Besser ausgeschlossen werden als eingeschlossen sein

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

Mir geht der Homo Faber, der mit der demonstrativen Ignoranz des Rechthabers sein Halbwissen als Schutzschild vor sich herträgt, manchmal gehörig auf die Nerven. Jeder vernunftbegabte Mensch verfügt über die Fähigkeit, seinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen, nur der Physikstudent und was aus ihm wird hat das nicht nötig. Er hat Naturgesetze auf seiner Seite. Sie berechtigen ihn dazu, alternative Denkansätze in Bausch und Bogen als schwachsinnig zu diskreditieren. Nicht selten sind sie das natürlich, vor allem wenn es um HiFi-Zubehör geht, was die Prinzipienreiter wiederum in ihrer Arroganz bestärkt. Dass ihr Wissensstand nicht das Ende der Entwicklung ist, kommt ihnen nicht in den Sinn, und dass ihre Technik sich noch im Mittelalter befindet, ist schwer zu erkennen, wenn man mitten in der Inquisition steckt. Da gibt es dringendere Aufgaben: Hexen verbrennen zum Beispiel, oder die Erdscheibe vermessen. Es zeigen sich die Nachteile eines in sich geschlossenen Weltbildes – man kommt nur schwer raus. Ja, dies ist ein Plädoyer gegen den gesunden Menschenverstand und für die Spinner, Scharlatane und Voodoo-Priester, für die Schwerkraftleugner im HiFi-Universum.

Gewisses Zubehör mit esoterischem Stallgeruch gefährde die Seriosität der Branche, heißt es häufig. Welche Seriosität damit gemeint sein könnte, bleibt nebulös. Es ist vermutlich nicht jene, die in Bluetooth-Lautsprechern begraben liegt. Auch nicht die, deren Leid sich in den Chromfronten zentnerschwerer Materialschlachten spiegelt und deren Martyrium in Audio-Manufakturen ihren Anfang nimmt. Es handelt sich wohl auch nicht um die Art Seriosität, die einem analogen Einsteiger zu einem Plattenspieler aus Presspappe mit Spielzeugantrieb für echtes Geld verhilft. Denn dann müsste man die Gefährdungslage ganz anders verorten als auf einem unbedeutenden Nebenkriegsschauplatz, zu dem der normale Interessent gar keinen Zugang findet. Wenn man an dem Ast sägt, auf dem man sitzt, bringt es doch nichts, einen Hund zu beschimpfen, der an den Baum pinkelt.

Bitte, liebe Borderline-Daniel-Düsentriebs, lasst euch nicht unterkriegen, informiert oder deinformiert Materie, Nichtmaterielles oder meinethalben sogar Antimaterie, reinigt mit Mondscheintinkturen und stellt Luftmoleküle in Reih und Glied. Im Käfig voller Narren unerwünscht zu sein ist nun wirklich kein Unglück. Nutzt den Gegenwind zum Segeln ins Unbekannte! Die Spreu vom Weizen zu trennen übernehmen dann schon wir von der seriösen Fachpresse. Falls Sie meine Methode interessiert: Wird einfach nur behauptet, dass es funktioniert, ist Misstrauen angebracht, wird diese Behauptung mit scheinbar wasserdichten Begründungen untermauert, dagegen höchste Vorsicht. Ist von „nachweislicher Verbesserung“ die Rede, nehmen Sie Reißaus! Machen Sie dabei einen Bogen um Problemlösungen aller Art für vorgeblich kleine Münze, die Touristenfallen des HiFi-Marktplatzes. Herrschaften mit wirrem Haar, die freimütig beteuern, so genau wüssten sie auch nicht, warum ihre Entwicklung den Klang verbessert, sollten dagegen Ihr Interesse wecken.

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