Tiglon Netz-, Digital-, NF- und LS-Kabel – Die Magnesium-Fraktion aus Japan

Ja‚ ich liebe Kabel! – So‚ nun ist es raus …

Viele Fachautoren und von High End begeisterte Zeitgenossen schimpfen permanent auf Kabel, und ich weiß gar nicht, wie sie dazu kommen. Denn ich finde Kabel toll! – Warum? Nun, es gibt immer wieder neue, interessante Entwicklungen, und alle Kabel klingen unterschiedlich. Und wenn man das weiß, ist es doch super, durch simples Umstecken dem eigenen Klangideal vielleicht wieder etwas näher zu kommen, oder nicht? Geht es bei unserem Hobby, neben dem Musikhören an sich, nicht auch darum, das eigene Wunschklangbild zu realisieren?
Kabel sind, im Gegensatz zu manchen Geräten, recht einfach und unkompliziert zu testen. Natürlich gibt es auch bei Kabeln nicht nur positive Ergebnisse; das kann ja auch nicht anders sein, da alle Anlagen unterschiedlich sind. Nach Jahrzehnten der Suche vertraue ich bei LS- und NF-Kabeln noch immer allein der Serie von Auditorium 23 und der Silberserie von Audio Note Japan, Kondo – völlig unterschiedliche Kabel, und doch sprechen mich beide emotional stark an. Strom wiederum fließt bei mir seit fast 20 Jahren ausschließlich durch HMS-Kabel.

So. Nachdem nun einige grundsätzliche Dinge geklärt sind, kann ich Ihnen endlich eine neue Kabelserie vorstellen, die mich überrascht hat. Sie wird von Volker Kühn (Black Forest Audio) angeboten. Immer wenn dieser echt musikbegeisterte, sympathische Mensch ein neues Produkt vorstellt, höre ich es mir auch an. Immer. Und auch wenn wir hinsichtlich der Bewertung nicht immer einer Meinung sind, so sind seine Produkte – unabhängig vom Preis – stets aus¬gesprochen hochwertig, ist die Auswahl authentisch und allein dem Ziel der besten musikalischen Übermittlung untergeordnet. Ich mag das.

Die NF-, LS- und Strom-Kabel, um die es hier geht, stammen von Tiglon aus Japan. Tiglon setzt auf hoch¬reine OFC-Litzen – und auf Magnesium. Okino-san, der Tiglon-Inhaber, besitzt ein Patent zur Herstellung extrem dünner Magnesiumfolien und hat zudem ein Verfahren entwickelt, besagte Kabel mit diesen Folien zu bandagieren, also vollflächig überlappend zu umwickeln. Das führt erstens zu einer mechanischen, zweitens zu einer elektromagnetischen Abschirmung. Während übliche Abschirmungen durch metallische Geflechte (meist Kupfer) bei Netz- und LS-Kabeln zu Timingfehlern führen, die Rhythmik verschleppen und Hochtonenergie verlieren können, soll das mit der Magnesium-Abschirmung nicht der Fall sein. Die Mittel- und Hochtonenergie sowie die Farbigkeit des Klangs sollen deutlich ausgeprägter erlebbar werden.

Betrieben habe ich die Kabel in drei verschiedenen Anlagen: zwei mit Vor- und Endstufen in Röhrentechnik, die dritte rein transistorbasiert. Ich weise hier extra darauf hin, da die nachfolgenden Beschreibungen in gleichem Maße für beide Techniken gelten – was mir bisher nur sehr selten passiert ist. In der Regel reagieren meine Röhrenelektronik und die daran betriebenen „lauten“ Lautsprecher auf verschiedene Kabeltypen stärker als die Transistoranlage.

Da ich einen kompletten Satz NF-Kabel und drei verschiedene LS-Typen zur Verfügung hatte, schloss ich zuerst nur die LS-Kabel an, danach zusätzlich die NF-Verbinder und abschließend die Stromkabel, wobei diese ebenfalls nacheinander angeschlossen wurden: zuerst End-, dann Vorstufen, danach die Quellengeräte. Schließlich lief die komplette Serie zuerst über einen längeren Zeitraum mit meiner Hauptanlage (Endstufe Jadis DA 5 modifiziert, Vorstufe Shindo Aurieges, CD-Player AcousticPlan Vadi, Lautsprecher Odeon No. 38). Während des Hörens notierte ich, was mir auf¬fiel und überprüfte dies ein zweites Mal, nachdem alle Tiglon-Kabel entfernt und die alten Kabel wieder angeschlossen waren. Danach erfolgte der gleiche Ablauf mit den beiden anderen Anlagen.
Erstes Ergebnis: Der größte Effekt stellte sich ein, als alles komplett mit Tiglon verkabelt war. Zugleich fielen aber noch zwei weitere Dinge auf: Die beiden Röhren-Anlagen klangen für mich deutlich besser mit dem kleinsten und günstigsten LS-Kabel (TGL SP-0 für 40 Euro/Meter). Bei der Transistorlösung hingegen, mit der die nicht gerade wirkungsgradstarken High Fidelios von Acapella angesteuert wurden, war es klar die Version mit dem größten Querschnitt (TGL SP-1 für 160 Euro/Meter). Der größte Effekt mit den Tiglon-Netzkabeln lag ganz klar bei den Endstufen, etwas weniger bei den Vorstufen, während die Quellengeräte keine hörbaren Änderungen zeigten.

Und wie klangen sie nun? – Mir fiel zunächst wieder ein, dass es ja Ziel war, „die Mittel-/Hochtonenergie und die Farbigkeit des Klangs deutlich ausgeprägter erlebbar zu machen.“ Und siehe da, sinngemäß stand genau das auch in meinem Hörprotokoll. Das ich übrigens auch mit den nachfolgenden Scheiben anfertigte.
Nachtwache – Musik und Poesie der deutschen Romantik (Sony Music). Johanna Wokalek rezitiert Werke der Romantik, für den musikalischen Rahmen sorgt der Balthasar-Neumann-Chor unter der Leitung Thomas Hengelbrocks, von dem auch die Gesamtkonzeption stammt. Bereits beim ersten Stück, Eichendorffs Mondnacht, zeigt sich, dass die Tiglons offenbar Stimmen lieben. Die intime Aufnahme soll das Lebensgefühl der Romantik wiedergeben; mit dieser Kabelserie geschieht das nachvollziehbar und gänzlich bruchlos. Deutlich wird eine auf den wichtigen Mittenbereich zielende Fokussierung auch beim letzten Stück, dem gesungenen Gedicht Der Mond ist aufgegangen von Matthias Claudius. Das Klangbild scheint von Frequenzextremen gesäubert zu sein, wobei das bitte keinesfalls als eine Art Filterung missverstanden werden sollte. Die Verbinder unterdrücken nichts, sie stellen nur interpretatorisch und kompositorisch Wichtiges deutlicher heraus und ordnen sich der Stimmung und den Gefühlen der dargebotenen Inhalte unter. Günter Baby Sommer: Dedications (Intakt Records). Der Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer, ein Urgestein des deutschen Free Jazz, veröffentlichte jüngst anlässlich seines 70. Geburtstages seine zweite Soloplatte. Bereits Ende der 60er hatte Jazzdrummer Pierre Favre Pionierarbeit geleistet, als er eine unbegleitete Soloplatte veröffentlichte. Ende der 70er folgte Sommer ihm mit seinem ersten Solobeitrag, Hörmusik. Nun also der Nachfolger. Gleich im ersten Stück („Sommers Dank an Warren, genannt Baby, Doods“) nutzt Klangschöpfer Sommer ein um ein Holzblocktrommelspiel erweitertes konventionelles Schlagzeug-set und spricht dabei persönliche Dankesworte aus. Die Differenzierung der ungewöhnlichen Kombination Stimme plus Solo-Schlagzeug gelingt den Tiglon-Kabeln in wundervoller Art. Auch bei den Stücken, in denen Sommer gewohnt virtuos zu Percussion-Instrumenten greift – geschlagene rhythmische Dialoge, darüber sein eigener Sprechgesang –, setzt die deutliche Tiglon-Klangsprache eine fantastische Energie frei. Silvestrov: Klavierwerke (Grand Piano). Elisaveta Lumina spielt Klavierwerke aus verschiedenen Schaffensperioden des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov, der sich in all seinen Werken offenbar vorrangig für die Melodie interessiert. Die musikalisch wie klanglich hervorragende Aufnahme ist, wie alle guten Soloklavier-Einspielungen, eine schwere Prüfung für jede Anlage. Stimmt ein Teil der Wiedergabekette nicht oder ist einer der Mitspieler auf vordergründige Effekte gezüchtet, etwa durch Hervorhebung von Bass- oder Hochtonlagen, kann die Aufnahme schnell in eine aggressive, nervige Wiedergabe der dynamischen und klanglichen Strukturen verfallen. Die Magnesium-Kabel behalten aber auch hier die Übersicht, wahren die Balance zwischen Tonfarben und der dem Klavier innewohnenden klanglichen Härte.

Johannespassion von Gottfried August Homilius (Carus). Der Organist Homilius soll zum unmittelbaren Schülerkreis von Johann Sebastian Bach in Leipzig gehört haben. Er trat 1755 die Stelle als 16. Kreuzkantor und Musikdirektor der Dresdner Hauptkirchen an. Professor Roderich Kreile, als 28. Kreuzkantor seit 1997 im Amt, spielte in einer Weltpremiere Homilius’ Johannespassion mit dem Dresdner Kreuzchor und dem Dresdner Barockorchester ein. Wie von Carus zu erwarten, ist diese Aufnahme – schon jetzt meine Lieblings-CD des Jahres – klanglich nahezu perfekt. Sie fordert jede Anlage heraus, offenbart jede Schwäche gnadenlos. Und Vorsicht: Die Arien klingen etwas schlicht und fast schon weich, aber genau so soll es sein, denn der Komponist strebte Zeit seines Lebens nach einer Form der musikalischen Einfachheit und Gefälligkeit. Obwohl Schüler von J. S. Bach, versucht er gerade nicht, dessen kompositorische Komplexität zu imitieren, obwohl er hierzu womöglich in der Lage gewesen wäre. Auch mit dieser Scheibe zeigen die Tiglons, dass das Gehörte exakt das ist, was der Komponist und die Musiker umgesetzt haben wollten: ein hohes Maß an intellektuell-musikalischer und interpretatorischer Tiefe, und eine Wiedergabe, die in die Musik hineinzieht, nicht deren „Wiedergabe“ in den Vordergrund stellt. Gerade diese von wundervollen Farbschattierungen geprägte Aufnahme ist sehr gut geeignet, einige der bekannten „Effektkabel“ unverzüglich auch als solche zu überführen.

Mein Fazit: Volker Kühn hat mit der „Magnesium-Fraktion“ rund um die Produkte von Tiglon eine wirklich interessante neue Serie im Kabelmarkt etabliert. Keine Showprodukte, die ihre Zuhörer zunächst mit vordergründigen Effekten gefangen nehmen, um kurz darauf wieder verkauft zu werden. Keine Kabel, die aufgrund eines aberwitzigen Eigengewichtes Komponenten glatt vom Tisch zerren, und auch keine unbiegsamen „Buchsensprenger“. Vielmehr werden hier nachvollziehbare technische Grundlagen mit Preisen verknüpft, die bei vielen High-End-Herstellern nicht einmal mehr für deren „Einsteigerklasse“ gelten.

Falls das mit Tiglon erzielbare Klangergebnis Ihre persönlichen Vorstellungen unterstützt, ist es durchaus denkbar, dass Sie damit das Thema Kabel abschließen können. Und wie eingangs gesagt: Es ist so leicht, einfach mal selbst zu hören, ob die Kabel in der eigenen Anlage das gewünschte Ergebnis bringen.
Lassen Sie sich also nicht von ewig predigenden Befürwortern eines „Konzeptes“, von notorischen Kabelhassern, Versuchsingenieuren mit Klingt-doch-alles-gleich-Gefasel oder selbst ernannten Voodoo-Priestern bequatschen; probieren Sie einfach die Tiglon-Kabel in Ruhe und in Ihrem Geräteumfeld aus. Es lohnt sich! Hören Sie und urteilen nur Sie. Sie allein!

 

Black Forest Audio
Gerd-Volker Kühn
Rosenstraße 50
76316 Malsch
Telefon 07246 6330

 

www.blackforestaudio.com

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