HiFiMAN Edition X magnetostatischer Kopfhörer – Extrastarker Edelmann

Der neue HiFiMAN Edition X soll überlegene Wiedergabeeigenschaften mit außergewöhnlicher Anschlussfreudigkeit verbinden: Der Magnetostat lässt sich auch an schwachbrüstigen Kopfhörerausgängen betreiben.

HiFiMAN-Chefdenker Dr. Fang Bian ist ein audiophiler Überzeugungstäter. Spätestens mit dem Edel-Magnetostaten HE1000 hat seine High-End-Schmiede für Aufhorchen in der Szene gesorgt: Die Audiophilen der Welt singen einstimmig das Loblied auf den rund 3500 Euro teuren Kopfhörer. Auch FIDELITY stimmt gerne ein und erkennt an, dass der HE1000 zu den Protagonisten der Kopfhörer nach dem magnetostatischen Wandlerprinzip gehört (siehe Nr. 23, Ausgabe 1/2016).

HiFiMAN Edition X Kopfhörer

Um sein volles Wiedergabepotenzial enfalten zu können, verlangt der eher geringempfindliche HE1000 allerdings nach einem Kopfhörerverstärker mit ordentlich Power. Das jüngst vorgestellte Modell Edition X – kurz HEX – soll insoweit vielseitiger sein: Der neue Kopfhörer bietet auf der konstruktiven Basis des großen Bruders eine deutlich höhere Empfindlichkeit. So soll er ohne Einbußen auch an Mobile-Playern und sogar den allgegenwärtigen Smartphones betreibbar sein. Mit rund 2000 Euro ist er zudem deutlich günstiger zu haben. Klar, dass Bahn fahrende Blech-Hörer, denen enervierende Ohrstöpsel mehr als genug sind, bei diesem Preis abwinken und weiter weghören. Wir, die wir auch unterwegs auf bestmöglichen Klang nicht verzichten wollen und deswegen gerne einen Laptop mit gutem Mini-USB-DAC oder einen hochauflösenden Mobile-Player dabeihaben, sind dagegen umso aufmerksamer.

Vor dem Ohren- wollen wir aber das Augenmerk auf die Konstruktion des HEX richten. Die Treiber des Neuen sind an die des HE1000 angelehnt. Produktspezialist Christian Zenker vom deutschen HiFiMAN-Vertrieb Sieveking Sound erläutert: „Wie beim HE1000 kommt beim Edition X die extrem dünne Folie als Membranmaterial zum Einsatz. Die starken Neodymium-Permanentmagnete fehlen selbstverständlich auch nicht, allerdings ohne die asymmetrische Magnetanordnung des großen Bruders.“ Beim HE1000 sind außen große und innen kleine Magnete angeordnet. Das soll die Vorteile der ultradünnen Membran erst ausreizen: Der Edel-Magnetostat kann bei herausragendem Impulsverhalten besonders signaltreu aufspielen. Auch wenn die abweichende Anordnung der Magnete womöglich klangliche Auswirkungen hat – dazu später mehr – , ließ sich so ein wesentliches Entwicklungsziel verwirklichen: Die Erhöhung der Empfindlichkeit des HEX. Das vom HE1000 bekannte Belüftungssystem, „Window Shade“ genannt, fällt schon bei flüchtiger Betrachtung auf: Ein feinmaschiges Drahtgeflecht schützt die hauchdünne Membran und soll im Verbund mit den vertikalen Öffnungsschlitzen Verzerrungen und Vibrationen in den Nanobereich, sprich gen Unhörbarkeit minimieren.

Nah am Flaggschiff

Während beim 1000er das „Window Shade“ aus gebürstetem Aluminium und das verstellbare Kopfband aus Federstahl ist, findet fürs HEX-Skelett überwiegend Kunststoff Verwendung. Damit ist der HiFiMAN in guter Gesellschaft mit vergleichbar teuren Dynamikern. Jedenfalls gibt sich der Testkandidat auch unter dem Beckmesser-Blick des professionellen Nörglers keine Blöße: Der Kopfhörer wirkt rundum hochwertig und verdient in puncto Verarbeitung das Prädikat „Edel-Kopfhörer“. Der Verzicht auf Metallteile bringt, zusammen mit dem konstruktionsbedingt geringeren Magnetgewicht, einen HEX-spezifischen Vorteil: Mit etwa 400 Gramm Lebendgewicht ist der Neue etwa 20 Prozent leichter als der HE1000, was den Schädel des Kopf-Hörers spürbar entlastet. Der Tragekomfort des HEX kommt dank des feinjustierbaren Kopfbügels, des wunderbar weichen Kopfbandes sowie der Ohrpolster, die sich samtig an des Hörers Kopf anschmiegen, dem des HE1000 gleich. Gefertigt sind die Ohrpolster aus weichmacherfreiem, sehr natürlich wirkendem Kunstleder und Velours. Christian Zenker: „Sie können den Edition X stundenlang tragen und kommen doch nicht ins Schwitzen. Auch Allergiker dürfen ihn bedenkenlos aufsetzen. Das Design der Ohrpolster folgt anatomischen Prinzipien, sie passen sich der Schädelform optimal an.“ Der Produktspezialist übertreibt nicht: Im direkten Vergleich mit einem immerhin 100 Gramm leichteren AKG K702 ist der HiFiMAN in der Disziplin Tragekomfort sogar Sieger nach Punkten.

HiFiMAN Edition X Kopfhörer

An den Ohrmuscheln finden sich die Miniklinken-Anschlussbuchsen für die beiden mitgelieferten Anschlusskabel. Wie bei HiFIMAN üblich, handelt es sich um hochwertige, textilummantelte symmetrische Kabel mit Kupfer- und Silberdrahtleitungen. Für die passgenaue Verbindung mit praktisch allen Kopfhörerausgängen gibt es eine Ausführung mit 6,3-mm-Klinkenstecker von Neutrik sowie ein Kabel mit Miniklinkenstecker einschließlich steckbarem Adapter. Austauschkabel sowie sonstige Zubehörteile wie Ohrpolster bietet der deutsche Vertrieb im Rahmen der verlängerten zweijährigen Garantie – sie läuft ab Kaufdatum – jedem HiFIMAN-Käufer kostenlos an.

Klangfarbenbekenntnis im Hörtest

Im Hörtest bekennt der Edition X Klangfarbe – zuerst am Spitzen-Kopfhörerverstärker Violectric HPA V200, der wiederum nacheinander mit den Wandlern Mytek Digital Stereo192 DSD DAC und Violectric DAC V800 verbunden ist. Die Klangbibliothek kommt vom MacBook Pro, die samplegenaue Wiedergabe besorgt der Software-Player Audirvana Plus. Schon mit dem ersten Teststück, der Living-Stereo-Aufnahme des Sibelius-Violinkonzerts mit dem Jahrtausend-Violinisten Jascha Heifetz machen die Testerohren Stielaugen: Die Raumdarstellung des HEX besticht in einer Breite und Tiefe, wie sie nur Spitzenkopfhörern zu eigen ist. Dabei hat der Hörer das Gefühl, inmitten des Klangs zu sein: Die Schallereignisse scheinen um den Kopf zu schweben und nicht am Schädel zu kleben. Dieses Kunststück gelingt dem HEX ohne jede Präsenzbereichsanhebung. Ganz im Gegenteil ist der Magnetostat grundsätzlich der Signaltreue verpflichtet: So sind die Bässe bei ganz leichter Pegelerhöhung trocken, tief und sehr gut fokussiert. Wer meint, dass ein Magnetostat in der Disziplin Basswiedergabe wegen des weniger günstigen Wirkungsgrads den dynamischen Mitbewerbern unterlegen ist, muss den HEX hören. „Gut, Klassik können die Magnetostaten. Wie sieht’s mit Rock und Pop aus?“, fragt der aufmerksame Leser. Gemach, der HEX zeigt sich auch den knallharten Slap-Attacken eines T. M. Stevens auf dessen Funkrock- Meisterwerk Shocka Zooloo oder dem eigentümlich-mittigen Knackbass Chris Squires auf den – remasterten – Yes-Alben The Yes Album und Close to the Edge gewachsen.
Auch den Mitten- und Höhenbereich bringt der Kopfhörer ausgewogen und angenehm rund zu Gehör, das exzellente Impulsverhalten sorgt für eine überlegene Transienten-Wiedergabe. Ob Oscar Petersons perlende Läufe auf My Favorite Instrument oder Stevie Ray Vaughns glasklare Gitarre auf dem Instrumental „Lenny“ – der HEX bleibt Anschlags- und Hochtonimpulsen unerschütterlich auf der Spur. Im direkten Hörvergleich mit seinem großen Bruder ist ohrenfällig, dass der HE1000 noch eine Spur gnadenloser und ehrlicher, aber auch nüchterner aufspielt. Der HEX klingt etwas weicher und samtiger, je nach Musikmaterial auch gefälliger.

Für diese unbedingte Wahrheitsliebe verlangt der HE1000 aber nach einem hochwertigen Power-Kopfhörerverstärker, der HEX ist in dieser Disziplin tatsächlich sehr viel genügsamer. Wie versprochen überzeugt er sogar am schwachbrüstigen Unterwegs-Spieler. Gleichwohl verdient der Edelmann Spielpartner auf Ohrenhöhe: Zum mobilen Musikgenuss sollte deswegen schon ein Top-Player oder ein gutes USB-Interface Verwendung finden. Schließlich ist dieser Kopfhörer nicht für Sound-Diätisten, sondern für Klanggourmets geschaffen worden.

HiFiMAN Edition X Kopfhörer Navigator

 

Kopfhörer
HiFiMAN Edition X

Funktionsprinzip: magnetostatischer Kopfhörer in offener, ohrumschließender Bauweise
Nennimpedanz: 25 Ω
Empfindlichkeit: 103 dB
Ausführung: Kunststoff, Aluminium, Federstahl, Kunstleder/Velours; Anschlusskabel und Ohrpolster austauschbar
Besonderheiten: 2 Anschlusskabel im Lieferumfang (symmetrisch, 6,3/3,5-mm-Klinke mit Adapter, vergoldete Stecker)
Gewicht: 399 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 2000 €

 

www.sieveking-sound.de

www.hifiman.com

 

Mitspieler
Rechner: Apple MacBook Pro
Player-Software: Audirvana Plus
DACs/Audio-Interfaces: Violectric DAC V800, Mytek Digital Stereo192-DSD DAC, Apogee Duet 2
Kopfhörerverstärker: Violectric HPA V200
Kabel: Vovox Sonorus

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