Classidelity: Markus Schirmer & A Far Cry – The Mozart Sessions

Mozart für das 21. Jahrhundert

Es ist gut möglich, dass sich dieser Tage einer auf dem Sankt Marxer Friedhof im 3. Wiener Bezirk besonders gefreut hat. Denn dort liegt Wolfgang Amadeus Mozart begraben. Dessen Klavierkonzerte KV 414 und KV 415 haben sich der Pianist Markus Schirmer und das amerikanische Orchester „A Far Cry“ für ihre erste gemeinsame CD The Mozart Sessions ausgesucht. Da erlebt der Hörer reine Spielfreude, eine gehörige Portion Pfiff und kammermusikalisches Partnerdenken – all das hat Mozart bekanntlich sehr geschätzt. Mit diesen Klavierkonzerten hat sich Mozart zum Auftakt seines Aufenthaltes ab 1782 in Wien dem Publikum empfohlen. Der Großmeister hat dazu geschrieben: „Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht. Sie sind sehr brillant – angenehm in die Ohren – natürlich ohne in das Leere zu fallen.“ Genau das kann man spüren, wenn man diese frische Aufnahme anhört. Schirmer spielt weder verzärtelt noch pedalverklebt, mit großem Gespür für die Melodiebögen und die Phrasierungen und mit forschem Zugriff in den präsent abgemischten Konzertflügel. Eine Interpretation die man modern bezeichnen möchte, ohne dass die Notentreue darunter leidet.

Markus Schirmer

Markus Schirmer & A Far Cry
The Mozart Sessions
CD, Paladino Music

Markus Schirmer spielt die beiden Konzerte mit Wienerischem Charme und nimmt sich selbst zugunsten des Orchesters eher zurück. So entsteht ein homogenes Musizieren, das einen Mitwippen lässt und das ein „weiter so!“ unmittelbar evoziert. Markus Schirmer ist hierzulande ja kein Unbekannter. Umso größer ist die Entdeckung dieses amerikanischen Orchesters. Junge Musiker, die frisch und frech und sauber intoniert ans Werk gehen, ohne Dirigent, der Stimmführer wechselt von Aufnahme zu Aufnahme. Mehr innerorchestrale Demokratie geht nicht und Markus Schirmer fügt sich als Koalitionär lückenlos ein. „Schon bei der ersten Probe habe ich den unglaublichen Enthusiasmus, das Feuer und die Spielfreude bemerkt“, erzählt der österreichische Pianist über A Far Cry aus Boston. „Da stimmt alles zusammen.“ A Far Cry sei „randvoll mit Persönlichkeiten, ebenso zahlreich wie vielfältig“, befand The New York Times.

Im Reigen der vielen Mozartaufnahmen ist diese CD mit ihrem Cover, das eher nach Jazz denn nach Klassik aussieht, jedenfalls eine erfreuliche Bereicherung. Übrigens mit einer bemerkenswerten Zugabe, bei der die Künstler ausnahmsweise den Pfad der Treue zu Mozart verlassen haben. Neben den beiden Klavierkonzerten befindet sich auf der CD nämlich eine Kirchensonate von Mozart in der Bearbeitung für Klavier und Orchester. Eine „Jugendsünde“ von Markus Schirmer, der auch gerne komponiert und ebenso als Grenzgänger bekannt ist. Diese Kirchensonate klingt mit Klavier statt Orgel durchaus schlüssig und so ist die Gefahr wohl gering, dass sich deswegen Einer auf dem Sankt Marxer Friedhof im 3. Wiener Bezirk im Grabe umdreht.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 11 (1/2014)

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