Album-Doppel: Michael Jackson – Weird Al’ Yankovic

Bad Guy, Bad Guy

Es gibt nicht nur Coverversionen von Songs. „Gecovert“ werden auch Plattenhüllen. Das gecoverte Cover: Ist es witzige Anspielung, respektvolle Verehrung oder Parodie – oder hat es einen tieferen Sinn?

Fünf Jahre nach Thriller konnte ein neues Michael-Jackson-Album nichts anderes werden als ein Riesen-Hit. Als Bad im Sommer 1987 erschien, war Jacko auf dem Höhepunkt seiner Popularität, der unumstrittene King of Pop. Nur Prince hat man damals noch mit ihm verglichen. Begleitet wurde die Veröffentlichung denn auch von den allerhöchsten Erwartungen – ein Smash-Album mit Ansage. Praktisch jeder Song daraus wurde zum Single-Hit, es gab keinen Lückenfüller. Sogar ernsthafte Menschen nahmen das Album zur Kenntnis, obwohl es doch nur poppige Dance-Music war. Aber es war eben Dance-Music, die man anhören konnte, weil sie ein neuartiges Gemisch aus R&B, Funk, Soul, Rock und Jazz darstellte. Jazzlegende Quincy Jones war erneut der Produzent, also gab es Bläsersätze, Bläsersoli und Begleitmusiker wie Jimmy Smith, Eric Gale und Paulinho da Costa. Auch Stevie Wonder, der Gitarrist Steve Stevens und der Keyboarder Steve Porcaro wirkten mit.

Michael Jackson - Bad

Michael Jackson – Bad
CD, Epic

Dass sich Bad auf der Höhe der Zeit befand, signalisierte das Albumcover. Da ist keine Spur mehr von der kitschigen Weichzeichner-Optik des Thriller-Albums, vom weißen Las-Vegas-Smoking, von romantischer Pose und romantischem Schriftzug, auch nichts von der weichen Nase und dem Schoko-Teint. Jackos neues, blasses Gesicht reckt sich aus einer schwarzen Straßenjacke mit viel metallenem Krimskrams dran. Er will hier halb Rapper, halb Rocker sein, versucht hart und herausfordernd zu blicken, die rechte Hand geballt. Er mimt den „bad guy“, den gefährlichen Checker. Wer sich an die Gangsta-Rap-Alben von 1987 erinnert, versteht die Anspielung in der Pose. Nur zwei Monate vor Jacksons Album war Bad: Bigger And Deffer von L.L. Cool J erschienen. Der HipHopper trägt darauf eine schwarze Jacke, steht auf einem Auto, lehnt am Zaun eines Schulhofs, blickt herunter in die Kamera. Vielleicht war Jacksons Bad – in Pose und Plattentitel – bereits Hommage und Parodie.

Die Maßlosigkeit von Michael Jacksons Erfolg provozierte viele. Schon die damals absurd erscheinende Vorstellung von Michael Jackson als eines „bad guy“ reizte manchen zum Lachen. Der Titelsong „Bad“ hat jedenfalls etliche Parodien inspiriert. Eine der ersten kam von „Weird Al“ Yankovic: Sein Song „Fat“ ist musikalisch nahezu eine Kopie des Originals, aber mit sehr witzigen Lyrics über dicke Menschen. Yankovic, ein Satiriker amerikanischer Prägung, verhält sich selten politisch korrekt. Schon Jacksons Hit „Beat It“ hatte er seinerzeit veralbert als „Eat It“: Dickleibigkeit  gehört zu Yankovics Lieblingsthemen. Alle seine Songs, die mit Essen zu tun haben, stellte er später auch in einer Compilation zusammen. Sein Humor besitzt aber noch andere Facetten. Dass er sein Album nicht „Fat“ nannte, sondern Even Worse, zeigt, dass er sich auch selbst auf die Schippe nehmen kann.

Weird Al' Yankovic - Even Worse

Weird Al’ Yankovic – Even Worse
CD, Scotti Bros.

Yankovics Albumcover ist mehr Hommage als Veralberung. Auch Rückseite und Innenhülle sind mit geradezu liebevoller Detailliertheit dem Original-Cover nachempfunden. Dass „Weird Al“ mit seiner Brille und seinem Bärtchen in der Rolle des „bad guy“ noch komischer wirkt als Jackson, ist zwar kalkuliert, aber Yankovic macht sich weder über Jacksons Musik noch über Jacksons Lyrics lustig. Ihm geht es vor allem darum, bekannte Stücke und Stile als Transportmittel für seine eigenen frechen, satirischen Texte zu verwenden. Der Überraschungseffekt dieser Kombination spielt ihm in die Tasche. Auf dem Album Even Worse bedient sich Yankovic bei einigen Songs, die in den Achtzigern gerade erfolgreiche Neuauflagen erlebt hatten, etwa „Got My Mind Set On You“, „I Think We’re Alone Now“ oder „Mony Mony“, alle ursprünglich aus den Sechzigern. In anderen, selbst komponierten Stücken ahmt er die Stile weiterer Künstler nach. Doch die Hauptsache sind die pointierten Texte: Sie ziehen mit überlegenem Witz die Klischees Amerikas durch den Kakao. „Alimony“ ist die Klage eines geschiedenen Mannes, dem das letzte Hemd genommen wird. „Melanie“ ist das perverse Liebeslied eines Stalkers. „Good Old Days“ spottet frech über die Verklärung der Vergangenheit. „Twister“ ist ein Rap über das bekannte Kinder- und Partyspiel. „Velvet Elvis“ zieht die Presley-Verehrung durch den Kakao.

Albumdoppel 22

Michael Jackson hat die Parodie seines Plattencovers und seines Songs „Bad“ übrigens ausdrücklich genehmigt. Er gab Yankovic sogar beim Musikvideo zu „Fat“ technische Hilfestellung. Als das Album Even Worse mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde, wusste „Weird Al“, wem er den Erfolg zu verdanken hatte, und schenkte die Auszeichnung Michael Jackson. Yankovic fand es durchaus bemerkenswert, dass Jackson ihn bei seinen Arbeiten unterstützte. „Der einzige Grund, warum er mich nicht gestoppt hat, ist, weil er viel Sinn für Humor besitzt.“

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 22 (6/2015)

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