Phonovorverstärker AVM Inspiration P1.2 – Like Ice in the Sunshine

Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Phonovorverstärker im Segment bis 1000 Euro zuzulegen, steht vor einer ähnlich großen Auswahl wie Mutti vorm Marmeladenregal im Supermarkt. Ein Sammelsurium an fast identischen Platinen, die sich im Großen und Ganzen nur durch ihre unterschiedlich gestylten Gehäuse unterscheiden.

Doch AVM wäre nicht AVM, wenn sich die seit einem knappen Jahr erhältliche Inspiration P1.2 nicht deutlich vom Einheitsbrei fernöstlicher Produkte abzusetzen wüsste. Schon optisch ist das kleinste Produkt aus Malsch eindeutig als AVM erkennbar. Ein massives Strangpressprofil aus Aluminium dient, wie auch bei den „erwachsenen“ Geräten, als störungsresistente Behausung für das sensible Innenleben. Keine sichtbaren Schrauben stören das edle Finish der Front, nur eine strahlend blaue LED informiert über Schlaf- oder Wachzustand der Inspiration. Alles zur Bedienung Nötige findet sich auf der Rückseite. Der Schalter für den Betriebszustand und drei Paar Cinchbuchsen für MM- oder MC-Systeme. Moment, das sind ja sechs Stück? Ja, genau sechs. Vier würden theoretisch reichen, die beiden übrigen sind das Praktischste, was mir je zum Thema Anpassung und Abschlusswiderstand an einer kleinen Phonokiste vor die Ohren kam. Keine Plastikjumper, kein Gefrickel mit Lupe und Mäuseklavier. AVM-Chefdenker Günther Mania bediente sich der genialen, auch in der DIY-Szene beliebten Lösung, den Abschlusswiderstand als Cinchstecker auszuführen. Schneller und einfacher lässt sich ein System nicht anpassen. Die im Lieferumfang enthaltenen 100-, 200- und 1000-Ohm-Stecker sollten für die meisten Systeme ausreichen. Wer andere Werte benötigt, greift einfach zum Lötkolben und hilft sich selbst. Im Fall meines Benz ACE passt die 1000-Ohm-Variante wie die Faust aufs Auge, und die kleine Inspiration spielt direkt aus der Packung quirlig, dynamisch packend und so knackig wie Kate Moss’ Heckansicht in den Neunzigern.


Ein wenig umorientieren mussten sich meine Ohren, was die Wiedergabe des Präsenzbereichs anging. Im direkten Vergleich zur Dynavector (FIDELITY Nr. 28) stellt die AVM den Mitteltonbereich etwas stärker in den Vordergrund, erreicht dabei aber nicht den swingenden, trockenen Punch der Neuseeländerin. Doch gibt man der Inspiration P1.2 genug Zeit, sich einzuspielen, ohne sie vom Netz zu trennen, erlebt man mit jeder Stunde, die vergeht, die fortschreitende Metamorphose einer kleinen „Eisprinzessin“ zur gestandenen Operndiva. Dem Sopran der Maria Callas wird trotz mikroskopisch genauer Detailversessenheit hinsichtlich des Orchesters und der räumlichen Präzision des Chors genau die Portion Zärtlichkeit und Sinnlichkeit gelassen, die ich an dieser Platte schätze. Besonders gut harmoniert der Charakter der P1.2 auch mit Aufnahmen kleiner Jazzcombos, Paul Gonsalves Tenorsaxofon übernimmt auf Gettin’ Together beispielsweise mit rauer, bisweilen heiserer Verve die Führungsrolle, ohne dass der Fokus vom Schmiss und Schmackes des Gesamtarrangements abgelenkt wird.
Eine formidable Vorstellung, die die kleine AVM abliefert. Es gibt mittlerweile viele klanglich richtig gute und dabei bezahlbare Phonovorverstärker. Doch mir sind nur wenige bekannt, die zum Preis der AVM eine vergleichbar perfekte Verarbeitung, grandios komfortables Handling und lupenreinen Klang bieten. Oder anders gesagt, auch wenn die Inspiration P1.2 das kleinste und günstigste Angebot im Portfolio ist, weist sie doch alle Merkmale der Philosophie von Günther Mania und Udo Besser auf. Eine echte AVM halt. Da capo, meine Herren!

Phonovorverstärker AVM Inspiration P1.2
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 700 €
AVM
Daimlerstraße 8
76316 Malsch
07246 4284

 

www.avm-audio.com

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