Jazzidelity: Triosence – Turning Points

Triosence – Turning Points

Triosence – Turning Points
CD/ Sony

Klavier, Bass, Schlagzeug: die klassische Rhythm Section des Jazz. Vor langer Zeit schon hat sich diese Konstellation als eigenständiges Bandformat emanzipiert und ist zu einer Standard-Besetzung des modernen Jazz geworden. Tastenwirbler wie Oscar Peterson oder McCoy Tyner benutzten das Pianotrio als Show-Vehikel ihrer technischen Kompetenz. Groove-Spezialisten wie Gene Harris oder Ramsey Lewis machten das Format zum populistischen Club-Reißer. Dann entließ ein Bill Evans Bass und Schlagzeug aus ihren rein dienenden Funktionen, ein Keith Jarrett erfand dem Pianotrio manchen neuen Tonfall. Diese beiden – Evans und Jarrett – werden fast immer genannt, wenn man junge Klaviertrios nach ihren Helden fragt. Sie waren die Befreier, die Revolutionäre der Form- und Format-Ästhetik. Dank ihrer sind Klaviertrios heute mehr als nur Jazzbands. Klaviertrios kennen Grooves und Konzepte, die viel mit Rock, Klassik, Hip-Hop, Elektronik oder Dance zu tun haben. Die neue Klaviertrio-Szene boomt ungebremst.

Schon zu den Veteranen des anhaltenden Booms gehören Triosence. Der Sieg beim Bundeswettbewerb „Jugend jazzt“ 2001 war nur die erste in einer ganzen Reihe von hochkarätigen Auszeichnungen. Und die werden auch nach dem fünften Album nicht abreißen, denn Turning Points markiert keinen Wendepunkt, sondern eine neue Reifestufe. Selten wurden die Errungenschaften des modernen Klaviertrios kompakter, klarer, kraftvoller präsentiert. Das Evans’sche Ineinander. Der Jarrett’sche Tonfall. Der Jamal’sche Atem. Der Svensson’sche Drive.

 

Die Grooves von Triosence lassen Raum und entwickeln ihn zum hypnotischen Sog. Es gibt Swing, es gibt Ballade, es gibt Backbeat und Funkiness („Go For It“), es gibt Rhythmen, in denen die elektronische und die Popmusik nachhallen. Und es gibt immer wieder diese fein austarierte Dramaturgie: große Spannungsmomente, ekstatische Höhepunkte. Seltsamerweise kann dieses Album genauso fesseln, wie es im Hintergrund ablaufen kann. Es lässt sich laut und leise hören, als Kunstwerk oder Klangbild, zum Aufputschen oder zum Runterkommen. Das Komplizierte daran wirkt ungekünstelt, hinter dem Leichtfüßigen aber steckt oft Komplexität. Bernhard Schüler, Pianist und Komponist von Triosence, verrät: „Meine Stücke und vor allem die Melodien entstehen immer intuitiv und sind nie konstruiert. Aber bei den Arrangements macht man sich viele Gedanken. Man muss Ideen und musikalische Raffinessen so verpacken, dass es natürlich klingt.“ Passend für alle Lebenslagen.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 8 (4/2013)

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