Buchprüfung: Arne Reimer – American Jazz Heroes

Senioren des Sounds

Der moderne Jazz ist alt geworden. Die Musiker, die Charlie Parker noch persönlich erlebten, sind längst über 70. Die Musiker, die den Hardbop prägten und den frühen Free Jazz, gehören inzwischen zu den Senioren der Gesellschaft. Von vielen hört man nur noch wenig. Leben sie überhaupt noch? Spielen sie noch? Was treiben sie? Der deutsche Fotograf Arne Reimer, 41, der in Boston studiert hat, ist diesen Fragen nachgegangen. Er hat sie aufgespürt: 50 „American Jazz Heroes“ zwischen 70 und 95 Jahren. Er hat sie besucht, befragt und fotografiert – in ihrem Zuhause, auf dem Land oder in der City, bei der Arbeit oder in der Nachbarschaft. Es sind entspannte Fotos geworden, sehr privat, voller Licht und Luft, Natur und Würde. Es sind sympathische Homestorys, verflochten mit den wichtigsten Informationen zu Leben und Werk. Arne Reimer hat sich Zeit genommen für ein schönes, bewegendes Buch.

Arne Reimer American Jazz Heroes

Arne Reimer – American Jazz Heroes
Besuch bei 50 Jazz-Legenden/ Jazz thing

Buddy DeFranco ist dabei, der Einzige, der Bebop auf der Klarinette spielen konnte. Cecil Taylor, einer der wilden Väter des Free Jazz. Clark Terry, der meistaufgenommene Trompeter der Jazzgeschichte. Benny Golson, der einst die Jazz Messengers rettete. Gary Peacock, der seit 30 Jahren im Keith-Jarrett-Trio den Bass spielt. Henry Grimes, der 35 Jahre lang untergetaucht war, mitten in Los Angeles. Pat Martino, der 1980 sein Gedächtnis verlor. Auch drei Frauen sind mit von der Partie, darunter die Pianistin Marian McPartland, schon vor 60 Jahren eine Institution im New Yorker Jazz.

Wir begegnen den Überlebenden, den Veteranen einer großen Tradition. Wenn sie aus ihrem Leben erzählen, erzählen sie Jazzgeschichte. Altersweisheit spricht aus ihnen, Lebenserfahrung, aber auch eine nie versiegende Neugierde. „Niemand scheint hier gesättigt, niemand scheint gänzlich abgeschlossen zu haben“, bemerkt Roger Willemsen im Vorwort. Der Jazz hat sie jung erhalten, auch wenn die Arzttermine häufiger werden. Manche dieser Senioren touren nach wie vor über die Kontinente. Manche spielen nur noch im lokalen Club, manche nur noch im Wohnzimmer. Viele unterrichten. Einige hoffen noch auf einen Anruf, ein überraschendes Engagement. Und ein paar von ihnen sind inzwischen auch gestorben.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 11 (1/2014)

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