekt zum mobilen Workflow unserer Zeit. Kreative Menschen können überall mit ihm arbeiten – ein Projekt irgendwo beginnen und anderswo fortsetzen. Ob am Mischpult für das eigene Bandprojekt, hinter der Kamera für den eigenen YouTube-Kanal oder im Zug für den neuen journalistischen Entwurf: Der DT 240 PRO sorgt für lückenlose Audiokontrolle in gleichbleibender Qualität. Oder aber man nutzt ihn schlichtweg zur musikalischen Entspannung zwischendurch, sei es im Büro, beim Spaziergang oder im Flugzeug. Insofern haben wir hier die perfekte Verbindung von Pflicht und Kür, von Arbeit und Freizeit vor den Augen bzw. auf den Ohren.

beyerdynamic DT240PRO

Günstig, aber audiophil

Bevor es auf die Straße geht, unterziehen wir aber den DT 240 PRO zunächst dem audiophilen Härtetest, auch wenn dies nicht dessen ausgewiesenes Arbeitsfeld ist. Mendelssohn Italienische Symphonie ertönt in der Neuaufnahme mit Yannick Nézet-Séguin als HighRes-Flac in den stramm sitzenden Ohrmuscheln. Die Holzbläser klingen dabei beeindruckend verfärbungsfrei, keine Fremdtönung schmälert das unerwartet hohe Hörvergnügen. Der etwas unfaire Vergleich mit einem Focal Utopia oder auch beyerdynamics hauseigenem DT 1 zeigt natürlich, dass vor allem in Sachen Räumlichkeit noch mehr geht, aber die tonale Ausgewogenheit demonstriert, dass die Heilbronner Neuentwicklung nicht umsonst das Studioetikett Pro trägt. Eine musikalische 180-Grad-Drehung hin zu Kendrick Lamars letztem Meisterwerk Dawn offenbart eine erstaunliche Tiefe im Bass, die auch bei großer Lautstärke von den Treibern vollkommen verzerrungsfrei wiedergegeben wird. Dabei klingt die Musik alles andere als kalt oder technisch steril, wie man dies vorschnell gerne mal mit günstigem Studioequipment in Verbindung bringt; egal, ob Klassik oder HipHop, sämtliche Tracks bekommen in allen Hörsituationen einen unnachahmlichen Flow und eine beinahe seidene Transparenz, die dafür sorgt, dass auch unterwegs mit einem audiophilen Touch Musik in Reinkultur genossen werden kann.

 

beyerdynamic DT240PROEine Frage der Street Credibility

Und damit auf zum mobilen Härtetest, jenseits des behüteten Wohnzimmers mit highendiger Stationärausstattung.  Eine besondere Form der Hörerschalen macht den DT 240 PRO äußerst handlich. Beyerdynamic nennt diese Mischung aus On-Ear- und Over-Ear-Bauweise „Compact Over Ear“. Sie sorgt dafür, dass beide Ohren fest umschlossen sind, der Abhörmonitor beim Transport aber trotzdem in eine Notebook- oder Kameratasche passt. Robuste Materialien aus der Studiotechnik, ein abziehbares Spiralkabel und austauschbare Ohrpolster sorgen für ein unbeschwertes Kopfhörererleben in jeder Alltagssituation. Mobile Zuspieler, sei es nun ein Smartphone oder ein Digital Audio Player, können schon mal schneller als gewünscht leistungsmäßig in die Knie gehen, wenn der Kopfhörer ein hohes Maß an Leistung verlangt. Dank niederohmiger Schallwandler (34 Ohm) kommt der DT 240 PRO dem Papier nach mit wenig Verstärkerleistung aus. Der Praxistest belegt, dass wir tatsächlich einen mehr als genügsamen Zeitgenossen vor uns haben – sowohl mein betagtes Smartphone als auch mein aktueller Fiio X3II befeuern diesen so mühelos, dass nie der Wunsch nach einem zusätzlichen Verstärkungsmodul aufkommt. Auch leise, quasi hingehauchte Passagen aus Emiliana Torrinis und Kid Koalas Kooperation Music To Draw sind dreidimensional greifbar, nie verlangt der Kopfhörer nach verstärkerseitigen Restreserven, die das Klangbild ins Schemenhafte und Ungefähre abgleiten lassen. Nein, man muss mit diesem Kopfhörer nicht ausschließlich fette Straßenbeats a la Dr. Dre oder Kendrick Lamar hören, es darf auch gerne etwas Feingeistiger zugehen. Angel Olsens aktuelles und in Homerecording-Ästhetik aufgenommenes Album Phases mit all seinen fragilen Schattierungen lief seit Erscheinen quasi in Heavy Rotation über den jüngsten beyerdynamic-Sprößling, ohne dass ich jemals etwas an Klanggüte- und fülle vermisst hätte. Dies ist aber nicht zuletzt einer exzellenten Abdichtung geschuldet, die das A und O mobilen Hörens darstellt. Dank guter Schallisolierung kommt diese Performance auch in lauter Umgebung zur Geltung. Ein satter Anpressdruck und dicht abschließende Ohrpolster halten Umweltgeräusche in perfekter Abschirmung draußen. Gleichzeitig spürt man den Kopfhörer kaum, so ergonomisch hat der Heilbronner Audiospezialist seinen DT 240 PRO gestaltet. Ideal, um sich dem morgendlichen Alltagsstress in der U-Bahn zu entziehen. Was gibt es Angenehmeres, als sich vor der Büroarbeit den banalen, aber lautstark vorgetragenen Problemen und Nöten der mitfahrenden Zeitgenossen für ein halbes Stündchen zu entziehen, indem man unter angenehmer Abschirmung der individuellen Playlist Gehör schenken kann. Das Testexemplar ist mir hier in den letzten Wochen ein liebgewonnener Begleiter im Berliner Nahverkehr gewesen.

 

Grandioser Ton zum bewegten Bild

Ganz großes Kino bekommt man im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man den Kopfhörer beim Filmstreaming verwendet. Absolute Sprachgenauigkeit, eine fein austarierte Verteilung unterschiedlicher Klang- und Geräuschebenen im Film, eine geradezu holographische Räumlichkeit, all dies macht das Filmvergnügen am Laptop zu einem wirklichen Erlebnis. Hier macht es sich zweifelsfrei bezahlt, dass der DT 240 eigentlich für die andere Seite des Filmes entwickelt wurde, nämlich für die Produzentenseite. Aber als Rezipient ist man natürlich dankbar dafür, dass man an der glasklaren Genauigkeit des Produktionsverfahrens auch beim privaten Filmgenuss partizipieren kann. Und als Film- und Serienfreak weiß man, dass die perfekte Akustik die Spannungskurve des optisch Dargebotenen nochmal deutlich steigern kann.

beyerdynamic DT240PRO

Allen Ansprüchen gewachsen

Auch wenn der DT 240 PRO von Herstellerseite in erster Linie für den Arbeitseinsatz mobiler Musik-, Video- und Podcastproduzenten gedacht ist, so kann er doch als audiophiler Alltagsbegleiter überzeugen, der in seiner handlichen und dennoch robusten Bauweise für den mobilen Einsatz perfekt optimiert ist. Und für die Lifestyler unter uns: Verdammt cool sieht die Schallmütze auch noch aus. Man bekommt also ein Gesamtpaket, das weit mehr beinhaltet, als der Preis von 99 Euro vermuten lässt.

 

 

beyerdynamic DT 240 PRO

Wandlerprizip: dynamisch

Arbeitsprinzip: geschlossen, ohrumschließend

Übertragungsbereich: 5–35.000 Hz

Nennimpedanz: 34 Ω

Kennschalldruckpegel: 99 dB SPL (1 mW / 500 Hz)

Max. Schalldruckpegel: 119 dB SPL (200 mW / 500 Hz)

Gewicht (ohne Kabel): 196 g

Unverbindliche Preisempfehlung: 99,- Euro

 

 

www.beyerdynamic.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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