Coldplay – Ghost Stories

 

Coldplay

Coldplay – Ghost Stories
CD, LP/Parlophone, Warner

„Conscious uncoupling“ – ein Post auf Gwyneth Paltrows Website, der die Lesart des neuen Albums ihres (Ex-)Mannes vorgibt. Gwyneth und Chris sind kein Paar mehr, verarbeiten musste der Coldplay-Frontmann dies auf Ghost Stories, dem eindringlichsten Werk der Band seit langem. Man möge ihm verzeihen, dass sein persönliches Leiden die Tonalität der neuen Songs bestimmt – aber geht es in Musik nicht gerade darum, etwas Intimes in etwas Universelles zu transformieren? Dem Sound von Coldplay haben, so ironisch das auch klingen mag, Martins Seelenqualen gut getan. Eigentlich hatten die Briten ja schon Mylo Xyloto im Vorfeld als reduziertes Album angekündigt, zu hören gab es dann Songs, die an Opulenz – man denke an das üppige „Paradise“ – mal wieder nicht zu übertreffen waren. Ganz anders hingegen Ghost Stories: Minimalismus, Reduktion, sphärische Klanglandschaften. Das Tempo gedrosselt tasten sich Coldplay durch sparsam arrangierte, schwelgende Soundscapes („Always In My Head“, „Magic“, „Another’s Arms“, „O“), lassen durch die dichten Nebelschwaden hie und da etwas Licht blitzen wie in dem versöhnlichen „Ink“ oder dem ravigen „A Sky Full Of Stars“, präsentieren aufs Nötigste abgespeckte Minimalismen wie das an Sigur Rós erinnernde „Midnight“ (bester Coldplay-Track seit Ewigkeiten) oder das halbakustische „Oceans“ im Downsize-Modus. Wie die Phase des Entliebens den Übergang in ein neues Leben darstellt, kann man Ghost Stories als das kurze Innehalten zwischen zwei Abschnitten verstehen. Ein Interims-Album im besten Sinne. Kopf hoch, Chris!

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 14 (4/2014)

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