IsoTek EVO3 Aquarius – Spannende Sache

Wer guten Klang will‚ der muss alle Stationen entlang der Signalkette berücksichtigen. Und was ist die erste Station? Die Steckdose. Bringt es wirklich was‚ hier anzusetzen? Wir werden hören.

Ist das jetzt schon eine Alterserscheinung? Wenn man mir vor zwanzig Jahren prophezeiht hätte, dass ich dereinst einen Volltext über einen Netzfilter verfassen würde – ich wäre hektisch lachend davongeeilt. Stattdessen schlug ich vor einigen Wochen ohne zu zögern ein, als mich Chefredakteur Cai Brockmanns berüchtigter allzweimonatlicher „Cold Call“ zur Abstimmung der neuen Testobjekte erwischte. „Her damit!“, rief ich begeistert.

Nun, irgendwann erwischt es ja jeden HiFi-Freak. In den ersten Jahren spart man sich mühsam Lautsprecher und allerlei Komponenten zusammen und tauscht diese üblicherweise in mehreren Runden sukzessive aus, bis man so etwas wie eine vorläufige HiFi-Anlage sein Eigen nennt. Dann beginnen die ersten Tuningaktivitäten. Man investiert in die Akustik des Wohnraums (spätestens in dieser Phase kommt es auch zu den ersten partnerschaftlichen Verwerfungen), experimentiert mit der Aufstellung der Lautsprecher, Spikes, Gerätebasen und -füßen, allerlei NF-Kabeln und dergleichen mehr. Bei den meisten Menschen ist hier irgendwann Schluss, aber nicht bei allen. Manche nehmen gleich die Abkürzung zur Hardcore-Esoterik und kaufen sich „informierte“ Granitplatten, geheimnisvoll blau leuchtende Elektrosmogzerstörungslampen, bemalen die Ränder ihrer CDs mit schwarzen Stiften, kleben „aktivierte“ Ministicker an ihre Festerscheiben, bestreichen ihre Kabel vor dem Hören mit vierstellig gepreisten Zauberstäben und hängen sich glöckchenartige Resonatoren in den Raum (hier beginnt zumeist das offifzielle Trennungsjahr samt Unterhaltszahlungen). Andere bleiben wenigstens pro forma auf dem Wege der Wissenschaft und investieren in hundsteure Netzkabel – oder eben auch in Netzstromfilter, für deren Wareneinstandspreis man durchaus schon einen brauchbar zu nennenden Schallplattenspieler erwerben kann. Genau so ein Ding steht jetzt bei mir zu Hause. Wie konnte es dazu kommen?

Ganz einfach, ich durfte (und musste zuweilen zähneknirschend) in den letzten zehn Jahren feststellen, dass es im HiFi-Bereich nicht selten wunderlich zugeht. Manche Tuningmaßnahmen, die noch so esoterisch klingen, brachten tatsächlich einen hör- und reproduzierbaren Klanggewinn. Viele übrigens auch nicht, das soll an dieser Stelle auch noch einmal betont werden. Dass Netzstrom alles andere als „sauber“ ist (also außer einem lupenreinen Sinus mit konstantem Amplitudenmittelwert keine weiteren Oberwellen mit sich führt), das wurde mir klar, als ich einmal von einem sachkundigen Elektrikermeister ein lustiges Gerät ausgeliehen bekam, das die auf dem Netzstrom herumgeisternden Störgeräusche hörbar machte. Quasi ein Verstärker für den Steckdosensound mit einem steilflankig operierenden Notchfilter bei 50 Hertz. Heiliger Bimbam, was da alles zu hören war: ein zufriedenes Furzen, wenn mein Kühlschrank ansprang, ein beißendes Zischen und Sirren beim Einsatz des Dimmers meines Halogen-Deckenfluters, ein bedenkliches Knarren beim Hochfahren meines Laserdruckers – und intermittierend herrlichste Musikeinstreuungen aus dem Rundfunkbereich sowie die damals noch bis nach Schöneberg einfallenden Wellen des Tempelhofer Flughafenradars.

Und da Wechselstrom für den Betrieb von HiFi- Komponenten ja per se artfremd ist, sind alle die in die Komponenten eingebauten Transformatoren, Schaltnetzteile und dergleichen halt nur eine Krücke. Folgerichtig verlassen sich manche Hersteller von richtig edlem HiFi gleich auf Akkubetrieb, denn nur so steht ein wirklich „reiner“ Stromgrundstoff zur Verfügung. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass das, was aus unseren Lautsprechern erklingt, letztlich nur gleichgerichteter, gesiebter, spannungsstabilisierter Netzstrom ist, dem unter beträchtlichem Aufwand Musik aufmoduliert wird, dann ist es konsequent, in der Signalkette ganz vorne, bei ebendiesem Netzstrom, anzusetzen, um maximale Klangqualität zu erreichen.

Genau das tun die Produkte von IsoTek. Dieser Hersteller hat sich voll und ganz dem Thema „Sauberer Strom“ verschrieben. Das Produktportfolio umfasst primär Netzkabel höchster Güte (und auch Preisklassen) sowie aktive und passive Netzfilter. Mir steht der IsoTek EVO3 Aquarius zur Verfügung – ein Netzfilter mit sechs ausgangsseitigen Steckdosen, der von vorn betrachtet auch mühelos als Endstufe durchgehen würde. Als adäquate Zuleitung kommt das feine, bezahlbare Netzkabel EVO Premier aus gleichem Hause zum Einsatz, das nicht nur zum Aquarius sehr gut passt, sondern praktischerweise auch gleich im Preis inbegriffen ist.

Ich kann diesem britischen Doppelpack optimale Arbeitsbedingungen bzw. Herausforderungen bieten: Im letzten August zog ich in eine neue Wohnung, unten im Haus befindet sich ein Schnellimbiss. Und dessen dicker Pizzaofen stellt offenbar eine harte induktive Last dar: In den Abendstunden, wenn dort fleißig gefuttert wird, geht mein Netzstrom daheim dermaßen in die Knie, dass sogar das Wohnzimmerlicht sehr fein periodisch fl ackert. Punkt 23 Uhr, wenn der Laden schließt, ist wieder Ruhe. Und jetzt haben wir – endlich – die Begründung, warum ich dieses Gerät zum Test haben wollte. Compris?

Was macht der EVO3 Aquarius?

Zum einen filtert er aus dem eingehenden Netzstrom allerlei Oberwellen und Interferenzen heraus. Die oben beschriebenen Einstreuungen – bei Elektrotechnikern auch RFI genannt – soll er beispielsweise um bis zu 60 dB verringern. Zum anderen sorgt er dafür, dass die Störungen, die durch die HiFi-Kette selbst entstehen, so weit wie möglich eliminiert werden. Die Netzteile der Komponenten streuen ja beim Gleichrichten und Sieben der Versorgungsspannungen ihrerseits oberwellenhaltige Impulse „zurück“ ins Netz. Ein Kampf an zwei Fronten also.

 

Die gute Nachricht: Das funktioniert tatsächlich, insbesondere bei mir zu Hause. Ich habe meine Testsessions bewusst in die Zeit gelegt, in der der Strom in meiner Wohnung geradezu sichtbar „belastet“ war. Und sobald der EVO3 Aquarius ins Spiel kam, verbesserte sich die Performance meiner Kette erstaunlich deutlich. Als CD-Dreher arbeitet bei mir der Audiolab 8200CDQ. Sein Digitalsignal geht koaxial in den BMC PureDac und gewandelt symmetrisch per XLR zur Endstufe Abacus Ampollo. Von dort zu meinen Referenzlautsprechern, zum einen die Neat Acoustics Momentum 4i und die Tannoy Turnberry Gold Reference.

Was passiert genau, wenn der EVO3 Aquarius seine Dienste verrichtet? In drei Bereichen stellte ich merkliche Verbesserungen fest. Der wohl deutlichste Effekt betrifft die räumliche Darstellung. Mit eingeschleiftem EVO3 Aquarius gewinnt diese beträchtlich. Klangquellen sind präziser ortbar, stehen festgenagelt an ihrer Position, die Darstellung geht einen gefühlten halben Meter weiter in die Tiefe und fächert sich auch in der Breite weiter auf. Dieser positive Effekt zieht sich durch alle Musikrichtungen und Besetzungen. Orchester haben eine präzisere Tiefenstaffelung, mittig gemischte Stimmen materialisieren sich wesentlich überzeugender, aber auch Kammermusik macht mehr Spaß, gerade wenn diese so produziert wurde, dass auch der Raum, in dem sie eingespielt wurde, mit „lebt“. Hall klingt natürlicher, feiner, auch ist es möglich, sich den Ort der Einspielung wirklich in seinen Ausdehnungen und seiner Beschaffenheit (kühl, warm, „holzig“, whatever) vorstellen zu können. So erklingt bei Mogwais Song „Take Me Somewhere Nice“ die kurz nach der einleitenden Gitarre erklingende Zweitgitarre gefühlt einen Meter rechts vom rechten Lautsprecher. Als das Schlagzeug einsetzt, scheint man den Raum, in dem es mikrofoniert wurde, fast vor sich sehen zu können.

Auch im Bereich der Höhendarstellung kann meine Kette mit dem EVO3 Aquarius deutlich mehr leisten. Dies betrifft insbesondere den Bereich von Schlagzeug und Percussion: Becken, Rasseln, Shaker, Sizzler – sie alle klingen merklich detaillierter, unterscheiden sich in ihrer Klangfarbe besser voneinander, ja selbst eine Cowbell klingt im positiven Sinne metallischer, glockiger. Zu guter Letzt gibt es auch im Bass ein Quäntchen mehr zu erleben. Klar, der Netzfilter sorgt natürlich nicht für tonale Veränderungen (das wäre elektrotechnisch bedenklich, und auch um den Geisteszustand des Rezensenten müsste man sich wohl Sorgen machen, wenn dem so wäre). Aber Impulse scheinen mir noch knackiger, frischer zu kommen. Schön zu hören beispielsweise bei Linton Kwesi Johnsons „Reggae Sounds“: Die Bassdrum wirkt eine Spur unmittelbarer, auch die Basslinie scheint mehr zu grooven und entschlackter zu spielen. Kurz gefasst: Der IsoTek EVO3 Aquarius ist sein Geld absolut wert. Er schenkt der Anlage ein unzweifelhaft hörbares Upgrade – und noch dazu dem Besitzer das gute Gefühl, sich dies nicht mit esoterischen Spinnereien erkauft zu haben, sondern sich vielmehr auf eine picobello Konstruktion verlassen zu können. Sauber!

 


Interview mit Keith Martin

IsoTek EVO3 Aquarius - Keith MartinKeith‚ dieses Gerät wirkt auf den ersten Blick wie eine ausgewachsene Endstufe – tatsächlich aber ist es ein Netzfilter. Muss das denn sein?
Nun‚ der Aufwand‚ den wir bei IsoTek für die Netzfilterung betreiben‚ ist beträchtlich‚ mitunter einzigartig. Der EVO3 Aquarius zum Beispiel bietet auf der Rückseite sechs gefilterte Anschlussbuchsen‚ und jede davon besitzt im Inneren ihren eigenen‚ von allen anderen isolierten Strompfad – das macht meines Wissens kein anderes Unternehmen. Eigentlich ist das hier eine extrem aufwendige Netzleiste‚ bei der sich die angeschlossenen Geräte nicht gegenseitig beeinflussen können. Viel kleiner können wir den Aquarius daher gar nicht bauen. Und wir haben ihn „klassisch” gestaltet‚ damit er sich möglichst problemlos in bestehende High-End-Anlagen integrieren lässt.
Aber warum sollte ich überhaupt einen Netzfilter in meiner teuren Anlage betreiben? Büßt die Musik damit nicht Dynamik ein?
Ein Vorwurf‚ der häufig zu hören ist‚ auf IsoTek aber nicht zutrifft. Wir achten akribisch darauf‚ nur die schädlichen Anteile im Netz zu filtern und die volle Dynamik einer Musikaufnahme zu bewahren. Die Netzfilter-Wirkung kann man übrigens mit diesem kleinen Gerät hier (holt einen „Mains Noise Analyzer” hervor) veranschaulichen: Es bringt sämtliche Netzstörsignale als Geräusche zu Gehör (demonstriert den Unterschied zwischen „mit”und „ohne”).
Wow‚ einen so drastischen Unterschied hätte ich nicht erwartet …
Ja‚ es ist in der Tat immer wieder verblüffend‚ was sauberer Strom bewirkt. Kein Wunder‚ dass sich ein erstklassiges HiFi-System dafür mit einer deutlich besseren Performance bedankt.
Also ist möglichst „guter” Strom essenziell fürs Hörerlebnis?
Wenn ich einmal diese Analogie bemühen darf: Niemand käme wohl auf die Idee‚ seinen tollen Sportwagen mit minderwertigem Benzin zu betanken. Warum also sollte ich meiner hochwertigen Anlage verunreinigten Strom zumuten?
Ein guter Vergleich‚ Keith. Vielen Dank für das Gespräch.


 

IsoTek EVO3 Aquarius
Netzfilter
Eingang: Netzbuchse (C19 IEC)
Ausgänge: 6 Netzsteckdosen (2 x 16 A‚ 4 x 5 A)
Eingangsspannungsbereich: 100–240 V
Gesamtbelastbarkeit: 3680 W
Impulsspitzenbelastbarkeit: 18 400 W
Lieferumfang: IsoTek EVO Premier Netzkabel (Einzelpreis: 99 €)
Ausführungen: Silber oder Schwarz
Maße (B/H/T): 44‚4/85/30‚5 cm
Gewicht: 9 kg
Garantiezeit: 2 Jahre

 

IDC Klaassen International
Am Brambusch 22
44536 Lünen
Telefon 0231 9860285

 

www.idc-klaassen.com

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