Nubert nuLine 334 – Wucht und Eleganz für faires Geld

Manchmal kommt man bei Nubert vor lauter Sich-Wundern kaum mehr zum Musikhören. Legen sich doch Lautsprecher wie die neue nuLine 334 mit Konkurrenten an, die locker das Doppelte kosten.

Der Lautsprecherspezialist Nubert mischte schon vor gut vier Jahrzehnten den HiFi-Markt auf: Die Schwaben verzichteten auf eine Zwischenstation namens Fachhändler – und verkauften auf diese direkte Weise kaum glaubliche Stückzahlen von kleinen (und bald auch größeren) Böxchen, die viel besser klangen, als man es angesichts der Preise hätte erwarten können.

Nubert nuLine 334 Standlautsprecher

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Also gibt es die neue Nubert nuLine 334 für etwas über 2500 Euro das Paar. Dafür bekommt man eine in jeder Hinsicht erwachsen und äußerst seriös wirkende Dreiwege-Standbox – das Flaggschiff der nuLine-Serie. Ihre Höhe von gut 1,20 Meter mutet dank vergleichsweise schmaler Schallwand elegant an und verzichtet auf designtechnische Extravaganzen ebenso wie auf exotische Farbvarianten. Die nuLine 334 ist rundherum vorbildlich verarbeitet – ein echtes Schallmöbel! – und in schwarzem oder weißem Lack oder mit erstklassigem Nussbaumfurnier lieferbar. Das sollte für die meisten Wohnsituationen kompatibel sein.

Kompatibilität stand im Lastenheft der nuLine 334 sowieso ganz oben. Man muss sein Wohnzimmer nicht um die schlanken Nubert-Säulen herum neu aufbauen, sondern kann diese in erstaunlich weitem Rahmen an die eigenen häuslichen Gegebenheiten anpassen. Einerseits finden sich auf der Rückseite des sehr sauber und solide aufgebauten Gehäuses zwei – mit serienmäßig mitgelieferten Stopfen individuell bedämpfbare – Bassreflexrohre, andererseits auch zwei kleine, in das Doppel-Terminal (mit wunderbar stabilen vergoldeten Schraubklemmen, die auch Bananas aufnehmen) integrierte Kippschalter. Auf diese Weise lassen sich die Charakteristika von Bässen und Höhen der Raumakustik und dem persönlichen Geschmack anpassen; die hohen Lagen in drei, die tiefen in zwei Stufen.

Nubert nuLine 334 Standlautsprecher

Das funktioniert erstaunlich gut und eindeutig, zumal die Neutral-Stellungen klar gekennzeichnet sind. Im akustisch gut ausbalancierten FIDELITY-Hörraum fuhr ich beispielsweise mit brillantem Hochtonbereich und linearen Bässen fast immer am besten. In dieser Konfiguration wird das Timbre der nuLine 334 einen Hauch heller und der Gesamteindruck luftiger, was je nach Musikmaterial den Unterschied zwischen „richtig gut“ und „mitreißend“ ausmachen kann. Und sollte es dann, was sehr selten vorkam, des Guten schon etwas zuviel sein, ist zwei kleine Schalterklicks später wieder Harmonie hergestellt.

Was sich in keiner Schalter-Kombination ändert, ist der äußerst souveräne und flüssige Klangeindruck, den die große Nubert – übrigens ganz unabhängig vom „verfütterten“ Musikmaterial – macht. Hier kommen Druck, Fülle und schiere Kraft in genau der richtigen Dosierung.

Anders gesagt: Die nuLine 334 hat zwar das Potenzial, meine Hosenbeine zum Flattern und die Scheiben meines Arbeitszimmers zum Klirren zu bringen, aber sie gebärdet sich dabei nicht wie ein gedopter Bodybuilder, der vor unnatürlicher Muskelstärke kaum laufen kann, sondern bleibt so pfeilschnell und sehnig wie ein in asiatischen Kampfsportarten bestens bewanderter Zen-Meister.

Dass sie dabei auch zu echtem Tiefbass fähig ist, erstaunt angesichts gleich dreier 18-Zentimeter-Bässe mit laut Nubert „extrastarken Magneten“ wenig. Für die saubere Arbeit der Entwickler spricht, dass der Bassbereich beinahe so knackig und mit so viel Punch kommt, wie ich es sonst nur von dezidierten Superboxen jenseits der fünfstelligen Euro-„Schallmauer“ kenne.

Ein angenehmes Detail aus der Praxis: Die Nubert nuLine 334 bevorzugt zwar Spielpartner, denen nicht so schnell die Luft ausgeht, spielt aber auch schon mit Verstärkern, die kein Vermögen kosten, sehr ansprechend. Ein NAD C 368 beispielsweise wusste die Standboxen absolut adäquat und mitreißend zu befeuern. Geradezu ideal sind solche Amps, die nicht nur ein gewisses Maß an Power, sondern auch und vor allem eine gerüttelte Portion an Feingeist mitbringen. Denn zu den absoluten Schokoladenseiten der Nubert nuLine 334 gehört ihre schon frappierend hohe Auflösung in Verbindung mit stimmiger Räumlichkeit, die in der Tendenz eher tief als breit gerät. Was nicht nur mit einer für den Hörtest primär genutzten, recht massiven Vor-Endstufenkombination von Musical Fidelity deutlich spürbar wurde, sondern eben auch mit dem deutlich preisgünstigeren Vollverstärker von NAD.

Nubert nuLine 334 Standlautsprecher

Mit dem großen nuLine-Modell macht es jedenfalls großen Spaß, sich quer durch den musikalischen Garten der eigenen Sammlung (oder des Lieblings-Streamingdienstes) zu hören. Vergnügt lege ich Scheiben auf den Plattenteller oder in die CD-Schublade, die ich zum Teil gar nicht mehr auf dem Schirm hatte – und erfreue mich an dem Gefühl, das vermeintlich Bekannte wieder neu, durchaus anders und auch durchweg besser als zuvor zu hören.

Zum Beispiel Henry Mancinis Pink-Panther-Soundtrack – wie alle Filmmusik-Werke des Großmeisters eigentlich eine tiefenentspannte Barjazz-Suite über zwei (beklagenswert kurze) LP-Seiten, die über die Nubert nuLine 334 zum Hochlegen der Füße und zum Träumen einlädt. Was wiederum sehr viel mit der Selbstverständlichkeit zu tun hat, mit der die 334 musiziert.

Ich mag Kontraste, deshalb wandert gleich darauf Madonnas 1998 von Mischpult-Guru William Orbit produziertes Clubbing-Opus Ray Of Light in den großen Ayon-Player. Natürlich ist das in erster Linie groovender Dancefloor-Pop mit allen genreüblichen Tricks und soundtechnischen Ferkeleien. Aber höchst perfektionistisch, manchmal sogar regelrecht hinterlistig abgemischt und mit Bassläufen gespickt, von denen viele mir bekannte Schallwandler gnadenlos an die Kante und dann darüber hinaus (ins Jenseits) getrieben werden. Die Nuberts hingegen zwinkern mir leicht ironisch zu und raunen dann zwischen zwei Marianengraben-tiefen Computerbass-Schlägen: „Deine Trommelfelle machen ganz bestimmt früher die Grätsche als unsere Membranen, wetten?“
Darauf lasse ich es natürlich nicht ankommen, schließlich liegt auf meinem Hörtest-Stapel auch noch eine Reihe von Klassikscheiben, die ich ganz gerne ohne Tinnitus hören möchte. Zum Beispiel der überaus atmosphärische Live-Mitschnitt von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe, den der Bayerische Rundfunk bei der Bachwoche Ansbach 2011 in der Gumbertus-Kirche mitschnitt. Das prunkvolle Gotteshaus der Ansbacher Markgrafen erinnert in seiner fast idealen Akustik eher an einen gelungenen Konzertsaal denn an eine Kirche. Die BR-Aufnahme bildet ihn fast perfekt nach, diesen großen, an jenem Festival-Abschlussabend bis zum letzten Stehplatz besetzten Raum, in dem der Dresdner Kammerchor und das Dresdner Barockorchester unter Hans-Christoph Rademann eine modellhaft mustergültige Interpretation von Bachs wohl größtem Sakralwerk vorlegten. Wenn die Sopranistin Dorothee Mields mit sanft federnder Streicherbegleitung das „Laudamus te“ anstimmt, dann spürt man, dass Bach hier den Gesang der Engel für die Sterblichen hörbar machen wollte. Ein Gänsehaut-Moment, dessen Zauber die Nubert nuLine 334 aus der Aufnahme mit größter Selbstverständlichkeit extrahieren und zudem die luftige Schwerelosigkeit jener Deutung bewahren.

Nubert nuLine 334 Standlautsprecher

Wohlige Schauer bekommt auch der Fado-Freund (und nicht nur der), wenn er der portugiesischen Sängerin Cristina Branco lauscht, die auf ihrem als SACD erschienenen Album Ulisses nicht weniger als eine Neudefinition des Fado wagt und dabei auf eine überschaubare Besetzung mit akustischen Instrumenten, aber auch in highendiger Aufnahmequalität setzt. Authentischer zu erleben ist dieser ausdrucksvolle Chanson-Alt eigentlich nur, wenn man der Sängerin in einem kleinen Club gegenübersitzt. Wer das Kleingeld und die Zeit für eine Reise nach Lissabon gerade nicht erübrigen kann, ist mit der nuLine 334 bestens bedient, zumal deren Grundehrlichkeit vor allem der Wiedergabe von Stimmen sehr entgegenkommt. Ganz egal, ob eine Sängerin in intimem Rahmen Filigranarbeit leistet oder ein übergroßer Chor Gustav Mahlers 8. Sinfonie in Es-Dur („Sinfonie der Tausend“) mit dem machtvollen Eingangshymnus „Veni creator Spiritus“ anstimmt. Spätestens bei einer solchen Spezial-Aufgabe (die Mahler-CD ist bei Decca erschienen) verabschieden sich viele Kompakt- und auch diverse Standboxen aus der klanglichen Verantwortung. Nicht so die großen Nubert! Sie verraten mir ganz lässig, wo und wie Maestro Riccardo Chailly im Amsterdamer Concertgebouw seine Solisten (im Halbkreis zwischen Orchester und Chor) platziert hat. Dass die nuLine 334 selbst derart hoch verdichtetes Tutti-Getümmel mühelos auseinander sortieren kann, überrascht mich schon gar nicht mehr. Eine erstklassige Vorstellung!

Supergalerie mit 39 Bildern.

So bleibt mir letztlich nur eine Doppelempfehlung: Zum einen ist die Nubert nuLine 334 ein praktisch unschlagbarer Preis-Leistungs-Tipp, der schon unglaublich viel Lautsprecher für eine noch erschwingliche Summe bietet. Zum anderen spielen die großen Nuberts aber auch absolut betrachtet ganz oben mit, geben sich selbst mit höchst anspruchsvollem, schwerem Musikmaterial praktisch keine Blöße. Meine Konsequenz: Das Testpärchen bleibt bei mir.

 

Nubert nuLine 334

3-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex
Wirkungsgrad (1W/1m): 86 dB
Nennimpedanz: 4 Ω
Nennbelastbarkeit: 380 W
Bestückung: 3 x 18-cm-Tieftöner mit Polypropylen-Membran, 12,3-cm-Mitteltöner mit Glasfaser-Flachmembran, 2,6-cm-Hochtöner mit Seidengewebekalotte
Besonderheiten: Treiber und Frequenzweiche mit automatisch rückstellendem Überlastschutz; Doppelterminal mit „Klangwahlschalter“ für Bass- und Höhenanpassungen; Bassreflexöffnungen mittels Stopfen verschließbar (im Lieferumfang); spiegelsymmetrisch angeordnete „nuOva“-Hochtöner
Ausführungen: Lack schwarz oder weiß, Echtholzfurnier Nussbaum
Gewicht: 37 kg
Maße inkl. Traversfüße und Frontgitter (B/H/T): 28/124/42 cm
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: 2510 €

 

Nubert electronic GmbH
Nubertstraße 1
73529 Schwäbisch Gmünd
Telefon 0800 6823780 (gebührenfrei) oder 07171 926900

 

www.nubert.de

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