Exklusivtest Wilson Audio Yvette – Geliebte Musikmaschine

Wie gut, dass es das unbeirrbare Streben nach Perfektion noch immer gibt. Noch besser, dass man das auch hören kann.

Eine kleine Beichte zum Einstieg. Vor rund 25 Jahren besuchte ich kurz nacheinander zwei HiFi-Shows, die für alle Beteiligten eher ungünstig verliefen. Dabei stieß ich erstmals auf zwei Modelle von Wilson Audio. Doch es konnte einfach nichts werden mit mir, dem schwer anglophilen Hobby-Rock’n’Roller, und den US-Lautsprechern von David Wilson, dem fanatischen Sucher nach der akustischen Wahrheit. Prompt hakte ich Wilson Audio als prätentiös und „unangemessen anspruchsvoll“ ab. Selbst nachdem ich zwischenzeitlich meine Herzensdame kennengelernt und auch sonst eng mit „klassischer Musik“ im weiteren Sinne angebandelt hatte, bewegte sich Wilson Audio noch immer außerhalb meines audiophilen Fokus. Im Rückblick ist das schon recht merkwürdig, aber nicht zu ändern.

 

Wilson Audio Yvette Environment Pictures

Mein persönliches Interesse erwachte erst, als mir Kollege Ingo Schulz ein Pärchen WATT Puppy aus seinem Fundus vorspielte. Im privaten Rahmen, ohne Messetrubel. Und schon beschlich mich die Ahnung, dass ich vielleicht doch ein paar entscheidende Momente in der Geschichte von High End Audio verpasst haben könnte. Ich setzte Wilson Audio ganz oben auf meine Liste „Unbedingt näher erkunden!“, konnte die selbstgestellte Forderung aber erst drei Jahre später einlösen. Ein Gentleman namens Peter McGrath präsentierte das damals brandneue Modell Alexia und begeisterte mich gleich doppelt: mit einer sensationell guten Performance des Lautsprechers und mit einer exquisiten Musikauswahl.

Kurz darauf trafen die Herren Schulz und Brockmann die versammelte Familie Wilson im Umfeld der Wiener Staatsoper („Closer to the real thing“, FIDELITY Nr. 7, Ausgabe 4/2013). Neben all den immer wieder erstaunlich tief gehenden Gesprächen hat uns beeindruckt, wie selbstverständlich sowohl Dave Wilson als auch Sohn Daryl das große Thema Musik und Musikwiedergabe im Griff haben.

Mittlerweile hat Daryl den Herrn Papa im Chefsessel bei Wilson Audio abgelöst, geändert hat sich am Anspruch der Firma rein gar nichts – zum Glück. Unverändert ringt man bei Wilson Audio um jedes Jota, mit dem ein WA-Produkt dem Live-Konzertbesuch noch ein bisschen näherkommen kann. Allein aus diesem Grund bereisen die Wilsons die Konzerthäuser der Welt, schöpfen aus einem Riesenfundus selbst erstellter Aufnahmen und kümmern sich auch um das allerkleinste Detail bei der Entwicklung und Fertigung und auch der Aufstellung der Lautsprecher beim Kunden. Es geht immer und ausschließlich um die Musik, so einfach ist das – um möglichst gut produzierte Musik, sollte man fairerweise noch hinzufügen. „The real thing“ ist nun mal keine für den Laptop optimierte MP3-Datei, sondern alles, was mit Könnerhand eingespielt und konserviert oder wenigstens nach audiophilen Maßstäben produziert wurde. Für rumpeligen Rabaukenrock und mediokre Minusmucke schaue man sich bitteschön woanders nach gewöhnlichen „Boxen“ um.

Und damit sind wir endlich beim jüngsten Modell von Wilson Audio angekommen. Erster Eindruck: Die Yvette ist mit ihrer typischen WA-Statur schon auf den ersten Blick keine „Box“. Und gewöhnlich ist an ihr rein gar nichts. Beispielsweise handelt es sich bei den verbauten, durchaus vertraut wirkenden Treibern um spezielle Typen, die nach den exakten Spezifikationen von und nur für Wilson Audio hergestellt werden.

Die dann bei WA in Provo, Utah, auf noch engere Toleranzen erst paarweise, dann im kompletten Set mit allen anderen Treibern selektiert und zusammengestellt werden. Die dann mit superfein abgestimmten und vergossenen Frequenzweichen verheiratet werden. Die dann in ein absolut makellos gefertigtes, komplex konstruiertes, materialintensives und maximal resonanzarmes Gehäuse eingebaut werden. Und die dann, als fertiges Manufakturprodukt, vom geschulten WA-Händler optimal in ihr neues Zuhause integriert werden. Und dort mit absoluter Sicherheit schon heiß und innig erwartet werden, denn Wilson Audio beginnt mit der Fertigung erst nach Auftragseingang. „Von der Stange“ gibt es hier nichts.

Das neue Zuhause für die neue Yvette ist der FIDELITY-Hörraum. Hier zieht nicht allein das frisch aus den USA eingetroffene Yvette-Pärchen ein, sondern auch ein Gentleman namens Peter McGrath. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen. Ist der offizielle Markenbotschafter von Wilson Audio und ehemalige Chef von Harmonia Mundi USA doch nicht nur ein ausgewiesener Musikkenner und gefragter Tonmeister, sondern auch der Experte für die optimale Installation eines WA-Produktes in gegebenen Räumlichkeiten.

Im Hörraum sorgen große Möbelgleiter unter den serienmäßigen Spikes für eine gewisse Beweglichkeit der sauschweren Lautsprecher. Die 80-Kilo-Felsen lassen sich darauf zentimeterweise hin und her schieben, bis die beste Position gefunden ist. Auf einem „calibration sheet“ notiert McGrath die jeweiligen Positionen der Lautsprecher im Raum und vergibt anhand bestens bekannter Testtracks Schulnoten für die Performance in sieben Einzeldisziplinen. Sie geben sich übrigens durchweg als musikalische Kriterien eines tonmeisterlich geschulten Ohres zu erkennen – Tiefbassausdehnung, Qualität des Grundtons, räumliche Eindrücke („soundstage center focus“ und „ambient bloom“), tonale Balance, dynamischer Eindruck und musikalischer Fluss („flow“) … Das dürfte die musikorientierteste, zugleich professionellste und zielgenaueste Herangehensweise sein, einem Lautsprecher in bisher unbekanntem Umfeld das bestmögliche Ergebnis zu entlocken.

Wilson Audio Yvette Peter McGrath

Eigentlich hat Peter McGrath für die Yvette im FIDELITY-Hörraum satte anderthalb Tage (!) veranschlagt. Ein großer Stapel CDs und sein Digitalrecorder mit eigenen HiRes-Aufnahmen liegt schon bereit. Doch bereits nach drei Stunden „kritischem Hören und Herumschieben“ ist er mit dem klanglichen Ergebnis sichtlich zufrieden und bittet uns zur „Abnahme“ seiner Arbeit in den Hörraum. Anhand der noch ausgelegten Maßbänder fällt mir auf, dass der Klangprofi die rein rechnerisch nur zweitbeste Gesamtsumme auf dem Calibration Sheet zum klanglichen Favoriten erklärt hat. “Well, it’s the overall performance that counts”, sagt McGrath – und startet den ersten Track über die Wilson Audio Yvette im FIDELITY-Hörraum.
Nur gut, dass ich sitze. Es hätte mich sonst umgehauen. Noch bevor irgendein Instrument erklingt, kann ich den „atmenden“ Aufnahmeraum klar und deutlich um mich herum „sehen“. Die Yvette vermittelt im Handstreich ein Gefühl für Größe und Volumen. Und nach den ersten Takten der Holst’schen Planeten bin ich heimlich verliebt. Nicht in den schönsten Lautsprecher der Welt, auch nicht in den teuersten Schallwandler aller Zeiten oder das Schnäppchen des Jahres, vielmehr in ein unfassbar gut ausbalanciertes Klangmöbel. Yvette und ich, wir mögen uns auf Anhieb sehr.

Vielleicht, weil die Dame auf Anhieb so unkapriziös, so umgänglich ist? Yvette ist der größte „einteilige“ Lautsprecher von Wilson Audio, verfügt also nicht über die Einstellmöglichkeiten der größeren WA-Modelle. Deren separate Mittel- und Hochtonmodule können minutiös auf die phasenrichtige (zeitkohärente) Abstrahlung aller Chassis für eine bestimmte Hörposition eingestellt werden. Das mechanisch unveränderbare „One-Body-Design“ der Yvette verlangt hingegen nach einem bestimmten Abstand zum Hörplatz – im konkreten Fall etwa 2,75 Meter, bei einer Ohrhöhe zwischen 96 und 102 Zentimetern – und funktioniert beispielsweise im 33 Quadratmeter großen FIDELITY-Hörraum perfekt.

Yvette ist formal die große Schwester der Sabrina, hat technisch gesehen allerdings erhebliche Verfeinerungen zu bieten, die Wilson Audio auch den größeren Modellen der jüngeren Zeit angedeihen lässt – bei deren Konzeption Daryl Wilson übrigens schon seit 2002 beteiligt ist. Yvette profitiert natürlich auch von den Erkenntnissen, die sich bei der Entwicklung des Nonplusultra-Flaggschiffs WAMM Master Chronosonic (siehe FIDELITY Nr. 30, Ausgabe 2/2017) ergeben haben. Der allergrößte Teil all dieser Feinarbeit ist nicht sichtbar, sondern integraler Bestandteil eines großen Ganzen, das sich im fantastisch resonanzarmen Gehäuse der Yvette manifestiert. Wie schon gesagt: Nicht spektakuläre Bauteile oder Hyper-Hightech-Treiber sind (allein) entscheidend für Wohl und Wehe der Performance, sondern das bestmöglich abgestimmte, integrative Zusammenspiel aller Komponenten für eine maximal zeitkohärente Schallabstrahlung. Das hören nun auch die anwesenden Kollegen; wir wechseln uns gelegentlich auf dem Sweetspot ab, der einen überwältigend umfassenden Eindruck von akustischer Holografie bietet.

Wilson Audio Yvette WA Exklusivbilder

Abends bin ich mit Yvette allein auf weiter Flur. Nun kann ich sie in aller Ruhe mit der einzigen Sinfonie von Erich Wolfgang Korngold (Chandos 9171) beglücken – eines meiner Lieblingswerke für großes Orchester, 1993 eingespielt mit dem BBC Philharmonic unter Sir Edward Downes im Konzertsaal des New Broadcasting House, Manchester. Innerhalb weniger Sekunden entführt mich der Schallwandler in die wunderbare Welt der geschickt arrangierten Dissonanzen und Spannungsbögen, stellt den ziemlich stark besetzten Orchesterapparat wie selbstverständlich in den Hörraum – und auch locker über dessen Grenzen hinaus, der räumliche Eindruck ist einfach umwerfend! Ich bin dennoch voll bei der Musik. Dynamische Ausbrüche, etwa vom hier größer als normal besetzten Schlagwerk, stellt die Yvette völlig ungebremst in den Raum. Grollende und dräuende Basslagen sind nicht einfach nur „da“, sondern besitzen erkennbar Gestalt und Kontur, und bei den vielleicht schönsten Tonartwechseln der jüngeren Musikgeschichte kommen mir die Tränen – was für ein fantastischer Musikvermittler die Yvette doch ist! Good job, Peter, Dave and Daryl. Even better job, Yvette. And thank you all, Erich Wolfgang Korngold, Frank Zappa, Oscar Peterson, Malia, Marc-André Hamelin, Pink Floyd, Ella Fitzgerald, David Crosby, Yello …

Ausdrücklich nicht bedanken, sondern beschweren möchte ich mich zum Beispiel bei Beth Hart, Motörhead oder den späteren ZZ Top für reichlich mittelmäßige Produktionen – und auch bei AC/DC (außer für Ballbreaker, die ist richtig gut). Dank meiner neuen Freundin Yvette weiß ich nun sehr genau, wo es aufnahmetechnisch gehakt und geklemmt hat und wo einfach nur enorm geschlampt wurde. Gleiches gilt sinngemäß auch für alle Hardware-Zuspieler, von der Quelle über die Verstärkerauswahl (diese Amplifon-Röhrenmonos!) bis hin zu allen Kabeln mit unterstützendem Zubehör: ein traumhaftes Werkzeug für Musikophile und Audiophile! Und glauben Sie nur ja nicht, die nach WA-Maßstäben noch als kompakt geltende Yvette sei in irgendeiner Art und Weise „kompakt im Klang“ – ganz im Gegenteil!

Zum Glück ist die Yvette nicht nur irrwitzig breitbandig (inklusive Tiefbass!), sondern bietet auch eine derart bruchlose und homogene Performance, dass es selbst noch bei miesen Aufnahmen genug zu entdecken gibt. Ihre wahre Bestimmung jedoch findet die Yvette bei superb produzierten Werken. Dann ist Wilson Audios größter Einteiler ganz bei sich selbst, lässt Zeit und Raum vergessen. Und den Paarpreis auch: Wenn es eine HiFi-Komponente schafft, komplett in der Musik aufzugehen und ihre Zuhörer dorthin mitzunehmen, darf sie praktisch alles verlangen. Aufmerksamkeit zum Beispiel. Und Respekt.

Wilson Audio Yvette Navigator

Ein Kommentar zur Wilson Audio Yvette von Hans von Draminsk

„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“ Diese Worte stammen von keinem HiFi-Ingenieur und schon gar nicht von einem Lautsprecherentwickler, sondern von dem französischen Literaten, Philosophen und Piloten Antoine Marie Jean-Baptiste Roger Vicomte de Saint-Exupéry (1900–1944). Der grüblerische Autor, der uns unter anderem den Kleinen Prinzen hinterließ, fügte sinngemäß hinzu, dass die Maschine in ihrer höchsten Form unauffällig werde. Eine Idee, die in der Wilson Audio Yvette eine so kongeniale wie überwältigende Umsetzung erfuhr.

Nein, dies ist kein Kleinlautsprecher und kein klingendes Wandpaneel. Die Unauffälligkeit stellt sich dann ein, wenn diese schlicht gestalteten Skulpturen ihre Arbeit beginnen – und man in Windeseile vergisst, dass hier Schallwandler am Werk sind, die zuvor Gespeichertes wiedergeben. Die Wilson Audio Yvette wird vom ersten Orchestertakt, vom ersten Tastenanschlag, vom ersten pianissimo gehauchten D in der tiefen Lage an unsichtbar, entstofflicht sich, ist einfach weg und lässt die Musik ungehindert strömen. Das gelingt ihr am besten mit Schallereignissen, die auf natürlichem Weg erzeugt wurden, seien es nun Klassikstücke, Jazznummern oder die vokalen Geistesblitze von Sängern und Songschreibern.

Sitzt man mit Peter McGrath auf der Couch, dann ist der Nachschub solchen Materials zuverlässig gesichert. Hat der hochtalentierte Tonmeister doch im Laufe seines Lebens einige höchst bemerkenswerte Aufnahmen hauptsächlich auf dem Klassiksektor erstellt beziehungsweise verantwortet. Dass jemand wie er für Wilson Audio arbeitet, ist nur logisch: Auch McGrath ist ein Anhänger puristischer Konstellationen – auch und gerade, wenn es um Musikaufnahmen geht. Keine Multi-Mikrofonierung, sondern eher sparsame Konfigurationen, in denen der Klangkulinariker McGrath stets darauf achtet, einen wohldosierten Anteil des Raums, in dem die Aufnahme stattfand, „mitzunehmen“. Um „seine“ Lautsprecher adäquat vorzuführen, hat er, gespeichert auf der SSD eines sehr handlichen, eigenhändig modifizierten Harddisc-Recorders, ein paar „Arbeitsproben“ dabei, die man im freien Handel – leider – nicht kaufen kann: Da singt ein kleiner Kirchenchor Bach, die Stimmen jung und unverbraucht, die Kirche nachgerade ideal für das zum Teil nur solistisch besetzte Vokalensemble. In McGraths Aufnahme, wiedergegeben über die Test-Yvettes im FIDELITY-Hörraum, lässt sich faktisch jeder Sänger im Raum lokalisieren und beginnt auch nicht zu „wandern“, wenn sich die Tonhöhe ändert (was ein Problem vieler, auch sehr guter Mehrwege-Systeme ist).

Peter McGrath hat ein unüberhörbares Faible für das Besondere, für musikalische Ausflüge in Sphären jenseits der Norm. Das Genre des männlichen Alts, der sich mal als Countertenor, manchmal als Altist (mit unterschiedlichem Timbre und Tonumfang) geriert, ist inzwischen auch diesseits der Alte-Musik-Szene durch Crossover-Experten wie Andreas Scholl hinlänglich bekannt. Was bei Peter McGrath als High-Resolution-Datei auf der Festplatte schlummert, setzt im wahrsten Wortsinn „noch eins drauf“: eine männliche Sopranstimme, die mit viel Feinsinn und Gespür für Timing und Phrasierung frühbarocke Arien kredenzt. Die Wilson Audio Yvette liefert bei dem vergleichsweise trockenen Mitschnitt nicht nur ein völlig unverfärbtes Stimmprofil ab, sondern ergänzt das Hör-Bild mit so vielen Details, dass der geschulte Hörer nicht eine Sekunde lang glaubt, hier sänge eine Frau.

In den Tagen und Wochen nach Peter McGraths Besuch wandern noch viele silberne und schwarze Scheiben auf Playerspindel und Plattenteller. Die Wilson Audio Yvette hält sich stets aus dem musikalischen Geschehen heraus, demonstriert Perfektion im Sinne Saint-Exupérys, weil sie überhaupt keinen eigenen „Sound“ hat, weil hier Geradlinigkeit das Credo ist, nicht Effekthascherei. Was auf dem Tonträger oder in der Datei ist, wird wiedergegeben, ungefiltert, ungeschönt. Der finnische Komponist Jean Sibelius versprach einst, klares Quellwasser einzuschenken in einer Zeit, in der andere bunte Musik-Cocktails zusammenrührten. Ähnlich puristisch geht die Wilson Audio Yvette zu Werke, ohne sich deshalb spartanisch zu gerieren. Hier ist beispielsweise die Palette der Klangfarben ein leuchtender Regenbogen – aber einer, bei dem die Farbsättigung nicht nachträglich in der Bildbearbeitung angehoben wurde. In der virtuellen Erschaffung real wirkender Räume wird der hohe Stellenwert deutlich, den bei Wilson die zeitrichtige Wiedergabe genießt. Präzise abgezirkelte Phantomschallquellen – ein Sänger vor dem Altar einer winzigen Kapelle, ein Kontrabass in unmittelbarer Nähe der Jazzclub-Wand – bekommen so viel Energie mit, dass sie gleichsam von innen zu leuchten beginnen.

Ging beim Aufstellen der Mikrofone etwas daneben, wurde das Tontechnik-Team den Besonderheiten einer Aufnahme-„Location“ noch nicht so richtig Herr, dann teilt die Wilson Audio Yvette dies dem Hörer mit, ohne ihn damit mehr als notwendig zu nerven. Beim „First Recording“ aus der neuen Hamburger Elbphilharmonie können auch die Yvettes keine Dreidimensionalität, keine vernünftige Tiefenstaffelung des NDR-Orchesters herbeizaubern. Dafür erzählen sie etwas von rhythmischer Stringenz und klarer Akzentsetzung. Ein imaginärer Konzertfilm, der auch an den Rändern scharf bleibt und nicht flimmert.

Einen Gutteil des Wilson-Faszinosums macht aus, dass dieser Schallwandler bestens mit Musik zurechtkommt, für die er nicht primär projektiert wurde. Peter McGrath legt vergnügt schmunzelnd das Album Convergence der malawitisch-britischen Jazz- und Soulsängerin Malia auf, das diese mit dem durch „Yello“ bekannten Soundtüftler und Elektronik-Guru Boris Blank einspielte. Hier gibt es eine Überdosis dessen, was für jeden Lautsprecher ein Lackmustest ist: eine nuancenreiche, vielschichtige, wandlungsfähige Frauenstimme vor knüppelharten Computerbeats. Die Wilsons verwandeln sich mit diesem gelungenen Studiowerk in anmachende Groove Machines, lassen den an sich sehr stabilen Hörraumboden schwingen und ab einem Pegel, den die Ohren als gar nicht so exorbitant empfinden, die Türe und die Scheiben klirren. Erst als die FIDELITY-Kollegen höchst irritierte Blicke in den Hörraum werfen, wird klar, wie extrem laut die beiden Herren auf der Couch zu diesem Zeitpunkt Musik hören. Dass die Wilson Audio Yvette sich auch mit Pegeln weit über der für das Gehör zuträglichen Schwelle noch völlig unverzerrt und unlimitiert gebärdet, spricht für die Weltklasse dieser Konstruktion.

Zumal sie auch das völlige Gegenteil beherrscht. Manches Mal mag man ja in den Nachtstunden noch ein paar Takte Musik hören, die Ohren beispielsweise ein wenig in die bei Wergo erschienene Aufnahme von Gustav Mahlers Zehnter Sinfonie hineinstecken. Der israelisch-amerikanische Komponist und Dirigent Yoel Gamzou hat sich des unvollendet gebliebenen Werkes angenommen und 2010, damals gerade einmal 22 Jahre alt, mit dem von ihm gegründeten International Mahler Orchestra eine Rekonstruktionsfassung eingespielt. Eine Version mit massiven Bläsereinsätzen und opulenten Streicherpassagen, die Aufbruchsgeist und einen Hauch Nonkonformismus atmet. Gamzous dichtes Geflecht von leitmotivischen Korrespondenzen, seine weiten Dynamikbögen und sein souveräner Spannungsaufbau „funktionieren“ über die Wilson Audio Yvette auch bei Zimmerlautstärke und leicht darunter, weil dieser furiose Ausnahme-Lautsprecher auch bei niedrigen Pegeln nie die Balance verliert, nie seine Stringenz einbüßt, nie den Pfad der Tugend verlässt. Frei von Ballast und darob perfekt. Jedenfalls beinahe. Denn Yvette hat ein paar große Geschwister, denen man auch gerne Gehör schenken möchte – so als Freund der Familie …

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Mitspieler
Plattenspieler: AMG Viella V12, Clearaudio Innovation, EnVogue Astra
Tonarme: AMG JT12 Turbo, Clearaudio TT-II und Universal, Nottingham Analogue AnnaArm 12″
Tonabnehmer: Clearaudio DaVinci, DS Audio Master 1, EMT JSD S75
MC-Übertrager: Audio Note S2
Phonoverstärker: Clearaudio Absolute Phono, DS Audio Master 1 EQ, Synthesis Roma 79DC
Digitalplayer: Audio Note CDT-3/DAC 3, T+A PDP 3000 HV
Vorverstärker: Primare Pre60, Tidal Preos
Endverstärker: Amplifon SET 140, Audia Flight FLS4, Musical Fidelity M8 500s, Primare A60
Vollverstärker: T+A PA 3100 HV
Kabel: AudioQuest, Audio Note, HMS, Refine Audio, Vovox
Stromaufbereitung: IsoTek, Gecom
Zubehör, Stellfächen, Möbel: diverse Produkte von Subbase und Harmonix, LignoLab TT100 und „Die Bank“, Solidsteel Serie HS

 

Lautsprecher
Wilson Audio Yvette

Funktionsprinzip: 3-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex
Wirkungsgrad: 86 dB
Nennimpedanz: 4 Ω
Bestückung: 1 x 25-cm-Tieftöner, 1 x 18-cm-Mitteltöner, 1 x 25-mm-Kalotte
Besonderheiten: extrem resonanzarmes Gehäuse aus Wilson Audio „X-Material“ und „S-Material“; ventilierte Mitteltönerkammer, abstimmbare Frequenzweiche, zeitkohärente Abstrahlung
Ausführungen: diverse Farben und Hochglanz-Lackierungen, auch nach Kundenwunsch
Maße (B/H/T): 34/110/51 cm
Gewicht: 80 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: 31 000 €

Audio Components Vertriebs GmbH
Harderweg 1
22549 Hamburg
Telefon 040 401130380

 

www.audio-components.de

www.wilsonaudio.com

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