Bryston 4B SST³

Kaum ein anderer Verstärker kann auf eine so lange Produkthistorie zurückblicken wie die 1976 erstmalig vorgestellte Endstufe 4B von Bryston. Noch mal zum Mitschreiben: 1976! Nur ihre kleinere Schwester 3B, die noch länger im Programm ist, und allenfalls die ebenfalls legendäre Naim NAP 250 blicken auf einen ähnlich weit zurückreichenden Stammbaum zurück.
Natürlich wurde bei der aktuellen 4B SST³ (die hochgestellte Drei steht für „cubed“) lediglich das grundsätzliche Konzept über die Jahre beibehalten: konsequenter Doppelmono-Aufbau (inklusiver zweier Trafos), hoher Class-A-Anteil (die ersten fünf Prozent der Nennleistung werden in diesem als klangförderlich angesehenen Modus bereitgestellt) sowie symmetrisch arbeitende Verstärkerzweige. Auch stellt eine 4B immer Leistungen im hohen dreistelligen Bereich zur Verfügung. Dank ihrer Stabilität ist sie nach wie vor das Mittel der Wahl, wenn es gilt, angeblich schwierige Lautsprecher anzutreiben. In der aktuellen Inkarnation stehen laut Bryston pro Kanal 300 Watt an 8 Ohm und 500 Watt an 4 Ohm zur Verfügung, im Brückenbetrieb als Monoverstärker sogar 900 Watt an 8 Ohm. Da könnte schnell der Verdacht aufkommen, dass eine 4B „vor lauter Kraft nicht gehen“ könne und im musikalischen Sinne eher grob denn zart zu Werke ginge. Doch genau das ist – und war – nie der Fall! Ganz im Gegenteil: Die Qualität einer Bryston-Endstufe zeigt sich gerade darin, dass sie auch mit wirkungsgradstarken Lautsprechern harmoniert. Das macht sie bei Leise-Hörern genauso beliebt wie bei Betreibern anerkannt „zickiger“ Lautsprecher.


Dennoch haben die Kanadier nicht nur das äußere, jetzt etwas gefälliger wirkende Design geändert, sondern sich insbesondere noch mal die Eingangsstufen vorgeknöpft. Mittels einer neuen patentierten Schaltung wollen Chefingenieur Christopher Russel und sein Team die Verzerrungen der Eingangsstufe auf unter ein Tausendstel eines Prozents gebracht haben. Das sieht ein wenig nach dem Datenfetischismus vergangener Dekaden aus, in denen man jede weitere Null hinter dem Komma bejubelt hat. Aber man sollte sich vor Augen führen, dass jede noch so winzige Verzerrung im Eingangsbereich von den Leistungsstufen gnadenlos mitverstärkt wird und somit das Ausgangssignal hörbar beeinträchtigen kann.
Unangetastet ist die Ausstattung der 4B geblieben. Man kann sowohl zwischen symmetrischen und unsymmetrischen Eingängen wählen wie auch den Verstärkungsfaktor in zwei Stufen an die Lautsprecher, den Vorverstärker und auch an die eigenen Hörgewohnheiten anpassen. Verfügbar ist die 4B SST³ wie gehabt in Schwarz oder Silber, mit 17- oder 19-Zoll-Frontplatte, mit oder ohne Griffe. Erfreulicherweise gilt nach wie vor eine Garantiezeit von zwanzig (!) Jahren, die sich auf Ersatzteile, Arbeit und Rücktransport zum Kunden bezieht.
Die grundlegende Überarbeitung insbesondere der Eingangsstufe hat ganz offensichtlich auch klanglich nachvollziehbare Früchte getragen. Auffällig ist eine gesteigerte Durchhörbarkeit, was einzelnen Schallereignissen ein deutliches Plus an Raum und Klangfarben ermöglicht. Gleichzeitig sind weniger vordergründige Effekte zu verzeichnen, Stimmen beispielsweise werden nicht monströs, sondern glaubhaft groß und lebensecht dargestellt. Um wenigstens ein Hörbeispiel zu erwähnen: Schon seit Ewigkeiten setze ich Carl Orffs Die Kluge in der Einspielung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Leipzig unter Herbert Kegel zur klanglichen Einschätzung einer Komponente ein. Mit der „kubistischen“ 4B habe ich diese schon tausendmal gehörte Aufnahme tatsächlich in Nuancen neu entdeckt. Die Bryston bietet eine große ausgedehnte Bühne, Stimmen sind verständlicher, und das leise Ausklingen verschiedenster Instrumente gelingt etwa im Vergleich zu meiner eigenen 3B SST deutlich nuancierter.
Ist damit die Bryston 4B SST³ die klanglich beste 4B aller Zeiten? Ja, das ist sie meiner Meinung nach ohne jeden Zweifel! Darüber hinaus ist sie eine der besten Endstufen, die man für Geld und gute Worte kaufen kann. Die nächsten 40 Jahre können kommen!

 

Bryston 4B SST³ Stereo-Endverstärker. Preis: 5980 €

AViTech
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Österreich

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