High End 2017, hifideluxe und Co. – Abschlussbericht

Das war München 2017

Da die Münchener Messen immer größer werden, es also jedes Jahr noch mehr Aussteller gibt, sprengen sie mittlerweile den Rahmen eines kompletten Messeberichts. Darüber hinaus haben wir über tausend erstklassige Bilder geschossen, die es in dieser Fülle und Qualität sonst nirgends zu sehen gibt. Wir möchten Sie deshalb einladen, uns auf mehrere kurze, reichhaltig bebilderte Ausflüge mitten hinein ins Herz des Messetrubels zu begleiten.

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Womit startet jede High-End-Messe in München? Richtig, mit der kombinierten Pressekonferenz der High End Society e.V. (Verein) und der High End Society Service GmbH (Messeveranstalter). So auch in diesem Jahr, und wie immer waren wir auch diesmal wieder dabei. Wie bereits im Editorial der FIDELITY Nr. 31 beschrieben, waren wir nicht mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten, sondern lediglich in unserer ureigenen Funktion der Fachpresse. Wir freuten uns darüber, dass besagtes Editorial ganz offensichtlich für viele Leser und auch für die High End Society relevant war, denn die Herren Hecker und Mamaghani trugen den anwesenden Medienvertretern unabhängig voneinander und mit Nachdruck vor, dass die High End München keine reine „B2B-Veranstaltung“ sei, sondern sich vielmehr auf den Konsumenten konzentriere. Aber man fügte auch hinzu, dass bei einer derartigen Messe-Größe eine gewisse geschäftliche Komponente nicht auszuschließen sei.

Die Messe wächst, keine Frage: vier Messehallen, zwei Atrien mit 138 angrenzenden Konferenzräumen auf insgesamt 29.000 Quadratmetern – das ist sicher Weltspitze. Und man will noch weiterwachsen; laut Pressekonferenz sei man im Gespräch mit den Dauermietern der zwei noch nicht genutzten Atrien im M.O.C., um diese Räume für den Zeitraum kommender Messen verfügbar zu haben. Man könne sich auch vorstellen, das Thema „Auto & HiFi“ in die gegenüber dem M.O.C entstehende „Motorworld“ auszulagern. Auch hatte man sich des Themas Hotelmesse annehmen wollen. Dazu habe man den Kontakt zu der parallel in München stattfindenden hifideluxe gesucht, jedoch ohne Erfolg. Jetzt denke man darüber nach, das ebenfalls gegenüber dem M.O.C. entstehende Hotel im Umfeld der „Motorworld“ eventuell für einen Hotelmesseteil der High End München zu nutzen. Die Erfolgsgeschichte werde fortgeschrieben.

Für einen kurzen Moment der Stille sorgte der Wortbeitrag eines Medienvertreters, der sich auf den reibungslosen Übergang der Geschäftsführung der High End Society Service GmbH von Herrn Branko Glisovic auf Herrn Stefan Dreischärf bezog. Dieser Medienvertreter bedankte sich ausdrücklich für das hinterlassene Werk von Herrn Glisovic und die professionelle Übergabe, hatte diese Dankesworte aber eigentlich wohl von anderer Stelle erwartet.

Zum Abschluss der Pressekonferenz richtete Herr Hecker an die versammelten Medienvertreter noch die ausdrückliche Bitte, weiterhin kritisch zu berichten – eine Geste, über die wir uns gefreut haben.

Wie war’s denn nun auf der Messe?

Die Messe war – im allerbesten Sinne – wie immer. Man traf auf eine Menge alter Bekannter, aber auch auf viele neue, teils unbekannte Firmen, meist auf der Suche nach Vertrieben. Und es gab tatsächlich unerwartete Neuigkeiten. Den Vogel schoss in diesem Jahr wohl Burmester ab. Nicht nur, dass die Berliner Manufaktur mit einem übermannsgroßen Lautsprecher angereist war, nein, Burmester hatte auch einen Plattenspieler im Gepäck, das wahrscheinlich von allen am wenigsten erwartete Produkt. Umso größer war dann auch das Ah und Oh auf der Burmester-Pressekonferenz, als dieses Geheimnis gelüftet wurde. Der Plattenspieler „175“ ist eine 60 Kilo schwere Maschine, deren enormes Gewicht man ihr überhaupt nicht ansieht. Der 175 stammt komplett aus Burmesters Hand und beinhaltet das Laufwerk (mit vier Motoren!), den Tonarm, den MC-Tonabnehmer und einen eingebauten Entzerrer-Vorverstärker, dessen Schaltung sich an den erfolgreichen großen Phonoentzerrer 100 anlehnen soll. Für dieses analoge Gesamtpaket ruft Burmester einen Preis von gut 30000 Euro auf. Auch der neue Top-Of-The-Line-Lautsprecher wusste vollkommen zu überzeugen. Als Besonderheit kann er in zwei unterschiedlichen Modi betrieben werden, zum einen als klassischer HiFi-Lautsprecher, zum anderen im sogenannten „Live-Modus“. Hierbei verändert der Lautsprecher seine Abstrahlcharakteristik und klingt spürbar direkter. Eine feine Sache, wie wir finden. Ein echter Hingucker war übrigens auch Burmesters „Ahnengalerie“, die eine Vielzahl ausgewählter Geräte aus allen Jahrzehnten der Firmengeschichte zeigte, darunter auch das Modell 777, mit dem alles begann.

Lindemann, immer für eine Überraschung gut, war mit seiner neuen Marke „Limetree“ angereist. Limetree, das sind kleine und bezahlbare Komponenten, die jeweils nur eine Funktion haben werden. In der Vorführung wurden die ersten zwei Produkte der neuen Marke demonstriert: ein Phonoentzerrer und eine „Roon-Bridge“. Speziell die Roon-Bridge hat es uns angetan. Sie ist ein extrem hochwertiger und intelligenter „Anzapfpunkt“ in einem Roon-Netzwerk. Überhaupt scheint sich Roon als Oberfläche und als System, um sämtliche digitalen Daten zusammenzuführen, flächendeckend zu etablieren. Neben seinen klanglichen Vorzügen macht Roon auch im alltäglichen Umgang sehr viel Spaß, da es unzählige Querverweise, Hintergrundinformationen und Artwork zu seinen Digitaldaten bereitstellt – das ist fast (wieder) so wie das LP-Albumcover in die Hand zu nehmen, näher zu betrachten und die Covertexte zu lesen. Laut Aussage von Norbert Lindemann wird die Roon-Bridge von Limetree noch in 2017 verfügbar sein. Derzeit befindet sie sich noch im Zertifizierungsprozess durch Roon selbst. Neben dem Phonoentzerrer und der Bridge von Limetree darf man auch schon auf einen Kopfhörerverstärker und weitere Komponenten gespannt sein.

Eine schöne Überraschung war es, in diesem Jahr SME mit einem eigenen Stand zu entdecken. Der Hersteller perfekt gemachter Laufwerke und Tonarme hat sich nach über 20-jähriger Abstinenz zurückgemeldet. SME führte in einer kleinen Kabine mit einer Nagra- und YG-Acoustic-Kette vor, die zum Dahinschmelzen klang. Eine andere Überraschung (zuvor mehrmals daran vorbei gelaufen) erwartete uns bei WBS. Dort gab es Lautsprecher von Franco Serblin an einem kompletten Accuphase-Frontend zu hören – was für ein Genuss. Diese Vorführkabine, halb „versteckt“ in einer Halle untergebracht, war ein Paradebeispiel für ein ausgewogenes Klangbild wie aus einem Guss. Chapeau – und das, wie gesagt, in einer Vorführkabine.

Überhaupt stellten wir dieses Jahr ein höheres klangliches Niveau bei den Präsentationen fest. Und das nicht nur in den Räumen rund um die Atrien. Die meisten Aussteller scheinen mittlerweile ein größeres Augenmerk auf die Raumakustik zu legen – und das mit Erfolg. Die Bemühungen, gute Voraussetzungen für einen vorzüglichen Klang zu schaffen, gingen bisweilen so weit, dass einige sogar die Gitter in der hauseigenen Deckenbeleuchtung ausgebaut hatten, um das Rappeln zu verhindern.

ELAC hatte zwar die Lampengitter der Messeräumlichkeiten dort belassen, wo sie hingehören, stellte aber noch für dieses Jahr in Aussicht, die unlängst ins Firmenportfolio integrierte, hochinteressante Elektronik von Audio Alchemy in einer eigenen Produktfamilie weiter auszubauen. Die neue Serie „Alchemy“ verpackt ELAC dabei in größere Gehäuse, die zudem in elegantem Schwarz statt dem bisherigen Alu-Silber für Aufsehen sorgen werden. Wir sind schon sehr gespannt!

Zu den weiteren Vorführungen, die uns nachhaltig beeindruckt haben, gehört beispielsweise auch Ascendo. Und das keineswegs allein wegen des unfassbaren 55-Zoll-Subwoofers, der sicher eines der meistfotografierten Objekte der Show war. Nein, vor allem beeindruckte uns die Performance der von Ascendo präsentierten Mehrkanalanlage. Hier wurden ganz klar die Grenzen von Zwei-Kanal-Stereo aufgezeigt, diese lässig durchbrochen und ein völlig neues, komplexeres Klanguniversum geöffnet. Die unfassbare Direktheit, mit der man in ein akustisches Szenario hineintransportiert wird, sodass man von einem Moment auf den nächsten einfach „dazugehört“, ist beinahe schon erschreckend.

Aber auch im klassischen Zwei-Kanal-Stereobereich gab es einiges zu bestaunen, was die Grenzen des Machbaren neu auslotete. Bei Göbel Audio beispielsweise spielten zwei übermannsgroße Säulen plus zwei massive Subwoofer – bestückt mit jeweils acht Chassis – an Elektronik von CH Precision. Das mag zunächst einmal den Eindruck von „sehr laut“ und „ultramassiv“ erwecken, doch das Gegenteil war klanglich der Fall. Ein Klang mit schwer zu beschreibender, geradezu unendlicher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit erfüllte den Raum. Und das nicht nur in bestimmten Frequenzbereichen, sondern über das ganze Audiospektrum hinweg. Göbel Audio dürfte damit, was Zwei-Kanal-Stereo betrifft, ein absoluter Maßstab für sehr viele andere Hersteller sein, die sich am obersten Ende einer virtuellen Klangskala tummeln.

Ähnliches gilt für Tidal Audio. FIDELITY hatte bereits mehrfach das Vergnügen, das Spitzenmodell „La Assoluta“ in einer wunderbaren Kundeninstallation zu hören (siehe FIDELITY Nr. 32), und ein Pärchen La Assoluta war auch nach München angereist. Betrieben an hauseigener Elektronik, vermochte Tidal Audio die Grenzen zwischen Original und Konserve aufzulösen, indem ein angenehmes Maß an Direktheit der Musik einen besonders hohen Grad an Glaubwürdigkeit verlieh. Auch hier durfte man resümieren, das gerne zitierte „Ende der Fahnenstange“ allmählich erreicht zu haben.

Eine ganz andere Überraschung hielt wieder einmal eine Vorführkabine im unteren Hallenbereich bereit, an der wir die ersten drei Tage lang glatt vorbei gelaufen waren: Soundsmith. Der US-amerikanische Hersteller ist bekannt für seine teils ungewöhnlichen Tonabnehmer, wo ein Nadelträger auch schon mal aus einer Kaktusnadel bestehen kann und man die technischen Prinzipien von Moving Iron (MI) und „Strain Gauge“ (SG) bevorzugt. Doch Soundsmith hatte auch eine komplette Elektronikkette im Gepäck. Am interessantesten war der Vorverstärker SG-810: ein unscheinbares Gerät mit Holzfront, das neben den üblichen Eingängen auch ein hauseigenes SG-System versorgen und verstärken kann. Das Verblüffende: Der Soundsmith-Vorverstärker zeigt simultan und in Echtzeit die Tracking Force (Auflagekraft), die „Force per Groove Wall“ (die Kräfte, die pro Stereokanal auf den Diamanten einwirken) sowie den Grad der Verwellung der Schallplatte an. Das dürfte in der Tat einzigartig sein.

Eine sehr überzeugende Präsentation bot erneut Bittner Audio, die wieder mit der massiven – und scheinbar auf dem Kopf stehenden – Dynaudio Conequence angereist waren und damit vorführten. Zentrales Thema war in diesem Jahr aber nicht der fantastische Endverstärker TonMeister 500 (siehe FIDELITY international No. 3), sondern der passende nagelneue Vorverstärker, bei dem Bittner Audio sämtliches Know-how aus dem Profi-Bereich gebündelt in ein absolutes High-End-Produkt transferiert hat. So war denn auch das, was schließlich aus den Dynaudios zu hören war, einfach umwerfend in Bezug auf Realitätsnähe. Leider wurden die Höreindrücke immer wieder gerne durch die „Walking Acts“ der Messe gestört, was nicht nur diesen Aussteller nachhaltig verärgerte.

Eine einfache, aber wirklich klasse Idee entdeckten wir bei Clearaudio. Dort zeigte man – etwas versteckt – eine neue Variante des Performance-Laufwerks, kombiniert mit dem Tangentialtonarm TT5. Der Clou: Das Laufwerk hatte exakt die gleiche Farbe wie Accuphase-Komponenten. Somit gibt es endlich für alle Accuphase-Fans einen farblich perfekt passenden Plattenspieler.

Einen Hingucker der besonderen Art gab es dann bei Steinmusic zu bewundern. Holger Stein war mit einer ganzen Palette Hornlautsprecher angereist, die von „100 Prozent wohnraumtauglich“ bis hin zur Kategorie „Schatz, hör’ Du ruhig weiter Musik, ich geh’ nur mal schnell Zigaretten holen“ reichte. Gehört haben wir – wenn schon, denn schon – das ganz große Modell. Beim Anblick dieses Monsters von einem Lautsprecher sollte man ja meinen, dass hier das erklärte Entwicklungsziel „Schalldruck“ lautete. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dieser Extremlautsprecher, der im Bassbereich nach dem Prinzip der offenen Schallwand arbeitet, ist ausdrücklich für völlig losgelöstes und entspanntes Hören konzipiert worden. Er „kann“ aber auch reichlich Dynamik und verbindet dabei ätherische Luftigkeit mit packender Direktheit. Die große Membranfläche im Bassbereich überlädt den Raum dabei nicht, sondern führt zu einer selten erlebten Kontrolle. Sicherlich ein weiteres Highlight der Show.

Alles andere als gigantomanisch präsentierte sich Boenicke Audio. Sven Boenicke versteht es wie kaum ein Zweiter, den organischen, musikalischen Fluss mit seinen Kunstwerken aus Holz zu erhalten, die Magie von Musik zu transportieren. Zur diesjährigen Messe zeigte die Schweizer Manufaktur eine echte Neuheit: Boenicke Audio hat ab sofort einen Vollverstärker im Portfolio, der selbstredend – auch – exquisit mit den hauseigenen Lautsprechern harmoniert.

Wer auf Livehaftigkeit, grenzenlose Dynamik und Attacke steht, der war dieses Jahr bei Live Act Audio an der richtigen Adresse. Der Name ist hier Programm. War man noch im vergangenen Jahr ein wenig unglücklich über die akustischen Qualitäten der Vorführkabine im unteren Hallenbereich, hatte Live Act Audio dieses Jahr einen Atriumraum ergattern können. Dieser wurde akustisch komplett durch die Firma „Audiophile Architektur“ behandelt und mit einer prachtvollen Palette unterschiedlichster Akustik-Elemente ausgestattet. Das Ergebnis war auch dank Synästec-Elektronik ein Live-Sound, der im wahrsten Sinne seinesgleichen sucht. Dabei haben wir nicht einmal das ganz große Lautsprechersystem LAS 512, sondern „nur“ ein Pärchen LAS 115 hören können – sehr beeindruckend. Ebenfalls zum Staunen gebracht hat uns die Präsentation des ganz großen Hornlautsprechers von Odeon an feiner Röhrenelektronik von New Audio Frontiers. Diese Kombination bestach durch eine erstaunliche Fähigkeit, den Aufnahmeraum bzw. die Aufnahmesituation in den Abhörraum zu transportieren. Lag es an diesem wunderbaren Lautsprecher oder an der Röhrenelektronik von New Audio Frontiers? Schwer zu sagen – jedenfalls klang die Kombination atemberaubend gut.

Zwei weitere, recht gegensätzliche Lautsprecher sind uns noch sehr positiv aufgefallen. Zum einen die „Einklang“ von Heco – ein Prototyp aus der erfolgreichen Direkt-Serie, der als Breitbandkonzept mit einem einzigen Treiber pro Kanal auskommt. HiFi wie früher? Nun, dass diese vermeintliche Rückwärtsorientierung eindeutige Vorteile mit sich bringt, wurde schon unmittelbar bei den ersten Tönen hörbar. Das Modell „Einklang“ machte als schneller, in sich geschlossen, frisch und unverblümt aufspielender Lautsprecher richtig gute Laune. Für rund 2000 Euro das Paar sollte man sich diese Spaßmacher unbedingt einmal in Ruhe anhören.

Fast schon als technischer Gegenentwurf hierzu stellt sich die Finkteam WM 4 dar. Nur halb im Scherz behauptete Karl-Heinz Fink selbst, das „WM“ stünde durchaus für „Waschmaschine“. Vor allem aber ist die WM 4 das Ergebnis geballten Know-hows aus seiner Entwicklungsschmiede. Die Mannschaft um Karl-Heinz Fink stand schon hinter etlichen Modellen vieler bekannter HiFi-Marken – von kleineren Unternehmen bis hin zu Global Playern, von Einzelstücken bis hin zu supererfolgreichen Serienprodukten ist alles vertreten. Ein englisches Magazin titelte erst kürzlich über Finkteam: “The most important speaker company you’ve never heard of”. Das sagt wohl alles. Bei der WM 4 hat sich das Finkteam so richtig austoben dürfen. Beispielsweise hat man für Eigenzwecke einen neuen Basstreiber und einen Mitteltonlautsprecher – der eigentlich ein perfekter Breitbandlautsprecher ist – entwickelt, selbstverständlich unter Zuhilfenahme sämtlicher Entwicklungstools inklusive Klippel-Messtechnik. Das modulare Gehäuse der WM 4 wurde dank intensivem Einsatz von Laserinterferometrie perfekt ruhiggestellt. Dabei herausgekommen ist schließlich ein Schallwandler, der wohl schon im Vorfeld als einer der besten Allrounder auf dem Markt gesehen werden kann. FIDELITY ist schon jetzt gespannt auf den Auftritt der WM 4 in unserem Hörraum.

Der allergrößte Hingucker der Show in München war aber kein Lautsprecher, sondern natürlich der „MagLev“-Plattenspieler, dessen Plattenteller auf einem Magnetpolster schwebt und auch magnetisch angetrieben wird. Ja, das funktioniert tatsächlich. Inwieweit sich dieses – zumindest optisch Aufsehen erregende – Konzept günstig auf den Klang auswirkt, vielleicht aber sogar hinderlich ist, muss noch abschließend geklärt werden. Schön anzusehen war er aber in jedem Fall.

Was bleibt?

Die diesjährige Messe hat neben dem weiter fortschreitenden Vinyl-Revival mehr denn je den Trend hin zu körperlosen Medien unterstrichen. Es wurde weniger mit CDs vorgeführt, stattdessen sah man zunehmend Streaming-Lösungen mit High-Res-Musikdateien. Damit spielten auch die Streaming-Lösungen mittlerweile auf einem sehr guten Niveau. Bisher fehlte zwar noch immer irgendwie der Charme einer großen Plattenhülle, doch das scheint sich allmählich anzugleichen. Exemplarisch sei hier – analog zum Anfang dieses Berichtes – Roon genannt. Roon ist ein intelligentes System, das sämtliche angehäuften Digitaldaten „versteht“, verwaltet und an die angeschlossenen Ausgabegeräte stets im klanglich bestmöglichen Format ausgibt. Darüber hinaus werden durch die „schlau“ programmierte Software eine Fülle von relevanten Daten zur jeweiligen Platte, zum Lied oder zum Künstler „eingesammelt“ und dargestellt. Roon zeigt zum Beispiel das Cover-Artwork, aber auch Hintergrundinformationen, Biografien und Songtexte und bietet sinnvolle Verknüpfungen, beispielsweise an welchen anderen Aufnahmen ein bestimmter Künstler ebenfalls beteiligt war. Auf diesem Gebiet werden wir sicher schon bald weitere Lösungen sehen, um die digitale Konserve zumindest in punkto Haptik ein Stück „analoger“ zu machen.

Natürlich will die Münchner Messe weiterwachsen, um auch zukünftig die weltweit größte Messe ihrer Art zu bleiben. Die Frage, ob das dem Endkunden zugutekommt, der sie bereits jetzt an einem oder auch an zwei Tagen nicht vollkommen erkunden kann, scheint dabei zweitrangig. Die Entwicklung erinnert in gewisser Weise an die „HiFi Düsseldorf“, einer zum damaligen Zeitpunkt (Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre) führenden Leistungsschau für Unterhaltungselektronik. Aus guten Gründen hat sich die High-End-Szene damals davon distanziert, man wollte ganz bewusst nicht zum Establishment gehören. Die Gründung des Vereins „High End Interessengemeinschaft für hochwertige Musikwiedergabe e. V.“, aus dem der Verein High End Society e. V. hervorgehen sollte, entstand ursprünglich aus einer Gegenbewegung zum Konsumprodukt HiFi. Qualität vor Quantität lautete die Devise. Auch eine große Leitmesse wie die High End muss sich an diesem Grundsatz messen lassen – und schneidet dabei nicht schlecht ab. Sogar im internationalen Vergleich – wir werden auch von Messe-Erfahrungen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten berichten – setzt die Münchener Messe Maßstäbe und definiert die Messlatte. Aber um den einfachen Besucher und Musikliebhaber bei der Stange zu halten, müssen ihm Angebote gemacht werden, die eine Reise in die bayerische Landeshauptstadt lohnenswert erscheinen lassen. Derzeit steht der B2B-Charakter zweifellos im Vordergrund und das Interesse einiger Hersteller und Vertrieb am interessierten Privatkunden ist spürbar verhalten. Wir sähen keinen Nachteil im klaren Bekenntnis zum B2B-Fachbesucher, aber es sollte begleitet werden von zusätzlichen Angeboten für Endkunden. Die gesamte Branche muss sich neben zweifelsohne wichtigen, individuellen Geschäftsabschlüssen auch als geschlossene Einheit präsentieren: mit all ihren spannenden Themenfeldern, ihrer natürlichen Kompetenz zu unterhalten und einem Service, der dem privaten Kunden und Liebhaber vermittelt, dass er ernst genommen und hofiert wird.

 

Supergalerie

Zum Abschluss unserer Berichterstattung über die Münchner Messesaison 2017 haben wir für Sie extra die Supergalerie zusammengestellt. Die Supergalerie beinhaltet alle von uns veröffentlichten Bilder sämtlicher Veranstaltungen der Münchner Messesaison 2017. Mit knapp 1100 erstklassigen Bildern ist es die wahrscheinlich größte Galerie im Netz. Kommen Sie noch einmal mit und tauchen Sie ein in die faszinierende Welt von Musik, HiFi und High End.

 

Münchner Messesaison 1
Münchner Messesaison 2
Münchner Messesaison 3
Münchner Messesaison 4
Münchner Messesaison 5
Münchner Messesaison 6
Münchner Messesaison 7
Münchner Messesaison 8
Münchner Messesaison 9
Münchner Messesaison 10
Abschlussbericht

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