Onda Ligera Reflector 218Q – Pov protection botjan! (klingonisch: „Schutzschilde aktiv!“)

„Klingonen-HiFi“ heißt es bisweilen über Komponenten aus der ehemaligen UdSSR, aber nur selten trifft das den Nagel so auf den Kopf wie bei der Reflector 218Q aus Lettland.

Computerlogbuch der USS „Juveniler Unfug“, Sternschnuppenzeit später Nachmittag, Quadrant südwestlichster Zipfel der Republik. Das Intercom vibriert. Der Erste Offizier des Kreuzers USS „FIDELITY“ meldet sich per Konferenzschaltung. Ein bisher nicht einzuordnendes unbekanntes Beschallungsobjekt wurde an Bord der Redaktion gesichtet. So sperrig, dass es nicht in den Transporterraum passt, und so wertvoll, dass ein Versand per interstellarer Spedition zu risikoreich wäre. Keiner der verweichlichten Bürokraten an Bord des Redaktionskreuzers traut sich in die Nähe der ungewöhnlichen Wandlerform. „Keine Panik!“, melde ich. „Ich hol’ nur noch eben mein Handtuch.“ Da Beamen flachfällt, reise ich in einer Fluchtkapsel mit Verbrennungsmotor und Warp nullkommanullzwei durch den Pferdekopfnebel Höhe Stuttgart Richtung Mutterschiff USS „FIDELITY“. Bereit zum ersten Kontakt mit einer Schallwandlerspezies, die nach erster Ferndiagnose so gar nicht lebensfähig ist. Wenige Äonen später, an Bord der USS „FIDELITY“, bin ich nach einem koffeinhaltigen Heißgetränk aus einem wahrscheinlich defekten Replikator bereit, mich meiner Mission mit ungewissem Ausgang zu stellen.
Mit der nötigen Portion Respekt wage ich mich aufs stereofone Holodeck und hüpfe direkt schutzsuchend hinter das Kommandosofa. Hab ich versehentlich die Tür zu einer Parallelgalaxie aufgestoßen? An den Seitenwänden des virtuellen Hörraums stehen zwei Ungetüme, optisch irgendwo zwischen klingonischem Seismointruder, Weltraumradioskop und Micky Maus. Was soll das sein? Was tut es? Wie funktioniert es? Lohnt sich Widerstand?


Vier monströse Tieftöner sitzen, rückwärts feuernd, um ein saugrüsselartiges Gebilde, das wiederum auf einem jeden Sternenkrieg überdauernden Dreibein montiert ist. Dann wäre da noch eine ominöse Blackbox, die hochkant zwischen den Beinen der Konstruktion steht. Sieht absolut überhaupt nicht nach Lautsprecher-„Box“ aus, eine solche würde ihre Existenz ja über das unverzichtbare Gehäuse definieren. Doch als „Schallwandler“ ist das Konstrukt vom Planeten Riga definitiv zu erkennen. Allein schon die Fläche der Basschassis lässt Tiefbassfetischisten in Vorfreude erzittern.
Das bedeutet aber natürlich auch: Pustekuchen mit einem Text voll opulenter Ausschweifungen zu den Themen Holzmaserung, Klavierlack und Gehäusekonstruktion. Wo nichts ist, gibt es auch nichts zu beschreiben. Ich betrete soeben Neuland, da wird es genug zu erforschen geben. Wären optische Eindrücke ein Kriterium, ich wäre schon geflüchtet. Das, was hier vor mir steht, wurde von einem Geist erschaffen, dessen technische und ästhetische Reife der meinen um Lichtjahre voraus ist. Die reine Materialisierung nackter Logik. Faszinierend! Vorsichtig wird die Reflector unter meine Scanner genommen. Die Membranfläche im Kopf auszurechnen überfordert mich gerade, in etwa entspricht sie der Wohnfläche eines Einzimmerappartements in Tokio. „Zu viel!!!“, kreischen die überforderten Synapsen. Eine Konstruktion mit vier 18-Zoll-Tieftönern plus Horn plus 800 Watt – das könnte das Mutterschiff in Schutt und Asche legen! Ab hier gilt das Kommando: Frauen, Kinder und audiophile Warmduscher zuerst in die Rettungskapseln! Ich glaub, meine Ohren werden immer spitzer vor Freude. Schutzschilde aktivieren und: Energie!
Von null auf Warp 3 mit dem ersten Beat von „Maggots at the Party“ (Combichrist: CD We Love You). Der Schub drückt einen tief in die Polster des Kommandosofas. Clubsound vom Feinsten! Und so unterkühlt wie der Weltraum. Brachiale elektronische Körpermusik wird hier synergetisch verstärkt, bis das Hirn einfriert. Doch kann man mit den Dingern auch Musik hören?
Schwarz, warm, ein Augenzwinkern, das sind die ersten Dinge, die mir bei Johnny Cash durch den Kopf gehen. Also von der Farbe abgesehen das krasse Gegenteil zu den klingonischen Reflectoren. Noch stehen die überirdischen Raumluftkompressoren an genau der Stelle, an der sie sich vor Tagen materialisierten. Der Man in Black schrumpft bei „Hurt“ zu Lord Helmchen. Dünn, blechern und hohl. Unsere Neuentdeckung lässt erhofftes Potenzial vermissen. Furchtlos werfe ich mich in den physischen Nahkampf. Es dauert, bis sich die Biester langsam Manieren aneignen. Absorber fliegen durch den Raum und landen im Flur. Die Onda Ligera weicht immer mehr von den Raumseiten in die Ecke. Na warte, jetzt hab ich dich, wir werden gleich innige Freunde, Freundchen! Bei einem halben Meter zu beiden Seiten bekommt das Verhalten der Dreibeiner einen ersten Hauch von zivilisiertem Benehmen. Ohne Absorber hinter sich, direkt auf die Wand strahlend. Noch mal „Hurt“, schon deutlich mehr Cash fürs Geld. Größenverhältnisse, das Volumen des Gitarrenkörpers, Saitenanschlag, alles sehr genial, aber knapp vorbei. Da fehlt noch das Augenzwinkern des Altmeisters in der Stimme. Besserung bringt die Überprüfung der Netzphasen aller Beteiligten. Bingo, da hat jemand geschludert beim ersten Kontaktversuch … Langsam passt’s für meine Ohren. Livehaftiger wird die Wiedergabe manipulierter Musikkonserven kaum gelingen. Aber noch immer klingt es ein wenig frostig. Zuerst habe ich versucht, die Außerirdischen mit den dicksten Strippen zu zähmen, die auf Lager waren. Sie werden einem sich zufälligerweise im Raum materialisierenden Vovox-Komplettsatz geopfert. Whoop, schon erscheint ein virtueller Kamin und verbreitet die lange vermisste Wärme. Steward, einen Blutwein für meine klingonischen Freunde und mir einen torfigen Single Malt, bitte! Langsam trauen sich die ersten Kollegen aufs Holodeck. Ich glaube Anerkennung in den Augen zu sehen angesichts meiner inzwischen hoffnungsvollen Mission.
Für den Nachmittag wird das Eintreffen eines Gesandten des Stammes der Onda Ligera, der Reiter einer „fließenden Welle“ (so ungefähr lässt sich der Name aus dem Spanischen übersetzen), in erleuchtender Mission angekündigt. Botschafter Uwe Heile befasst sich heute ebenfalls das erste Mal außerhalb klinischer Messebedingungen mit der neuen Spezies, doch verfügt er über das nötige Fachwissen meine neuen Freunde betreffend. Und lässt mich und meinen Forscherstolz erst mal doof aus der Uniform gucken. Die Dinger sind eigentlich recht zahm, erklärt er, wenn man die richtigen Knöpfe drückt. Dank integriertem DSP kann man den Frequenzgang mittels vier Presets dem privaten Empfinden gerecht verbiegen. Eine sinnvolle Option, da der Übernahmebereich zwischen Bass und Horn bei 600 Hertz für einen sauberen Mittenbereich gefährlich hoch liegt. Andererseits müssen die gewaltigen Tieftöner den Grundton mitgestalten; hier ein wenig regeln zu können, mag der Schlüssel zur Anpassung an den Raum sein. Einstimmiges Urteil aller Beteiligten: Unsere Nummer eins ist die erste, linearste Filtercharakteristik. Die anderen drei Presets klingen unterschwellig kühl mit je nach Stellung immer dünner werdendem Johnny Cash. Was sich, je nach Entfernung zu den Wänden, aber wieder variabel auswirkt. Forschen Sie ruhig – die Galaxie der Reflector 218Q bietet unendliche Weiten zum Entdecken.
Sollte jetzt jemand auf die Idee kommen, sich diese Schallwandler gönnen zu wollen, nur zu! Der glückliche Eigentümer kann sich das Ganze auf die eigene Hütte einmessen lassen. Ein Service, der zwar mit 900 Euro reinhaut, doch in Relation zum Gesamtvolumen der Investition verschmerzbar ist. Wer könnte mit dem Wissen existieren, nicht das ultimativ Machbare in seinem eigenen Kosmos zu erkunden? Die Onda Ligera reagieren dermaßen sensibel auf die Qualitäten der vorgeschalteten Geräte, dass jeder Cent, der in würdige Mitspieler investiert wurde, einen überproportionalen Klanggewinn bedeutet. So richtig synergetisch erweist sich die Paarung aus Valvet-Soulshine-Vorstufe und Reflector 218Q. Mit der uns bestens vertrauten und heißgeliebten Röhrenvorstufe rastet das Klangbild satt ein. So kommt man zu einem Ergebnis, das mehr bietet, als die beteiligten Geräte einzeln erwarten lassen. Vergessen Sie Experimente mit vorgeschalteten Transistoren, gönnen Sie den lettischen Ausnahmewandlern einen Satz glühender Drähte als Initialverstärkung und schmelzen Sie glücklich in Ihrem Kommandosessel dahin. So weit meine bescheidene Meinung.


Doch welche grundsätzliche Idee steckt hinter dieser Entwicklung? Nun, offenbar war Oleg Solovjev von dem Gedanken besessen, ein funktionales System zu entwickeln, das ohne Einbußen ermöglicht, Räume zwischen 15 und 200 Quadratmetern mit vergleichbar audiophilem Ergebnis zu beschallen. Ein hehres Ziel, das nur mit professionellem Material und viel rationeller Logik realisierbar war. Am Material soll es nicht scheitern: Die Treiber kommen alle vom PA-Profi Faital und sind demnach ausgelegt für höchste elektrische Misshandlung. Logisch, dass das Ganze bei Volldampf nach Stabilität verlangt. Doch bevor einer der Wandler zusammenklappt, gibt eher der Boden nach … Bei der gesamten Fertigung der Reflector 128Q wurden sichtbar Maßstäbe aus dem U-Boot-Bau angelegt – es ist kaum vorstellbar, dass diese Konstruktion irgendwann einen mechanischen Defekt erleidet. Der insgesamt martialische Auftritt wird durch smarte Details entschärft: Alle Kabel sind passend schwarz umhüllt, laufen unter kleinen Brücken hindurch, wo sie keinerlei Reibung ausgesetzt sind, und enden in superben Mundorf-Klemmen an den Endstufen. Einmal zu fest gedreht, und man macht dicke Backen, wenn man Endstufe und Schallwandler wieder trennen will. Etwas kontaktscheu sind die Fremden dann beim Stromanschluss der einen Class-D-Verstärker und den DSP beherbergenden Blackbox. Kann jemand mit einem exquisiten Netzkabel in Neutrik-Speakon-Konfektionierung aushelfen? Nein? Somit erübrigen sich weitere Kabelexperimente.
Inzwischen hat sich fast die gesamte Mannschaft auf dem Holodeck eingefunden, und es gibt erste Sympathiebekundungen für die fremdartigen Besucher. Endgültig assimiliert wurde ich von der Darbietung des Unplugged-Albums der Fantastischen Vier. Mein Lieblingsstück auf dem Silberling ist „Krieger“. Es beginnt mit dem Anblasen einer Subkontrabassflöte, und hier das Ausklingen des Tons lange genug zu vermitteln, ihn im Raum schweben zu lassen – über den lettischen Schallwandler ist das ganz großes Kino. Die Reflector fächert sämtliche Postionen im Orchester als perfekte dreidimensionale Illusion auf. Das Klatschen des Auditoriums legt sich flächig vor die virtuelle Bühne.
Meine Mission ist hiermit erfüllt: Die unbekannte Schallwandlerspezies wurde domestiziert, und abgesehen von ein paar Akustik-Absorbern blieben alle an Bord des Mutterschiffes unverletzt. Was bleibt, ist die Gewissheit, ein einzigartiges Konzept erlebt zu haben, dessen dynamische Fähigkeiten überirdisch anmuten. Endlich mal ein Schallwandler, den man mit nichts vergleichen kann. Der Einzige seiner Art. Und dank seines Elektronengehirns lässt er sich in ziemlich jedem Umfeld sozialisieren. Faszinierend!

Akustischer Kurzschluss

Onda Ligera Reflector 218QElektrodynamische Lautsprecherchassis sind grundsätzlich Dipole mit der Abstrahlcharakteristik einer achtförmigen Doppelniere. Sie transformieren elektrische in mechanische Energie, indem sie durch Druck Schallwellen in die Umgebungsluft induzieren, weshalb man auch von Schallwandlern spricht. Luft bildet dabei einen von der Raumgröße abhängigen und im Sinne der Akustikwandlung unabdingbaren Widerstand – einer der wichtigsten Faktoren bei der Lautsprecherwahl. In luftleeren Räumen gibt es keine Musik.

Aber Luft hat auch einen gewichtigen Nachteil: Sie strebt nach Entropie, nach Ausgleich, strömt immer dorthin, wo Mangel herrscht. Platziert man ein Chassis frei im Raum, strahlt es Schallenergie phasenversetzt in entgegengesetzte Richtungen. Während im Zuge eines Impulses vor dem Chassis Überdruck entsteht, bildet sich dahinter um 180 Grad invertiert Unterdruck. Bedingt durch die Ausgleichsbestrebung der Luft entsteht ein akustischer Kurzschluss mit der Folge, dass gewisse Frequenzbereiche ausgelöscht werden. Betroffen sind insbesondere langwellige tiefe Frequenzen. Diesen akustischen Kurzschluss zu verhindern gehört zu den geringsten Problemen im Lautsprecherbau: Platziert man nämlich das Chassis in einem geschlossenen Gehäuse, tritt der Direktschall nicht mehr in Interferenzen mit dem rückwärtig abgestrahlten Schall und behält seine Energie bis zur ersten Reflexion an den Grenzen des Raumes. Aber Lautsprechergehäuse besitzen immer auch einen Eigenklang, den sie zur Wiedergabe addieren; deshalb gelten offene Schallwände vielen Musikliebhabern als unverfälschendes Ideal.

Angenommen, ein einzelnes Chassis sitzt mittig in einer offenen Schallwand, müsste sie in jede Richtung mindestens ein Viertel der Länge der tiefsten wiederzugebenden Frequenz aufweisen, um den akustischen Kurzschluss zu vermeiden. Für eine untere Grenzfrequenz von 100 Hz müsste die Schallwand schon eine Fläche von 2,5 qm haben, bei 50 Hz bereits 9 qm. Zu viel für die meisten Wohnräume. Durch geschickte außermittige Positionierung des Chassis auf der Schallwand kann man allerdings trotz der Verluste aus dem akustischen Kurzschluss einen recht ausgewogenen Frequenzgang erreichen, sofern dies das Entwicklungsziel ist.

Hier versucht die Reflector 218Q in Ermangelung einer konkreten Schallwand die Quadratur des Kreises. Ihre vier Tieftöner addieren sich elektroakustisch zu einem einzigen gigantischen Treiber, der seine eigene Schallwand simuliert. Ein Open-Baffle-System, das prinzipiell keines ist, weil es ohne Schallwand auskommt bzw. weit über das einfache Prinzip „Treiber plus Brett gleich Lautsprecher“ hinausgeht. Voraussetzung für das Funktionieren der extravaganten Reflector 218Q ist neben der Güte ihrer Chassis die präzise Berechnung ihres Durchmessers, der letztlich über die Membranfläche die Größe der Schallwand definiert; letzte Welligkeiten im Frequenzgang bügelt das integrierte DSP aus und eventuell fehlender Schalldruck wird durch brachiale Leistung kompensiert.

Onda Ligera Reflector 218Q Navigator

Aktivlautsprecher Onda Ligera Reflector 218Q
Funktionsprinzip: Aktivlautsprecher mit vier 18-Zoll-Tieftönern und einem Mittelhochtonhorn
Leistung: 2 x 700 W Tiefton, 2 x 100 W Hochton
Frequenzumfang: 20 Hz–20 kHz
Eingang analog: symmetrisch (XLR)
Eingang digital: AES/EBU (XLR)
Ausgänge analog: 2 x Lautsprecher
Ausgang digital: AES/EBU (XLR)
Besonderheiten: offene Schallwand, DSP mit vier Presets, Class-D-Endverstärker, Fernbedienung, Firmwareupdates über USB
Ausführung: Schwarz
Maße (B/H/T): 85/85/35 cm
Gewicht: 55 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: 15 000 €

 

Audio Offensive HiFi-Vertrieb, Münchner Straße 5, 14612 Falkensee, Telefon 03322 2131655

 

www.berlin-hifi.de

 

Mitspieler
CD-Player: T+A PDP 3000 HV
Vorverstärker: Valvet Soulshine
Kabel: Vovox, Audioquest, Burmester, HMS
Zubehör: T+A Powerbar 2 + 3, Steinmusic Harmonizer System, Subbase Shambala TSS

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.