Magico M3 – It’s A Kind Of Magic(o)

Um einmal mit Queen-Sänger Freddy Mercury zu sprechen: Es gibt sie tatsächlich, die magischen Orte.

Zugegeben, nicht sehr viele, aber einer dieser unwiderstehlichen Orte ist MySound in Starnberg – ein Multibrand-Flagship-Store der besonderen Art.

Am 18. und 19. November 2016 stand hier alles unter dem Motto Magico. Wolfgang Linhard hatte insgesamt vier komplette Magico-Setups aufgebaut. Die Bandbreite reichte von der S1 MkII über die S3 bis zur S5 MkII – und als Krönung war auch die brandneue M3 zu erleben. Angetrieben wurden die Anlagen standesgemäß. Allerfeinste Elektronik von Devialet, EMM und Pass Labs stand bereit; im Falle der Magico M3 nahmen Spectrals DA30 und die 300er Endstufe per extremer MIT-Verkabelung den Kontakt auf.

Der Chef

Als Special Guest und eigens für dieses Event war Alon Wolf aus Kalifornien angereist. Der Magico-Chef persönlich stand Rede und Antwort zu seinen Produkten, insbesondere natürlich zur brandneuen M3. Uns interessierte aber auch die Geschichte „drumherum“, wie alles begann und zu dem wurde, was heute Magico ist.
Alon Wolf war und ist getrieben vom Streben nach Perfektion – seit 40 Jahren! Solange liegen die Wurzeln zu seiner Firma Magico mittlerweile schon zurück. Damals begann der kleine Alon im zarten Alter von 14 Jahren mit dem „Lautsprecherbasteln“ – und genau ab diesem Zeitpunkt war er auch schon „verloren“, wie er sich ausdrückt. Bis alles dann schlussendlich in der Firma Magico mündete, galt es zunächst noch einige Umwege zu meistern. So führte Alon Wolfs Berufsweg über lange Strecken aber erst einmal in eine ganz andere Richtung, „Mechanical Design“ und „3D Animated Arts“ dürfen hier als wichtige Stationen nicht fehlen. Er hat dabei an der Entstehung von „Jurassic Park“, „Ants“ und einiger anderer bekannter Filme mitgewirkt.

Der Mentor

Nebenher ließ ihn aber das Thema Schallwandlung nie los – und natürlich auch nicht die Frage: „Wie sieht der perfekte Lautsprecher aus?“ Zahlreiche Prototypen entstanden, vor dem gigantischen Modell Ultima beispielsweise die M6 in verschiedenen Inkarnationsstufen. In jener Zeit wurde ein gewisser Jeff Rowland auf Alon Wolf aufmerksam, was kurz darauf zu nicht weniger als drei Lautsprecherpaaren führte, die Alon Wolf speziell für Jeff Rowland baute.
Der eigentliche kommerzielle Auftakt jedoch sollte in Hongkong erfolgen. In seinen Absichten durch das positive Urteil von Jeff Rowland bestärkt und gefördert, schlug dieser nun auch vor, eine Verbindung zwischen dem Importeur von Jeff-Rowland-Produkten in Hongkong und Wolfs Lautsprechern herzustellen. Daraus entstand eine klare Aufgabe für Wolf: „Wir hier in Hongkong haben Geld, aber keinen Platz. Baue mir den besten kleinen Lautsprecher, den es gibt. Geld spielt keine Rolle.“

Magico bei MySound in Starnberg 2016

Der Durchbruch

Nun, ganz so ungezügelt entpuppte sich der Auftrag am Ende dann doch nicht. Nach rund einjähriger Entwicklungszeit hatte Wolf die Magico Mini fertig und präsentierte sie dem Importeur, der wiederum sofort von deren Performance ganz hin und weg war. Dann kam der Preis zur Sprache – und die partnerschaftliche Zusammenarbeit erst einmal zum Erliegen. Nein, diese Summe entsprach nun doch nicht ganz den Vorstellungen des Importeurs. Beinahe wäre die Magico-Geschichte an dieser Stelle zu Ende gewesen. Und wieder war es Jeff Rowland, der ihn ermuntern konnte: “Ach, was soll’s, ist doch egal. In Kürze startet die CES. Du hast einen fantastischen Lautsprecher geschaffen. Geh dorthin, miete Dir ein Zimmer, stell’ den Lautsprecher rein und rede mit den Leuten.“. Der Rest ist High-End-Geschichte. Heute, gut zwölf Jahre später, zählt Magico zu den renommiertesten Herstellern von Lautsprechern weltweit.

Das Extrem

Alon Wolf war und ist stets bereit, bei Magico immer wieder technische und technologische Grenzen auszuloten und zu verschieben. Dazu gehört zweifellos auch ein frühes Werk von Magico: Die Ultimate ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein ultimatives Statement in Sachen Musikwiedergabe, ein übermannsgroßes Fünf-Wege-Hornsystem mit vollaktiver Ansteuerung. FIDELITY hatte das weltweit einmalige Vergnügen, mit einigen seiner Abonnenten einen langen Abend mit diesem Ausnahme-Schallwandler bei MySound in Starnberg verbringen zu dürfen (mehr dazu hier). Auf Nachfrage verriet uns Alon Wolf jedoch, dass es zumindest derzeit keine Pläne bei Magico gibt, einen weiteren Hornlautsprecher zu entwickeln. So wird die Ultimate wohl DAS ultimative Statement in Sachen Hornlautsprecher von Magico bleiben.

Die Treiber

Der Star der diesjährigen Veranstaltung am Starnberger See war die neue Magico M3. Der mittelgroße, keineswegs riesige Lautsprecher ist sehr harmonisch, aber nicht spektakulär gestaltet – eine echte „Wolf im Alu-Schafspelz“ sozusagen. Die schlicht-schöne Magico M3 steckt voller Innovationen, von denen andere Hersteller nur träumen können und die wir hier nur kurz anreißen möchten.
Alle vier Konustreiber – drei 17-Zentimeter-Tieftöner und ein 15-Zentimeter-Mitteltöner – sind original Magico-Entwicklungen und stammen aus hauseigener Fertigung. Ihre Karbonmembranen sind mit einem Werkstoff namens Graphen beschichtet. Graphen ist, bei federleichtem Gewicht, rund 300% fester als Stahl. Laut Alon Wolf ist der Einsatz von Graphen bei Magico eine der allerersten kommerziellen Nutzungen überhaupt. Die Beschichtung des Materials findet in Japan statt, wobei es ein ganzes Jahr gedauert hat, bis der Fertigungsprozess so ausgereift war, dass das Wundermaterial tatsächlich zur Serienfertigung eingeführt werden konnte. Die Verbindung von Karbon und Graphen macht die Membrane zugleich extrem leicht und extrem steif. Dadurch verhalten sie in ihrem jeweiligen Frequenzbereich wie perfekte Kolbenschwinger und brechen nicht in Teilschwingungen auf.
Der Hochtöner wiederum ist eine Weiterentwicklung des bei Magico schon bekannten diamantbeschichteten Beryllium-Treibers, dem man nun nochmals etwas mehr Schalldruck in Form eines noch höheren Wirkungsgrades anerzogen hat. Die gesamte Entwicklungszeit für diesen Hochtöner, so Alon Wolf, betrug übrigens vier Jahre. Allein für die Fertigung des Tweeters entstanden nicht weniger als 28 (!) Werkzeuge, zudem liefen Gesamtkosten von gut einer Million Dollar auf.

Das Sandwich

Auch das Gehäuse der neuen M3 birgt einige Neuerungen. Zunächst fällt auf, dass es keinerlei Ecken besitzt, alles hier ist gerundet. Selbst im Inneren setzt eine gerundete Mitteltonkammer dieses Grundprinzip fort. Magico hat viel Aufwand betrieben, um innen und außen mögliche Kantenreflexionen zu eliminieren. Der messbare Effekt ist ein ruhigerer Frequenzgang, der hörbare eine deutlich bessere Tiefenstaffelung des Klangbilds. Gleichsam auf den ersten Blick fallen auch die Carbon-Seitenteile auf. Laut Aussage von Magico sind sie nicht der Ästhetik, sondern dem Klang geschuldet. Die Seitenteile bestehen aus einem Carbon-Schaum-Carbon-Sandwich und sollen eine spürbar höhere und somit bessere Dämpfung haben als beispielweise Aluminium. Von innen wird alles, typisch Magico, von einem exakt berechneten Aluminium-Skelett zusammengehalten, das mit den Carbon-Außenteilen untrennbar verbunden ist. Die M3 verfügt über das bisher festeste und steifste Gehäuse, das Magico gebaut hat.

Magico bei MySound in Starnberg 2016

Der NASA-Fuß

Ein weiteres Highlight der M3 sind die Füße, die Magico wohl auch als Upgrade für andere Schallwandler anbieten will/wird. Interessant ist natürlich weniger die Tatsache, dass die M3 „nur“ auf drei Füßen und damit immer wackelfrei steht, sondern die Funktion und Wirkungsweise der „NASA feet“, wie sie von Alon Wolf halb scherzhaft genannt werden. Tatsächlich arbeitet die „MPod Basis“ der M3 wie ein mechanischer Tiefpassfilter. Das dafür verantwortliche Teil ist eine Aufschichtung unterschiedlicher Materialien nach dem Prinzip des „constrained layer damping“. Im konkreten Fall der M3 werden als Resultat tiefe Frequenzen unterhalb von 1000 Hertz durchgelassen (perfekte Ankopplung) und hohe Frequenzen gesperrt.

Der Klang

Und wie klingt’s denn nun? – Zum Dahinschmelzen. Was Alon Wolf mit der M3 geschaffen hat, grenzt an die Quadratur des Kreises. Ein Lautsprecher mit der Direktheit eines Horns, ohne dessen teils unschöne Nebeneffekte (Stichwort: mögliche Verfärbung). Ein Lautsprecher mit einer Detailauflösung wie ein Elektrostat, ohne dessen übliche Einschränkungen hinsichtlich Maximalpegel und Bassentfaltung. Ein Lautsprecher mit der Grobdynamik eines großen Schallwandlers, ohne physisch wirklich groß zu sein … Mehr über die magische Magico M3 demnächst in FIDELITY Nr. 30.

Das Know-how

Ein Lob müssen wir an dieser Stelle aber auch nochmal loswerden: Das herausragende klangliche Ergebnis bei MySound in Starnberg ist sicher großteils auch den akustisch optimierten Hörräumen geschuldet. Hier hat MySound in den vergangenen Jahren – auch dank einer Vielzahl von realisierten Kundenprojekten – ein Know-how aufgebaut, das seinesgleichen sucht. MySound hat sich dabei mehr und mehr auf „Lösungen“ statt auf schlichten Komponentenverkauf spezialisiert. MySound-Chef Wolfgang Linhard führt hierzu gerne zwei Beispiele an: „Niemand kauft sich einen Porsche, um dann damit auf einem Waldweg herumzuschleichen“. Und: „Niemals würde Anna Netrebko in einem miesen Konzertsaal singen – und niemals würde ein Zuhörer sie in einem solchen miesen Saal singen hören wollen“. Dem kann FIDELITY ebenso zustimmen wie offenbar auch die MySound-Interessenten. Und über diese Zustimmung wird dann auch klar: Wenn man sich zuhause dem Absoluten nähern will, dann muss auch eine Gesamtlösung her – und nicht ein schlichter Tausch von Komponenten.

Das Lieblingskind

Zum Abschluss haben wir Alon Wolf dann noch gefragt, welches seiner Produkte ihn derzeit besonders stolz macht. Die Antwort ist dem Magico-Mastermind sichtlich schwergefallen – und interessanterweise lautetet sie nicht, vermeintlich naheliegend, „Ultimate“. Alon Wolfs Antwort fiel vielmehr zweiteilig aus: Zum einen nannte er die S1, weil sie für ihn das maximal Machbare innerhalb eines kompakten Zwei-Wege-Konzeptes darstellt. Zum anderen ist es die brandaktuelle M3, die für ihn der mit Abstand „most sophisticated loudspeaker“, den Magico bis dahin auf die Beine gestellt hat.

Yes, it’s a kind of magic!

 

www.my-sound.net

www.magico.net

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