MiTec / Thomas Middeldorf – Nicht alle Tassen im Schrank

Thomas Middeldorf von MiTec handelt mit teurer Keramik, aber nicht in Form von Geschirr. Und er geht Dinge ungewöhnlich gründlich an

Elektrostatische Lautsprecher gehorchen einem faszinierenden, schwerelos wirkenden Konstruktionsprinzip. Ihren besten Vertretern gelingt eine einzigartige, behände, holografische und fast körperlos-ätherische Wiedergabe. Letzteres ist dann genau das, was Kritiker daran bemängeln. Thomas Middeldorf ist auch Kritiker, einer, der mit dem Bestehenden nie zufrieden ist. Verdächtig viele HiFi-Legenden beginnen genau so, man könnte den Eindruck bekommen, die Macher der Branche wären allesamt enttäuscht und frustriert. Aber das darf man wohl nicht so eng sehen, die meisten werden wie der Jazzliebhaber Thomas Middeldorf auch schon gern Musik gehört haben, bevor es durch ihre Produkte erst befriedigend möglich wurde. Im Fall MiTec steht aber tatsächlich ein langer Leidensweg des Inhabers vor den fertigen Produkten, die sich in zwei Kategorien – Studio Line und Private Line – aufteilen. Zunächst der Dynamik von Hörnern verfallen, störten Middeldorf bald ihre Verfärbungen. Etwa 2005 machte ihn Volker Bohlmeier von Einstein Audio mit klassischen QUAD ESL bekannt, dann entdeckte Middeldorf amerikanische Elektrostaten von Acoustat und hatte das Prinzip gefunden, das ihm seither als einzig sinnvolles der Schallwandlung erscheint. Er hat praktisch alle gängigen elektrostatischen Lautsprecher besessen, d. h. gekauft. Und zerlegt, gespreizt und zerschnitten, um ihre Fehler zu analysieren. Er fand zu viele, als dass sie sich an einer Hand abzählen ließen: unpassende Übertrager, schwere Folien, flexible Rahmen, aber – aus seiner Sicht am gravierendsten – ungenügende technische Eleganz in Materialwahl und Fertigung.

Als Diplom-Ingenieur für Metallurgie und Ofenbau führt Middeldorf hauptberuflich die „MiTec – Gesellschaft für Systementwicklung“, welche sich mit Feuerfest-Materialien für industrielle Hochleistungs-Induktionsöfen beschäftigt. Da wird mit hohen Spannungen und Temperaturen hantiert, weshalb absolute Präzision und Unverwüstlichkeit gefordert sind. Und da liegt auch der Ursprung von Middeldorfs Wissen um Materialien und ihren optimalen Einsatz. Problemanalyse und -behebung, so gehen gute Systementwickler vor. Weil Middeldorf die Schwächen üblicher Elektrostaten kannte, und ihm niemand Lösungen anbieten konnte, die ihn zufriedenstellten, schaute er sich im eigenen Betrieb um. Die Keramik für feuerfeste Formteile oder Brennöfen kann er dort in unendlich vielen Variationen selbst herstellen und sie weist einige Eigenschaften auf, die er auch für seine Elektrostaten zu nutzen gedachte. Er konstruierte Acryl-Gitter in der Art von Setzkästen als Statoren und stabilisierte sie durch kleine, mittels Klebe- und Wärmebehandlung eingeschweißte Würfel aus Aluminiumoxidkeramik. Jene isolieren nicht nur elektrisch, sondern steigern durch ihre im Vergleich zur Membran hohe und steife Masse nach dem Impulserhaltungssatz auch den Wirkungsgrad. Zwischen diesen Statoren hängt die Membran aus extrem dünner, nanobeschichteter und alterungsbeständiger Kunststofffolie eingespannt wie ein Trommelfell und wird über die Statoren vom Musiksignal in Schwingung versetzt. Aus nur minimalem Hub bei großer Membranfläche resultiert irrwitzige Dynamik und die passende Verstärkung vorausgesetzt auch enorme Impulsfestigkeit. MiTec-Wandler überzeugen sogar an vergleichsweise kleinen Gegentakt-Röhrenverstärkern, aber um Maximalpegel zu erreichen, dürfen es gerne ein paar Watt mehr sein; insbesondere im Bass kann Leistung nicht schaden.

Alle sechs MiTec-Modelle traten 2011 auf die Bildfläche. Sie fußen auf dem gleichen elektrostatischen Modul, funktionieren demnach als Full-Range-Elektrostaten, und unterscheiden sich lediglich in der davon verbauten Anzahl. Na ja, nicht ganz, sondern infolgedessen natürlich auch im Preis. Der Einstieg in die Studio Line ist mit dem Modell 1 X – das steht pragmatisch für ein Wandlerelement – für 20.000 Euro zu haben, für das Spitzenmodell MAX RS (Reference Standard) der Private Line werden dagegen 60 Riesen aufgerufen. Die Versorgungseinheiten bestehend aus zwei massiven Transformatoren sitzen in eigenen Metallcontainern, die Thomas Middeldorf nahe am Leistungsverstärker zu positionieren empfiehlt. Kennen wir aus der Analogtechnik: Je kleiner ein Signal, umso anfälliger ist es.

Thomas Middeldorf musste den Fertigungsprozess wie auch die -maschinen von Grund auf neu entwerfen und bauen. Die Gitter der Statoren, die Spanntechnik für die Membranfolie oder auch die Stabilität der massiven Rahmen aus Buche, Bambus oder Eiche, gegen Aufpreis in allen RAL-Lackierungen erhältlich, resultiert aus einem langen Lernprozess mit viel Ausschuss und vielen verworfenen Ideen, bevor am Ende die vielleicht aufwendigsten Folien-Lautsprecher standen, die der Markt derzeit anbietet. Man wundert sich, dass der Firmengründer noch Zeit findet, seiner BMW 1200 GS ein wenig Auslauf zu gönnen. Motorräder und HiFi-Entwicklung haben übrigens etwas gemeinsam: Der Weg ist das Ziel. So haben auch MiTec-Wandler noch ein gehöriges Stück des Weges vor sich. Middeldorf möchte einerseits sein Angebot durch ein Modell mit vierstelligem Preisschild nach unten abrunden, andererseits aber auch seine Lautsprecher noch effizienter und schneller machen. Er steckt gerade mitten in einem Verfahren zur Patentanmeldung, worüber er keine Details verraten will. Nur so viel: „… es wird auf jeden Fall revolutionär.“

 

MiTec Middeldorf GmbH & Co. KG
Gesellschaft für Systementwicklung

An der Papenburg 63
44866 Bochum-Wattenscheid

Telefon 02327 / 5495370

www.mitec-electrostats.de

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