„Verstärker zu Preisen, die nicht zu übertreffen sind“ –? Falls Sie in Ihrer Freizeit gerne humorvolle Romane lesen: Schauen Sie sich doch einmal die Audio-Kleinanzeigen im Internet an.

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

Verkaufsanzeigen sind ein elementarer Bestandteil unseres Hobbys. Von Zeit zu Zeit braucht der Highender von Welt einfach etwas Neues, und das alte Zeug muss gehen. Es ist ja auch ein Riesenspaß, Prospekte zu wälzen, Testberichte zu lesen, Kaufkandidaten für den ultimativen Contest übers Wochenende nach Hause zu schleppen und in den fünften Stock zu wuchten, mit Freunden zu diskutieren und mit Händlern zu feilschen, wenn es darum geht, sich eine neue Gerätschaft anzuschaffen. Ob dadurch tatsächlich ein klanglicher „Fortschritt“ erzielt wird, sei einfach mal dahingestellt.
Als Grundstock zur Finanzierung der Neuanschaffung dient oft das zu ersetzende Gerät selbst; also muss es zuvor verkauft werden. Meist soll dies durch die Veröffentlichung einer entsprechenden Anzeige im Internet geschehen – ausgesprochen lästig für den Audiophilen, der in Gedanken bereits sein neues, kostspieliges Juwel in Händen hält. Und so kommt es, wie es kommen muss …
Ein zackiger Text ist schnell verfasst, die Anzeige durch einen einfachen Klick online gestellt: „Biete Verstärker.“ Leider hat sich nach einer Stunde immer noch kein Interessent gemeldet, was sich auch in den kommenden Wochen kaum ändern dürfte. Woran mag das liegen? Nun, es könnte vielleicht sein, dass wir nicht mehr in Zeiten des Mangels leben und sich das zu verkaufende Gerät auf dem Gebrauchtmarkt gegen geschätzt 27 839 andere Angebote behaupten muss. Da nimmt sich so ein potenzieller Käufer frecherweise schon mal die Freiheit, eine Vorauswahl zu treffen, und bei dieser Rasterfahndung haben dann unspezifische Anzeigen schlechte Karten. Eins, zwei, drei – Chance vorbei!
Aber man hätte doch alle Fragen telefonisch oder per E-Mail klären können!?! Stimmt, hätte man. Aber das macht niemand, wenn die Erfolgsaussichten, auf diese Weise das passende Gerät zu finden, denen eines kapitalen Lottogewinns gleichen. Der Anzeigentext darf also ruhig etwas üppiger ausfallen. Es schadet nicht, sich in die Rolle eines potenziellen Käufers zu versetzen. Was könnte ihn interessieren? Alter und Zustand des Gerätes, der Preis, die Farbe, etwaige Mängel, der Standort, bei Verstärkern vielleicht noch die Ausgangsleistung (dies ist nicht die Leistungsaufnahme!) … Es lohnt sich, dafür etwas Zeit und Hirn zu investieren.
Vorteilhaft sind auch verständliche Formulierungen. Ein „Schallplattenspieler, welcher keine Platten abspielt, aber Tonbänder“ könnte sich als unverkäuflich erweisen. Kontraproduktiv sind auch Inserate mit dem Zusatz „nur an Selbstabholer“ ohne Angabe des ungefähren Gerätestandortes. Vor der endgültigen Veröffentlichung sollte ein Anzeigentext unbedingt noch einmal in Ruhe durchgelesen und auf Rechtschreibfehler geprüft werden. Ein „vollfunckzionsfeiges Gäret“ könnte möglicherweise Nachteile gegenüber Ihren Kontrahenten am Markt haben.
Dem Inserat sollten möglichst mehrere aussagekräftige Fotos angefügt werden, die das Gerät – und nur dieses – von allen Seiten zeigen. Ein hübscher Verstärker vor dem Empire State Building mag ein künstlerisch wertvolles Motiv abgeben. Das Motiv hat aber in einem Inserat nichts zu suchen, selbst wenn darauf hingewiesen wird, dass der abgebildete Wolkenkratzer nicht zum Angebot gehört bzw. die Abbildung den Hinweis „Serviervorschlag“ trägt. In Zeiten, in denen bei jedem Toaster eine Digitalkamera eingebaut ist, dürfen zudem scharfe, hell ausgeleuchtete Bilder erwartet werden.
Die Alternative: Entgehen Sie dem ganzen Verkaufsstress, indem Sie sich einen guten HiFi-Händler suchen, der Ihr Altgerät in Zahlung nimmt. Mit ihm zusammen können Sie sich dann auch über die aktuellen Audio-Kleinanzeigen amüsieren.

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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