Valvet Soulshine / A4 – Bass erstaunt!

Valvet rückt mit den Monoblöcken A4 die Dinge ins richtige Maß: Dank Class-A-Betriebsart genügen 55 Watt Leistung, um ein Klangfeuerwerk abzubrennen.

Was ich an unserem Chefredakteur Cai Brockmann besonders schätze, ist sein unverbrüchlicher Optimismus. Als er mir am Telefon das baldige Eintreffen der Valvet-A4-Monoblöcke ankündigte, fragte ich vorsichtig zurück, wie schwer die Pakete denn so seien – der Paketdienst kommt bei mir nämlich grundsätzlich immer dann, wenn ich nicht daheim bin. Und falls ich zufällig doch einmal zu Hause sein sollte, wird dieser Umstand geflissentlich ignoriert und eine gelbe Postkarte segelt in meinen Briefkasten („Heute jedoch nicht!“), woraufhin ich leise fluchend nach einer eintägigen Zwangssynkope zum Postamt gehe und laut fluchend schwere Pakete heimwuppen muss. Eine Schulterverletzung verbietet mir derzeit allerdings das Heben schwerer Gegenstände, doch Cai frohlockt: „Kein Problem – die kannst du locker tragen.“
Eine Woche später ächze ich übellaunig mit zwei fetten, obszön schweren Paketen vom Postamt nach Hause. Eines beherbergt die beiden Monoblöcke, ein weiteres die Soulshine-Röhrenvorstufe. Ach, manchmal möchte ich meinen Job verfluchen! (Anm. d. Red.: Ach, Jammern auf höchstem Niveau!)

Einen weiteren Tag später schäme ich mich für meinen Groll. Ich bin selig. Mehr als das. Doch dazu kommen wir gleich, folgen Sie mir zunächst auf einem Rundgang um die Geräte (falls Sie sich wundern, warum die Geräte auf unseren Fotos nicht so aussehen wie auf der Valvet’schen Internetseite: Knut Cornils hat uns Sondereditionen mit Carbonteilen zur Verfügung gestellt – technisch sind diese jedoch identisch mit den Standardausführungen): 55 Watt an 8 Ohm leistet ein A4-Block, und zwar vollständig in Class-A. Look und Anfassqualität sind superb: solide, sauber verarbeitete Gehäuse aus pulverbeschichtetem Aluminium mit zwölf Millimeter starker Frontplatte, schwarz eloxierte Kühlkörper, alles leicht abgerundet – und die Frontplatte ziert lediglich eine hintergrundbeleuchtete, V-förmige Aussparung. Der Netzschalter befindet sich an der Unterseite. Rücklings finden wir einen Neutrik-XLR-Anschluss und einen WBT-Cincheingang sowie ausgangsseitig Bi-Wiring-Terminals, ebenfalls von WBT. Die Vorstufe namens Soulshine kommt mit separatem Netzteil und wirkt ebenfalls puristisch: Frontseitig gibt es lediglich einen mechanischen Eingangswahlschalter für die fünf Eingänge sowie einen Lautstärkesteller, der es gestattet, über ein Widerstandsnetzwerk 48 Pegelstufen abzurufen.

In einem netten telefonischen Schnack mit Firmeneigner Knut Cornils – die Komponenten werden übrigens vor Ort im schleswig-holsteinischen Bargteheide gefertigt – nähere ich mich seinem Verständnis von HiFi: „Mir geht es primär darum, dass der Kunde von der Musik mitgenommen wird. Ich stimme die Geräte zu 90 Prozent mit den Ohren ab – ob eine Endstufe 0,1 oder 0,2 Prozent Klirrfaktor hat, ist mir ehrlich gesagt egal.“ Cornils schätzt Röhren und Halbleiter gleichermaßen, vertritt jedoch die Auffassung, dass Erstere sich in Vorstufen besser machen, während Letztere in Endstufen von Vorteil seien. Da Röhren im Endstufenbetrieb wesentlich mehr aushalten müssen, von begrenzter Lebensdauer sind (schließlich findet bei Röhren generell ein physischer „Materialtransport“ statt – je mehr sie leistungsmäßig gefordert werden, desto größer der Verschleiß) und Cornils auf Servicefreundlichkeit Wert legt, lässt er in Endstufen daher lieber Transistoren werkeln. Außerdem lieferten diese im Vergleich zu Röhren letztlich auch mehr Bassqualität und -quantität. Um selbiges mit Röhren zu erreichen, sei der Einsatz sündhaft teurer Übertrager vonnöten.

Ein Geizhals ist Cornils jedoch nicht: Bei der A4 wird offensichtlich eher geklotzt als gekleckert. Den Monoblöcken wurde je ein monströser Ringkerntrafo mit 300 Watt und Kondensatorbänke mit je 176 000 Mikrofarad spendiert – selbstredend von Mundorf und mit einer Temperaturfestigkeit bis 125 Grad C. Da sollte so schnell also nichts anbrennen. Bei der Innenverkabelung setzt Cornils auf Reinsilber – und sogar die mitgelieferten Netzkabel sind von amtlicher Qualität. Im Handel dürften sie dem Wert eines Mittelklasse-CD-Spielers entsprechen. Puh, das alles weckt hohe Erwartungen!

Der Rezensent sitzt im Fauteuil, im CD-Spieler liegt das hervorragend produzierte Album An Awesome Wave der Band alt-J, er wählt Track drei („Tressellate“), drückt auf der Fernbedienung die Play-Taste und zuckt sogleich zusammen: Alle Wetter und Potzblitz – der Raum wird mit Klang von ungeheurer Wucht, Kraft, Tiefe und Präzision geflutet. Nun ist meine Abacus-Ampollo-Endstufe sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber was die Valvet-Blöcke raushauen, ist nicht nur amtlich, sondern – Kleriker mögen mir verzeihen – hochamtlich. Die mit Wucht geschlagenen einleitenden Klavierakkorde erscheinen nahezu begehbar, die präzise gespielten Drums knallen wie Peitschenschläge ins Wohnzimmer, der Bass ist abgrundtief, schwarz, knochentrocken. Auffällig ist auch die absolute Stabilität und Großzügigkeit der stereofonen Bühnenabbildung. Der Gesang scheint in der Mitte festgenagelt und manifestiert sich dort richtiggehend körperlich. Besonderen Spaß macht mir jedoch die Bass Drum, denn im Studio wurde diese auf raffinierte Art und Weise gedoppelt. Neben dem mittig platzierten Original hören wir auf dem linken Kanal noch einen „Zwilling“, der merklich verzerrt und mit einem brutalen Hochpassfilter versehen wurde – was zu einem präzisen, kurzen, zischelnden Knistern führt. Bass und Gitarre teilen sich die Lage und tänzeln zu jeder Zeit bestens voneinander unterscheidbar umeinander herum. Und wie so oft bei alt-J wird im Refrain die Instrumentierung bewusst ausgedünnt, dafür die Atmosphäre umso dichter. Die Hallfahnen des Schlagzeugs, aber auch analoge, weite Synthesizerflächen dominieren das Klangbild. Jedes Fitzelchen ist hörbar, jede ultraschnelle Attacke, jedes Ausschwingen. Ja – ich habe selten eine so aufgeräumte, klare, dabei aber packende und spannende Darbietung gehört.

Im Verlauf der weiteren Hörsessions manifestieren sich neben einer sauberen tonalen Durchzeichnung durch alle Frequenzbereiche zwei herausragende Talente der Valvet-Monoblöcke deutlich: Bassqualität und Raumdarstellung. Gut zu hören ist dies bei Steely Dans Titel „Haitian Divorce“. Fagen und Becker legen hier einen waschechten Reggae auf – was für mich bisher hauptsächlich über die Offbeat-Gitarrenlicks „ohrenfällig“ wurde. Über die Valvets hingegen zeigt sich nun mehr als deutlich, dass auch der Bass entscheidend mitmischt – mit punktierten, singenden, die Gitarre rhythmisch kontrastierenden Melodielinien. Hier wird auf scheinbar subsonischer Ebene gewissermaßen eine Parallelwelt zu der Gesangslinie eröffnet. Beides – und das ist wichtig – findet jedoch balanciert statt: Der Bass ist realistisch laut und keinesfalls überbetont, aber er wirkt definierter und damit durchsetzungskräftiger als über so manch andere Amps, denen ich bisher lauschen durfte. Ebenso verhält es sich auch mit den Backing Vocals im Refrain: Die dort zu hörenden Frauenstimmen erscheinen als echtes, räumlich gut eingrenzbares Ensemble jenseits der sichtbaren Lautsprechergrundlinie – anstatt einfach im Hintergrund ein wenig mitzunuscheln.

Doch nicht nur mit ihren audiophilen Qualitäten vermitteln die Valvets ihrem Käufer das ausgesprochen beruhigende Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Sie erscheinen nicht nur solide und unverwüstlich, sondern auch – wie man das im angelsächsischen Sprachraum gerne sagt – „over-engineered“, denn die Leistungsreserven sind enorm. Selbst bei sehr lauten Abhörpegeln wirkt das Klangbild nicht komprimiert oder körnig, vielmehr bleibt es auch dann bemerkenswert klar und definiert. Wenn man die Monos ausmacht, schalten sie übrigens nicht sofort stumm, sondern orgeln noch ein kleines Weilchen fröhlich weiter.

Was bleibt unterm Strich? Die Valvet-Monoblöcke machen Spaß, richtig viel Spaß sogar. Sie sind aber keine Blender, sondern präzise arbeitende, mustergültig verarbeitete Kleinkraftwerke. Dabei zeigen sie sich in höchstem Maße flexibel und permeabel: In der Paarung mit einer etwas analytischeren Vorstufe, z. B. einer Funk LAP-2, können sie noch etwas griffiger und kompakter sowie glänzender im Hochtonbereich aufspielen – mir bereitet jedoch gerade das Double mit der ergänzend mitgelieferten Valvet-Vorstufe enormes Vergnügen, da sie ein Quäntchen mehr Farbenpracht in den Mitten, insbesondere beim Gesang, liefert. Nicht zuletzt geben die A4 ihrem Käufer das schöne Gefühl der Investitionssicherheit. Mit großem Bedauern – ich hätte sie gern behalten – packe ich die Geräte nun wieder ein und rufe Cai Brockmann an, damit er eine UPS-Abholung organisiert. Ätsch!

Valvet Navigator

 

Valvet Soulshine
Funktionsprinzip: Röhrenvorstufe
Eingänge: 5 x Line (4 x Cinch, 1 x XLR)
Ausgänge: 2 geregelte (Cinch/XLR) und 1 konfigurierbarer (Cinch)
Röhrenbestückung: 2 x ECC802S, 2 x ECC99
Verstärkungsfaktor: 8-fach (ca. 18 dB)
Ausführung: Aluminium schwarz oder silber eloxiert (Sonderausführung mit Carbonteilen z. B. 4100 €)
Besonderheiten: Fernbedienung, externes Netzteil SPS
Maße (B/H/T): 44/50/30 cm
Gewicht: 8 kg
Garantiezeit: 3 Jahre
Preis: ab 3500 €

 

Valvet A4
Funktionsprinzip: Class-A-Monoblöcke
Leistung (8 Ω/4 Ω): 55 W/90 W
Eingänge: XLR und Cinch
Ausgänge: Bi-Wiring-WBT-Schraubklemmen
Ausführung: Aluminium schwarz oder silbern eloxiert (Sonderausführung verchromt oder mit Carbon z. B. 5000 €/Paar)
Maße (B/H/T): 23/11/31 cm
Gewicht: 10 kg
Garantiezeit: 3 Jahre
Paarpreis: ab 4750 €

 

Valvet
Fliederbogen 8a
22941 Bargteheide
Telefon 04532 267651

www.valvet.de

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