Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

Musik von jeder ungesicherten Festplatte dieser Welt von atomar exakten Femtosekunden-Clocks unbarmherzig im präzisen Gleichtakt aus der digitalen Welt in die analoge geschubst wie eine Armee aus Zinnsoldaten ins Feuer. Offene Münder vor kabellosen Lautsprechern, die dynamisch explodieren wie Konfettikanonen; ein Druck auf die App, und man genießt Surroundsound aus nur einer Box: schon klingt es überall im Raum gleich! HiFi für den Anwender. Damit kocht die Stimmung auf der Schlagerpop-Party! Auf der anderen Seite gewaltige Membrangarderobenständer, sechsstellig im Preis, mit Class-D-Endstufen und Signalprozessoren. Klang ohne Kompromisse. Man muss seinen Hörraum nur für eine Woche einem Team aus Tontechnikern und Messingenieuren überlassen, damit wenigstens die Aufstellung noch im Lot ist. Sobald dann die digitale Vorstufe ihr Update abgeschlossen hat, presst einen gigantischer Schalldruck ins Sofa. Das ist doch gleich etwas anderes als live!
Sind Sie auch schon so gespannt, dass Sie kaum mehr schlafen können: Was wird uns die HIGH END aufregendes Neues bringen? Endlich den perfekten Lautsprecher? Selbstverständlich digital entzerrt, impedanzlinearisiert und entseelt. Oder werden die drängenden HiFi-Probleme der Zeit final gelöst? Mit jitterfreien Servern oder 64-Bit-Wandlern, die keine Wendeltreppen mehr in den Raum zirkeln, sondern großartige Melodiebögen entwerfen? Werden all die klanglichen Fallstricke beseitigt, an die man im analogen Zeitalter im Traum nicht gedacht hat? Ich jedenfalls kann den Moment, in dem das MOC seine Pforten öffnet, kaum mehr erwarten. Ich glaube fest daran, dass HiFi durch noch mehr und komplexere Technik besser wird. Technik macht schon immer alles besser.
Nur manchmal kommen mir Zweifel. Dann rekapituliere ich die wirklich berührenden Anlagen – die, deren Wiedergabe mich ergriffen hat, die zum emotionalen Kern von Musik vordringen konnten, während sie die Frage nach dem Wie in den Hintergrund drängten und erst bei der Frage „Wie viel?“ für Irritation sorgten. Verflixt, überall Röhren, zumindest in der Kleinsignalverstärkung, Lautsprecher mit maximal zwei Wegen, kurze Signalstrecken, wenige Schaltungen, selten SMD-Prints, ICs auch, bislang noch keine DSP-Entzerrung. Purismus auf ganzer Linie. Entwicklerstolz und Herzblut. Zum Glück verflüchtigen sich solche modernisierungskritischen Gedanken im täglichen Trubel des HiFi-Marktes schnell, falls sie nicht im Lärm untergehen. Wenn jemand trotzdem fälschlich eine Meinung in diesen Text interpretieren will, ist es vermutlich keine originelle und sicher nicht mit jener der Redaktion gleichzusetzen.

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