Test Soul Note SA300 – Digitales Kommandocenter

Vinyl, CD, Streaming: Die Anzahl der Musikquellen nimmt weiterhin zu. Da trifft es sich gut, dass der Vollverstärker SA300 von Soul Note sich mit Plattenspieler und Digital-Player gleichermaßen gut versteht

Früher war die Welt schön übersichtlich. Da stand im Wohnzimmer die Musiktruhe, vielleicht sogar ein Schneewittchensarg, und noch früher zogen die Schellack-Schätzchen knisternd ihre Runden. Heute sind die Setups weitaus komplexer. Ein Plattenspieler mit einem amtlichen Vorverstärker ist freilich eine schöne Sache, doch das Internet bringt es nun einmal mit sich, dass weniger klassische Komponenten wie Laptop, iPad oder Smartphone in die Wiedergabekette integriert werden müssen. Dann schlägt die große Stunde eines Allround-Könners: Der SA300 des japanische Marke Soul Note ist die perfekte Schaltzentrale in einer heterogenen Kette.

Soul Note SA300

 

Bei Soul Note schöpft man aus einem reichen Erfahrungsschatz: Die Firmengeschichte beginnt in dem Moment, als der digitale Wandel den Systemwechsel von Platte zu CD brachte. 1982, just nachdem Philips zusammen mit Sony die Compact Disc erfunden hatte, begann der niederländische Konzern mit einem japanischen Expertenteam, eine echte HiFi-Legende zu entwickeln: den Philips LHH 1000, bei dem Laufwerk und Wandler in zwei separaten Gehäusen untergebracht waren. Auch beim Flaggschiff der Philips-Reihe, dem LHH 500, ging man gemeinsam zu Werke. Nach der Jahrtausendwende wurde aus diesen Ursprüngen die Firma CSR, die ihre edlen Klangkomponenten unter dem Namen Soul Note auf den Markt bringt.

Soul Note SA300

 

Auch mit dem SA300 beweist sich CSR als Taktgeber der fortschreitenden Digitalisierung. Der eleganten schwarzen Front mit den beiden griffigen Drehreglern sieht man es nicht auf den ersten Blick an, was der Verstärker alles zu leisten imstande ist. Nur eine von der Rückwand hervorlugende schwarze Antenne verrät, was die Stunde geschlagen hat: Der SA300 empfängt drahtlos über Bluetooth 4.0 und wandelt über einen eigenen DAC. So lässt sich das Smartphone oder ein anderes mobiles Endgerät mit dem Verstärker koppeln, der – wenn das Handy dazu in der Lage ist – auch den AptX-Codec versteht, der durch geringere Komprimierung des Audiosignals besseren Klang liefert. Das sogenannte „Pairing“ von Verstärker und Drahtloszuspieler funktioniert problemlos und bequem. Im Test verstanden sich iPhone 5s und der SA300 nach einem bemerkenswert kurzen Handshake, und der Musikgenuss über Web, Dropbox-App und Spotify-Streaming konnte beginnen.

Natürlich ist an dem Class-D-Verstärker nicht alles „wireless“. Neben Bluetooth stehen drei weitere digitale Eingänge für Signale bis 24 bit und 348 kHz zur Verfügung – koaxial, optisch und USB. Letzterer versteht hochauflösendes PCM und DSD, weswegen alles, was sich so an Files auf der NAS mit der Zeit versammelt hat, mit ansprechender Bandbreite seinen Weg zur klanglichen Weiterverarbeitung antritt. Gewandelt wird mittels des ES9016 Sabre 32 Ultra DAC von ESS, der bekannt für seinen hohen Dynamikumfang, geringe Verzerrung und verschwinden kleine Jitter-Werte ist.

Soul Note SA300

Derart ausgestattet, sollte man für alle Fälle des digitalen Musiklebens bestens gerüstet sein. Was den SA300 wirklich besonders macht, ist, dass er dennoch nicht mit den Errungenschaften der Vergangenheit bricht: Neben der digitalen Connectivity steht auch ein Paar Hochpegel-Cinch-Buchsen zum Anschluss eines CD-Players sowie ein wirklich guter Phono-MM-Eingang zur Verfügung. So lässt sich in analoger Nostalgie schwelgen und dann – ein kleiner Dreh am Quellenumschalter oder ein Griff zur Fernbedienung reichen – in die digitale Zukunft aufbrechen. Ein Kopfhörerausgang schont dabei die Nerven der Nachbarn, weiß aber das Ohr durchaus zu erfreuen: Der hochwertige Ausgang hängt an einem eigenen Schaltkreis.

Der Soul Note ist stark genug, um auch größere Standboxen ordentlich zu beliefern, überfordert aber auch filigranere Setups nicht. Und mit der mitgelieferten Fernbedienung, die gut in der Hand liegt und im Unterschied zu vielen Multifunktionsfernbedienungen aus Plastik schon durch ein wahrnehmbares Gewicht verdeutlicht, dass man es mit solider Qualität zu tun hat, lässt sich die Power des SA300 wunderbar in Schach halten: Die Lautstärkeregelung hat ein feines Raster, das präzise Einstellungen erlaubt.

Soul Note SA300Apropos leise: Auch das kann der Soul Note. Im Flüsterbetrieb zeigt sich oft die wirkliche Klasse eines Verstärkers, denn nicht jedes Gerät vermag bei gedämpfter Zimmerlautstärke noch ein vollständiges Klangbild mit klar gezeichneten Höhen bei weiterhin konturierten Bässen zu liefern. Der Soul Note meistert auch diese schwierige Disziplin. Ob filigran gespielte Jazz-Trompete oder Kontrabass – alles da, alles klar, bis in die feineren Nuancen des Spiels. Auch jenseits eines solchen Schonbetriebs erweist sich der Soul Note als ein der Neutralität verpflichteter Übermittler: Er unterschlägt nichts, betreibt aber auch keine Schönfärberei. Bei allen Erfordernissen hinsichtlich der Neutralität tendiert der SA300 im Zweifel eher in Richtung Musikalität. Er spielt nicht knochentrocken und blutleer, sondern packt ordentlich zu und liefert lieber ein klein wenig mehr als zu wenig.

Diese Eigenschaft macht ihn nicht nur anschlussseitig, sondern auch musikalisch zu einem echten Allrounder. Ob Klassik, Jazz oder Rock – der SA300 verschafft dem Piano in der verrauchten Eckkneipe ebenso eine angemessene Bühne wie den übergroßen Marshall-Stacks. Blue & Lonesome, das aktuelle Album der Rolling Stones, liefert einen guten Eindruck von der Qualität des Vollverstärkers: Man hört, wie federleicht Charlie Watts die Bass Drum bedient, und bekommt einen naturgetreuen Eindruck vom Raum, in dem sie aufgenommen wurde. Gleichzeitig durchdringt der SA300 den insgesamt düster und kondensiert gehaltenen Sound, der das Album auszeichnet, und setzt mit Jaggers Blues Harp schillernde Glanzlichter im oberen Spektrum. Damit vermittelt er überzeugend zwischen Fülle und Klarheit, zwischen Power und Transparenz.

Soul Note SA300Keine Frage: Die digitale Unübersichtlichkeit gehört der Vergangenheit an. Mit dem SA300 holt man sich einen echten Problemlöser ins Haus, der sich für lange Hörabende ebenso eignet wie für das kurze Checken der Streaming-Playlist. Das Handling des Vollverstärkers gelingt dabei spielend: Der Aufbau inklusive Treiberinstallation für den USB-Port ist mit wenigen Handgriffen vorgenommen. Bereits frisch aus der Kartonage spielte der SA300 frei und fließend, dem unverzüglichen Musikgenuss steht also nichts im Weg. Und so erhält man mit dem Wireless-Vollverstärker einen Wegbegleiter für jede musikalische Lebenslage – und zwar ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen: Über rund 1.700 Euro kann man angesichts des hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses nicht meckern.

 

Soul Note Wireless Vollverstärker SA300

Funktionsprinzip: Vollverstärker

Leistung (8/4Ω): 2 x 50W / 2 x 100W

Eingänge analog: Line und Phono-MM (Cinch)

Eingänge digital: 2 x SPDIF (optisch, koaxial), USB, Bluetooth

Ausgänge: Lautsprecher, Kopfhörerausgang (6,3-mm-Klinke)

Ausführung: schwarz

Maße (B/H/T): 524/209/348 mm

Gewicht: 7,8 kg

Garantiezeit: 2 Jahre

Preis: 1698 Euro

 

Nippon HiFi

Kukkomäki 18

33960 Pirkkala

Finnland

 

www.nipponhifi.com

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