High End 2017, hifideluxe und Co. – Messe-Nachlese 7

Oasen mit Highlights auf der hifideluxe

Da die Münchener Messen immer größer werden, es also jedes Jahr noch mehr Aussteller gibt, sprengen sie mittlerweile den Rahmen eines kompletten Messeberichts. Darüber hinaus haben wir über tausend erstklassige Bilder geschossen, die es in dieser Fülle und Qualität sonst nirgends zu sehen gibt. Wir möchten Sie deshalb einladen, uns auf mehrere kurze, reichhaltig bebilderte Ausflüge mitten hinein ins Herz des Messetrubels zu begleiten.

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Selbstverständlich besuche ich auch in diesem Jahr die parallel stattfindende Hifideluxe. Und ebenso selbstverständlich komme ich nicht unerkannt an Peter Qvortrup vorbei. Der Seniorchef von Audio Note UK residiert, wie immer, in der Hotellobby und wird erstmals von der Juniorchefin, seiner ältesten Tochter Emily,

hifideluxe Munich 2017

ganz offiziell unterstützt. Eines der Hauptthemen in diesem Jahr ist die Veröffentlichung des ersten eigenen Tonträgers auf dem frisch gegründeten Audio-Note-Label. Der Star dieser Aufnahme, der kanadische Cellist Vincent Bélanger, ist mit zwei Tagen Verspätung eingetroffen, spielt sich derzeit im Hotelzimmer ein und wird sogleich über ein Audio-Note-System mit sich selbst musizieren. Auch Kollege Hans von Draminski ist schon ganz erpicht auf diese Performance; wir werden, wie schon im vergangenen Jahr, nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Nach der virtuosen und nicht nur musikalisch, sondern auch klanglich brillanten Selbstbegleitung werfe ich noch einen strengen Blick auf einen bildhübschen Plattenspieler-Prototypen. Alexander Voigt, der Audio Note UK in Deutschland betreut, lässt durchblicken, dass es „wohl kaum in den nächsten Wochen“ zur offiziellen Premiere des neuen TT-3 kommen werde. Das Spitzenmodell der AN-Vinylmaschinen bekomme noch ein wenig Feinschliff, und das kostet Zeit. Gleichwohl empfinde ich bereits die Performance des Prototyps als wohltuend aufregend und äußerst viel versprechend. Ich bleibe gespannt.


Groß, frei und überragend dynamisch klingt es in der Suite von FM Acoustics, schade nur, dass die LP mit der Klaviersonate keine Toppressung ist, sondern hörbar eiert. Bin ich der einzige, den das stört? Deutlich kleiner und zurückhaltender, aber überaus edel spielt das Jadis/Audioplan-Setup bei Thomas Kühn. Glatt zu Tränen rührt mich dann recht unerwartet die neue Lautsprecher-Range von Tannoy. Nur gut, dass es hier so dunkel ist. Im charmant-rustikalen Retro-Look der Sechziger/Siebziger gestaltet, ist es einerseits ein leicht „historisierender“, geradezu wohltuender Klang der Schallwandler, andererseits die originelle, explizit

hifideluxe Munich 2017

„unaudiophile“ Musikauswahl, die mich hier ergreift. Zwei Titel aus meiner frühen Jugendzeit lassen mich länger verweilen als geplant. Okay, gute und eher späte Beatles-Titel „wirken“ bei mir eh immer, aber ausgerechnet eine Jammerlappen-Ballade vom eigentlich unerträglichen Cat Stevens lassen mir erneut wohlige Schauer über den Rücken laufen. Was ist hier los? Ich muss hier weg! Aber: Chapeau, Tannoy!
Witzig, kompakt und hochenergetisch geht’s im Raum von Daluso mit Ed Doggen und Kazuo Kiuchi zu. Die winzigen Monitore laufen an Reimyo-Elektronik und mit Harmonix-Unterstützung zur Bestform auf, prinzipbedingt natürlich mit sehr knappem Tiefbass. Doch die reichhaltige, extrem ausgewogene Homogenität des Setups ist immer wieder ein Erlebnis, das ich mir nie entgehen lasse. In einer abschließenden unvermeidlichen Selfie-Session sorgt Kiuchi-san mit seinem getunten iPhone für Aufsehen: Es ist mit zwei Harmonix-Produkten bestückt …

Nicht nur auf der Hifideluxe im Marriott-Hotel, auch in unmittelbarer Nähe zum MOC hat es schon immer Parallelveranstaltungen gegeben, die sich ganz bewusst von der großen Hauptmesse unterscheiden. In diesem

Backes und Müller Munich 2017

Jahr lockt Backes & Müller zum Beispiel in den kaum 100 Meter entfernten „Kohlebunker“ und präsentiert in gekonnt inszenierter, angenehm ruhiger Industrieatmosphäre das Portfolio des Hauses. Das Highlight der rundum gelungenen Veranstaltung jedoch ist für mich – neben der wirklich tollen Location – die abendliche After-Show-Hörsession mit der Soulsängerin Siyou und Joe Fessele am Keyboard. Wirklich verblüffend, wie gut das Live-Event über die großen BM Line 80 von Backes & Müller in dem riesigen Industriesaal rüberkommt. Zumal es B&M-Chef Johannes Siegler mit einer stark veränderten Raumkustik zu tun bekommen hat. Doch sowohl die rhythmisch betonte Live-Performance der wirklich mitreißenden Siyou, als auch die grandiose Standhaftigkeit der – ja eigentlich für den HiFi-Einsatz konzipierten – BM Line 80 begeistern mich. Als während des Gigs dann auch noch eine Dämmerung wie aus dem Bilderbuch die ganze Veranstaltung „umarmt“ und in ein geradezu sinnliches Licht taucht, beschließe ich, diesen Tag in perfekter Stimmung ausklingen zu lassen. Der rauschende Applaus des Publikums ist ehrlich und frenetisch, die gute Stimmung nachhaltig, die Verquickung aus Live-Performance und HiFi perfekt gelungen. Ein absolutes Highlight der Messesaison 2017!

Martion und Rike Munich 2017

Praktisch nebenan zum „Kohlebunker“ residiert die „Motorworld“-Ausstellung. Vorbei an originellen Devotionalien des bewegten Lebens lande ich schließlich im halboffenen, riesiegen Hörraum von Heiner B. Martion und seinen Hochwirkungsgrad-Konstruktionen. Der Chef, wie immer tiefenentspannt und stets zu einem Scherz aufgelegt, spielt seine nochmals überarbeitete „rotnasige“ Bullfrog, die mit einer sensationellen Orgelaufnahme bei mir für Verblüffung sorgt. Kollege Draminski, bekennender Orgel-Fan, ist kurzzeitig sogar sprachlos und erst Minuten später wieder vernehmungsfähig – das will was heißen! Kaum zu glauben, dass das größere Einhorn noch zwei, drei Schippen drauflegen kann. Doch es kann! Ganz großes Kino – nicht nur in punkto Demoraum-Deko. Beim Verlassen der „Motorworld“-Musikoase dient mir ein Tischkicker (auf Basis BMW 3.0 CSi!) als Hinweis zur Abendveranstaltung. Die findet nämlich in der BMW-Welt statt.

Harman demonstriert in einem großen, akustisch völlig unbehandelten Konferenzraum, zu welchen high-fidelen Zaubereien ihre legendäre Studiomarke Lexicon mittlerweile in der Lage ist. Präsentiert wird ein digital gesteuerter Aktiv-Lautsprecher, wie ich ihn noch nicht einmal bei Bang&Olufsen erlebt habe. Der Lexicon SL-1 ist ein elegant gestalteter, rundum dicht an dicht mit zahllosen Treibern bestückter Schallwandler – don’t call it „box“! – und beherrscht geradezu magische Dinge. Dank einer komplexen internen Signalverarbeitung mit vier

Lexicon by Harman Munich 2017

Kanälen und gefühlt hundert Treibern „kann“ ein einzelner SL-1 schon Stereo erzeugen (eigentlich sogar Surroundsound, aber das soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren). Für ernsthafte Musikhörer interessanter ist, dass sich ein Pärchen SL-1 an praktisch beliebiger Position im Raum aufstellen und per ultracooler App (die sogar problemlos funktioniert) auf alle nur vorstellbaren Hörpositionen einstimmen lässt. Die individuelle Anpassung des Abstrahlverhaltens für das Lieblingssofa, für eine ganze Partygesellschaft am großen Esstisch oder den Sweetspot im Lesesessel geschieht per Wisch- und Klick-Funktion am iPad. Dass hier eine Menge High-Tech im Spiel sein muss, ist klar, drängt sich aber überhaupt nicht in den Vordergrund. Die Bedienung des Systems SL-1 ist supereinfach, das räumliche Klangerlebnis unfassbar gut, sogar unter derart ungünstigen Akustikverhältnissen wie in diesem praktisch leeren, hohen Raum. Alles funktioniert wirklich „wow“ und „hui“ – und dann auch noch qualitativ hochwertig ohne Signalkabel! In ein paar Monaten wird der Lexicon SL-1 lieferbar sein. Und es sollen weitere Modelle dieser neuen Lautosprechergattung folgen, aber bis dahin könnte auch schon die nächste HiFi-Messe-Saison laufen. Wie auch immer: FIDELITY bleibt selbstverständlich für Sie am Ball!

 

Münchner Messesaison 1
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Münchner Messesaison 9
Münchner Messesaison 10
Abschlussbericht

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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