Als ich kürzlich einen Freund beim Kauf neuer Boxen begleitete, fragte der Händler doch tatsächlich, wie wir mithilfe der mitgebrachten und seiner Meinung nach nur mittelmäßig klingenden CDs denn bitteschön einen Lautsprecher auswählen wollten. Das Argument, dass dies nun mal die Musik sei, die zu Hause gehört werde, konnte ihn leider nicht überzeugen.

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

Die größte Freude des anonymen Audiophilikers ist die regelmäßige Verschlimmbesserung der heimischen Stereoanlage durch Integration käuflich erworbener hochtechnologischer Objekte. – Aber wieso macht er das eigentlich?

Das Ziel kann nur sein (alle Anwesenden werden mir mit tosendem Applaus beipflichten), die auf dem Tonträger oder im Datenstrom enthaltenen Informationen möglichst verlustfrei zum Hörer zu transportieren. Dies natürlich streng im Dienste der Musik, der wir uns als Musikliebhaber auf eine ganz besondere Art und Weise verpflichtet fühlen … Klar – und die Erde ist eine Scheibe.

Jetzt mal ganz im Vertrauen, mein Freund: Um emotional von unserer Lieblingsmusik ergriffen zu werden, ist der ganze Zinnober, den du und ich in teils verbissener Ernsthaftigkeit veranstalten, nicht unbedingt nötig. Dafür reicht auch LowFi. Denk zurück an die Zeit, als du noch nicht Artikel wie diesen gelesen hast. Oder betrachte den Jugendlichen mit seinen Billigkopfhörern, der dir jeden Morgen im Bus mit seiner guten Laune den Tag versaut. Meinst du wirklich, du bist näher dran an deiner Mucke als er an seiner? Was euch unterscheidet, ist die Tatsache, dass du vom HiFi-Bazillus befallen bist und es dafür keinen Rückfahrschein gibt. Er hingegen hat vielleicht Glück, und das harte Schicksal eines Gerätejunkies bleibt ihm erspart.

Was kannst du also tun, um deinen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen? Überleg doch mal, wo dein Weg dich hinführen soll in unserem schönen Hobby, bevor du aufbrichst und falsche Pferde zu Tode reitest. Du fährst ja auch nicht in den Urlaub, ohne wenigstens eine ungefähre Idee zu haben, wo es hingehen soll. Also, welchen Klang suchst du? Oder dachtest du etwa, in dieser Frage herrsche Einigkeit unter den Experten?

Ich erkenne da zwei Hauptrichtungen (plus unendlich viele persönliche Variationen): Falls du die perfekt analytische Aufdröselung bis in den kleinsten klanglichen Mikrokosmos anstrebst, wirst du akzeptieren müssen, dass ein Großteil der Musik, die dir am Herzen liegt, auf deinem Weg unerträglich werden wird, weil sie zu schlecht produziert ist. Vermutlich zählen hierzu auch viele deiner Lieblingsscheiben aus der Pubertät, also das ganze Zeug, an dem du so sehr hängst. Neuanschaffungen wirst du zukünftig danach auswählen, ob sie daheim überhaupt anhörbar sind. Sieh den Tatsachen ins Auge: Eine solche HiFi-Anlage wird deine Musikauswahl beeinflussen, und je näher du deinem Ziel kommst, desto höher werden die Investitionen ausfallen. Dafür wirst du dann am Ende mit dem perfekten Klang belohnt. Falls es gut läuft.

Willst du hingegen eine Musikanlage, die den einen oder anderen Aufnahmefehler verzeiht, weil sie sich vielleicht nicht ganz so tugendhaft verhält, so wirst du auch dem audiophilen Nirwana nicht ganz so nahe kommen. Dafür werden dich aber viel mehr Tonträger auf deinem Weg begleiten. Dieser Kompromiss könnte sich durchaus lohnen.

Glaub mir, dein ganz persönliches Klangziel hast du längst im Ohr. Du musst dir vielleicht nur noch mal vergegenwärtigen, wohin die Reise gehen soll. Ist diese Frage geklärt, ist auch die Reiseroute wesentlich leichter zu finden, wenn der Upgrade-Floh das nächste Mal ins Ohr hustet.

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