Test Audiolab M-DAC Mini – DAC to go

Wahre Größe kommt von innen

Anfang der Achtziger kamen die beiden Studenten Philip Swift und Derek Scotland zu der Erkenntnis, dass Ihre Vorstellung von ordentlicher Musikwiedergabe nicht mit den fürs studentische Budget erhältlichen Geräten vereinbar ist. Daher fingen die beiden an, sich mit der Idee eines selbstentworfenen Stereoverstärkers zu beschäftigen. So entstand der Prototyp des mittlerweile legendären Audiolab 8000A am Küchentisch der gemeinsamen Wohngemeinschaft. Das Ergebnis der WG-Bastelei wurde dann stolz im Freundeskreis präsentiert und stieß auf erste Begeisterung der Anwesenden. Die entsprechende Nachfrage ließ nicht lange auf sich warten und so investierten die braven Studenten mehr Zeit in die Fertigung immer ausgereifterer Stereoverstärker als in das eigentliche Studium. Stattdessen machten sich Swift und Scotland daran, aus ihrer Leidenschaft für Musikwiedergabe ein erfolgreiches Unternehmen zu formen. Technisch ausgereifte, klanglich überzeugende, dazu unkomplizierte zu bedienende Komponenten zu realistischen Preisen, lautet seither die Firmenphilosophie von Audiolab.

Audiolab M-DAC miniSo wuchs Audiolab vom Küchentisch über den Umweg durch Swifts Schlafzimmer schnell weiter, bis das erste eigene Firmengebäude bezogen wurde. Mittlerweile baut Audiolab seit über fünfunddreißig Jahren Geräte, komplett „made in England“. Von Anfang an war klar, dass nur feinste Bauteile gut genug sind, man orientierte sich damals an den besten Geräten aus Japan oder den Vereinigten Staaten. Den Höhepunkt der Firmengeschichte stellt sicher der Tuner 8000T dar, welcher seinerzeit als „bester Tuner der Welt“ gehandelt wurde. Mit diesem Gerät begann auch der Wechsel in elitäre Gefilde des highfidelen Kosmos. Vorbei die Zeiten, als sich Normalbürger einen „Camtech“ (unter diesem Signet wurde Audiolab in Deutschland vertrieben) leisten konnten. Der exzellente Ruf der Geräte gipfelte im Zusammenschluss mit der Ideenschmiede des TAG-McLaren-Teams. Bald wurden die Komponenten anspruchsvoller, aber auch sehr viel teurer. Presse und Fachpublikum waren zwar begeistert, doch die Preisstruktur verhinderte den Absatz hoher Stückzahlen. Also wurde die Zusammenarbeit nach fünf Jahren wieder beendet. Doch was blieb, war eine Menge neues Wissen aus dieser Kooperation. Mittlerweile ist Audiolab unter eigenem Namen zurück am Markt und erfolgreicher als je zuvor. Was mitunter daran liegen könnte, dass sich die Preisgestaltung wieder am Niveau der Anfangstage orientiert.

Das bringt mich nun zum eigentlichen Thema. Dem kleinsten und günstigsten Angebot der Briten, dem M-DAC Mini. Trotz seines geringen Gewichts (ca. 300 g) und einladenden Preisschilds (knapp 400 Euro) ist er ähnlich vielseitig ausgestattet wie die größeren Modelle.

Der kleine Knubbel auf der Front weist zusammen mit einer Klinkenbuchse deutlich auf die Primärfunktion als feiner Kopfhörerverstärker hin, während fünf kleine weiße LEDs die gewählte Quelle anzeigen. Anschlussseitig ist der Mini nicht ganz so üppig ausgestattet wie der Rest der M-Familie, doch so richtig vermisst man nichts. Digitale Eingänge in optischer und koaxialer Form, ergänzt durch USB A und B. Faulpelze, die ihre Musik lieber vom Smartphone zuspielen, nutzen Bluetooth. Easy, unkompliziert und total bequem. Es funktioniert so reibungslos, dass neuerdings sogar der Autor dieser Zeilen über ein Qobuz-Premium-Abo verfügt, dazu aber später mehr.

Audiolab M-DAC mini

Angesichts des günstigen Preises ist der kleine Engländer einwandfrei verarbeitet. Alle Anschlüsse sitzen bombenfest und bündig im scheinbar schraubenlosen Gehäuse aus schlagfestem Polypropylen. Die Bedienelemente beschränken sich auf einen Taster ganz links und den selbsterklärenden Lautstärkeregler: Dreh nach rechts, die Musik wird besser (und lauter), ein Dreh nach links bewirkt das Gegenteil. Hat man schon mal gesehen und kann sich, ohne nächtelang Bedienungsanleitungen zu wälzen, direkt der Musik widmen. Musik ist ohnehin die Stärke des Mini DACs. Nicht ohne tieferen Sinn verdaut der Winzling alle derzeit gängigen und bekannten Formate. So stellt die Fähigkeit komprimierte Datensätze zu lesen zwar nur eine Grundanforderung dar, aber eine, die nicht vernachlässigt werden darf. Natürlich bieten HiRes-Files oder DSD eine faszinierende Klangwelt, doch dürfte die Mehrzahl der auf unseren Rechnern konservierten Stücke im klanglich weniger brillanten MP3-Format gespeichert sein. Daher sollte man dieses Format nicht unterbewerten. Und schon mit MP3 macht der kleine Audiolab eine überzeugende Figur, wie ein erster Check zwischen Laptop und der Wohnzimmeranlage beweist. Im Vergleich zur Wiedergabe ohne den britischen Winzling weitet sich die Bühnenabbildung nachvollziehbar aus und das Geschehen lässt sich eindeutig besser konsumieren. Doch die Wiedergabe schnöder, datenreduzierter Titel ist nicht die alleinige Stärke des Minis.

Audiolab M-DAC mini

Dank des, auch in den großen Geschwistern zum Einsatz kommenden, Sabre-ES9018K2M-Chips werden auch größere Datensätze bis hin zu DSD 256 ohne Probleme verdaut und an die Cinchausgänge weitergereicht. So finden auch klassische Stereoanlagen Anschluss an moderne Zeiten. Nutzt man beispielsweise Streamingdienste wie Qobuz oder Tidal, kann man sich – ähnlich der Funktion eines Dimmers im Lichtschalter – durch die lieferbaren Formate schalten (je nach Form des Abos erfordert HiRes leider meist die Premium-Variante). Und mit jedem Wechsel wird es ein wenig „heller“, besser, „sonniger“. Erscheint schon die per M-DAC Mini gewandelte Version der MP3 Files beweglicher, flinker und tiefer ausgeleuchtet als ohne den kleinen Briten, geht spätestens ab vierundvierzig-sechzehn(CD-Qualität) unter Einbindung des Audiolab Minis die audiophile Sonne auf. Rag`N`Bone Mans „Human“ hat jeder dank Fernsehdauerberieselung im Ohr. Eigentlich belangloser Pop, bei dem man eher weg- als hinhört. Von CD etwas zu beengt und totkomprimierte, von der LP dagegen eine unterhaltsame Sache. Und genau in die Richtung orientiert sich der hochauflösende Stream (32/96), welcher via USB und Laptop aus den Triangle Australe EZ ins Wohnzimmer „fließt“. Der britische Blues- und Soulbarde Rag`N`Bone Man verfügt über eine Gänsehaut-Stimme, die leider als MP3 über Smartphone und In-Ear-Hörer nicht zur Geltung kommt. Schade für die unwissende Jugend, sie verpasst hier einiges.

Audiolab M-DAC mini

Apropos „Kopfhörer“ und „verpassen“, da ist ja noch eine 6,3-mm-Klinkenbuchse, die bislang ungenutzt blieb. Im Grunde verbietet sich die Kombination eines solchen Wandlers mit günstigen Outdoor-In-Ears, was wiederum nicht heißt, dass man es nicht versuchen sollte. Selbst ein günstiger Sportkopfhörer profitiert von der hohen Ausgangsspannung des Minis. So musste sich der kleine DAC auch mal von der Anlage verabschieden und mir in den Wald oder ins Schwimmbad folgen. Denn anders als die nur stationär nutzbaren Geschwister, verfügt der kleinste Audiolab über einen integrierten Akku, der den M-DAC Mini für gut sieben Stunden Spielzeit unabhängig von der Steckdose macht. Ob man ihn somit für ein Sonnenbad auf der Terrasse, die Mittagspause im Büro oder als Kontrollstation für eine spartanische Zweitanlage auf dem Schreibtisch nutzt, der M-DAC ist ein vielseitiger kleiner Helfer, dessen unkomplizierte Handhabung ihn schnell unverzichtbar erscheinen lässt. Als private Referenz nutze ich seit Jahren einen (nicht mehr zeitgemäßen, wenngleich klanglich noch immer konkurrenzfähigen) Koss Porta Pro. An diesem steinalten Relikt aus dem Pleistozän mobiler Technik macht der Mini dermaßen Laune, dass man sich ernsthaft fragt, was genau in den letzten zwanzig Jahren im Bereich der Kopfhörer geschehen ist. Ein kleines Bespiel: das Duo Rosenpfeffer vermittelt mit seinen Chansons eine unbändige Freude an der „kultivierten“ und „sauberen“ Aufnahme. Eine Gitarre ist eine Gitarre ist eine Gitarre (sechs Saiten, Nylon, nah und glaubwürdig aufgenommen) und kein Kleiderschrank, wie oft von mir bei sogenannten „audiophilen“ Aufnahmen bemängelt. Die Stimme Noémi Schröders kann ein Lächeln hörbar machen, genauso wie ich es bei Liveauftritten des Düsseldorfer Duos erlebt habe. Da stellen sich die Härchen auf den Armen des Stimmliebhabers auch bei 32 Grad im Sonnenschein auf. Das klingt nicht nach Studio, Technik und Konserve, vielmehr erzeugt der Audiolab glaubhafte Live-Atmosphäre, ob im Hohlraum zwischen den Ohren per Kopfhörer oder über Lautsprecher im Wohnzimmer. Ein Talent, welches den Audiolab M-DAC Mini zum multifunktionalen Spielpartner werden lässt. Egal ob an ausgewachsenem Equipment, im Büro oder unterwegs. Gut, dass Audiolab wieder zurück zu seinen Wurzeln gefunden hat. Höchstpreise wie in Zeiten der Audiolab-Edel-Elektronik geben uns doch nicht per se ein gutes Gefühl, wir hören doch auf die Musik und ihren Klang, oder? Falls Sie auch so empfinden, stimmen Sie bitte mit ein: „Welcome back on stage, Audiolab!“

 

Technische Daten

Audiolab M-DAC miniDAC/Vorverstärker/Kopfhörerverstärker Audiolab M-DAC Mini

Eingänge: 2 x S/PDIF (koaxial, optisch), USB Micro-B für PC/Android, USB-A für iOS, Bluetooth

Ausgänge: 2 x S/PDIF (koaxial, optisch), Line (Cinch), Klinkenbuchse (6,3 mm)

Wandler: ESS Sabre ES9018K2M, bis zu 32bit/384 kHz, DSD 256

Batterie: Li-ion Type DC 3.7V 5000mAh

Maße (B/H/T): 136/34/178 mm

Gewicht: 300 g

Garantiezeit: 2 Jahre

Preis: 400 Euro

 

Mitspieler

Audiolab M-DAC miniPlattenspieler: Scheu Cello, Thorens TD 280, Acoustic Solid Vintage

Tonarm: Scheu Classic Mk II, Thorens TP 28, Acoustic Solid WTB 213

Tonabnehmer: MC Scheu S, Clearaudio Charisma V2, Ortofon Quintet Red

Phono-Vorverstärker: Acoustic Solid Phonovorverstärker, Trigon Vanguard MkIII, Project Phonobox DS2 USB

CD-Player: Marantz CD 17, Marantz CD 62, Marantz CD 50

Vollverstärker: Einstein The Tune, NAD C 390DD, Cambridge Azur 640A, Musical Fidelity M6si

Endverstärker: Lehmann Black Cube Stamp

Lautsprecher: Audio Physik Seemon, Opera Seconda Mk II, Triangle Australe EZ

Kabel: German Highend, Audioquest, T+A, Horn Audiophiles, Black&White, Isotek

Zubehör: Sun-Leiste, Steinmusic, Millenium Carbon-Matte, bFly Audio

 

 

www.iad-audio.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.