Aaron Jay Kernis – Three Flavors

Chopin ließ sich von polnischen Mazurken inspirieren, Beethoven von deutschen Tänzen, Mahler von österreichischen Ländlern. Der US-Komponist und vielfache Preisträger Aaron Jay Kernis (geb. 1960) schöpft in ähnlicher Weise aus dem Fundus der amerikanischen Musik.

Aaron Jay Kernis Three Flavors

Aaron Jay Kernis – Three Flavors
CD/Naxos

„Als ich aufwuchs, gab es eine Menge Blues und Jazz rund ums Haus“, erzählt er. „Seit dem Tod meines Vaters (2004) bin ich mir zunehmend bewusst, wie der Jazz implizit meine emotionale und körperliche Wahrnehmung von Musik geprägt hat.“

Die Aufnahme vereint drei von Kernis’ neueren Werken, wobei der Pianist Andrew Russo in verschiedenen Rollen mitwirkt. Das Titelstück Three Flavors (ca. 27 Min.) entstand ursprünglich für Kinderklavier („toy piano“) und Orchester. In Kernis’ Neubearbeitung von 2013, die von Russo angeregt wurde, ist aus dem Spielzeugwerk ein vollwertiges Klavierkonzert geworden, das zwischen Einflüssen aus Gamelan, Impressionismus und Jazz einen schier unwiderstehlichen Magnetismus entwickelt. Technisch mitreißende Klavierpartien, rhythmusbetonte, fantasievolle Orchesterbeiträge, packende Klangwelt-Erkundungen – diese überschäumende Komposition hat das Zeug zum internationalen Konzerthaus-Klassiker. Von eher nachdenklicher und melancholischer Natur sind dagegen Kernis’ Two Movements für Violine (James Ehnes) und Piano. Seinen brillanten pianistischen Abschluss findet das Album mit der Ballad(e) Out Of The Blue(s), einer rhapsodischen Klavier-Hommage an George Gershwin, die Symbolfigur amerikanischer Musikidentität.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 22 (6/2015)

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