Stillstand bedeutet Rückschritt – (A bisserl wos gehd ollawei)

Das Ziel vor Augen, die Ankunft ungewiss – eine Odyssee

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

Unter den HiFi-Verrückten gehöre ich zu den Privilegierten mit einem eigenen Spielzimmer, das sich dem Hoheitsgebiet der besten Ehefrau von allen vollständig entzieht. Ein ambientefreies Schutzgebiet, frei von Putzwut und Aufräumdiktat, eine verbotene Zone für Menschen ohne erwünschten Bartwuchs. Hier herrscht meine Anarchie. Eigentlich ein Garant für audiophile Zufriedenheit, oder? Oder etwa nicht?!? Als wir damals den Kauf unseres Hauses planten, hatte meine Frau mich mit der Aussicht auf dieses Zimmer geködert und ihren Willen durchgesetzt – ganz so wie immer.
Mir war sofort klar, dass in diese Spaßbehausung viele Platten, noch mehr CDs und eine fette Stereoanlage einziehen würden. Die ersten Lautsprecherboxen, die ich in den Raum wuchtete, passten dann auch kaum durch die Tür. Ich war glücklich! Kurzzeitig jedenfalls, bis die Glückshormone sich wieder verflüchtigt hatten. Danach folgte eine Menge Hin- und Hergeschubse der beiden Schallmonster, begleitet von kurzzeitigen Perioden der Zufriedenheit, gefolgt von der bitteren Erkenntnis, dass Raum und Boxen nicht zusammen passen.
Auf zu neuen Ufern! Die großen Sound-Immobilien wurden gegen kleinere Lautsprecher getauscht, das Frequenzspektrum auf weniger Wege aufgeteilt, das Leid nahm ab. Was für ein geiler Sound! Endlich angekommen, obwohl, da geht doch bestimmt noch was …
Neue Boxen, neues Glück. Auf Dreiwege-Standboxen folgten Zweiwegeriche, Hornkonzepte wurden von Breitbändern abgelöst und der Klang immer besser. An Inspiration mangelte es mir nicht, und wenn doch, blätterte ich in diversen HiFi-Illustrierten, da findet man immer Anregungen und gute Gründe zur Unzufriedenheit. Alle Lautsprecher hatten ihren besonderen Charme, aber immer blieb der fahle Beigeschmack, das Tor zur dauerhaften Glückseligkeit nur einen Spalt geöffnet zu haben, gerade so, als bestände da eine imaginäre unüberwindbare Grenze.
Dann kam mir die Idee, es mal mit einem Paar aktiver Studiomonitore zu versuchen. Neben ihrem konkurrenzlosen Preis-Leistungs-Verhältnis boten sie die Möglichkeit der Ortsanpassung und Aufstellung im Nahfeld, wodurch die Einflüsse des Raums minimiert wurden. Sie funktionierten prima in meinem kleinen Reich. Der Tiefbass war weg und hatte meine Probleme gleich mitgenommen. „Kleine Räume erfordern kleine Boxen“ – das hatte ich schon mal irgendwo gelesen. Und geflissentlich ignoriert.
Also wandte ich mich nun kleinen Lautsprechern zu und fand dabei ein Paar aktive und ein Paar passive, die (bisher) bleiben durften. Irgendwann zog auch noch ein richtig guter Subwoofer ein und bereitete mir Kopfschmerzen, weil seine Anpassung nicht funktionieren wollte. Unfassbar, wie viele Artikel im Internet kursieren, die sich mit der angeblich ach so einfachen Subwoofer-Anpassung beschäftigen. Das ist aber nicht einfach, wenn der Sub nicht heraushörbar sein soll! Nach vielem Hin und Her habe ich es letztendlich doch überzeugend hinbekommen. Es klang so gut wie nie zuvor, aber das hatten wir ja schon mal. Ob da noch was geht?
Es ist rundweg erstaunlich, welches Bassfundament kleine Boxen (insbesondere aktive) heutzutage haben. Mehr braucht man wirklich nicht, um zufrieden Musik zu genießen, denkt man. Bislang liefen meine Kleinen im Fullrange-Betrieb. Als ich sie versuchsweise über den im Subwoofer eingebauten Hochpassfilter ansteuerte und so von Tiefbass entlastete, hörte sich das an, als ob ich den Lütten starke Hustenbonbons verabreicht hätte, damit sie endlich frei und unbeschwert durchatmen. Da ging also doch noch was!
Der in den Subwoofer integrierte Hochpassfilter hatte mir den richtigen Weg gewiesen. Er war jedoch aufgrund seiner einfachen und den Klang limitierenden Machart als dauerhafte Lösung ungeeignet. Also musste eine aktive Frequenzweiche her, um den Woofer von meinen kleinen Satelliten zu trennen. Eine hochwertige externe Weiche wurde angeschafft. Überflüssig zu erwähnen, dass ich in meiner Dachkammer noch nie so gut Musik genossen habe. Das kann ich nun endlich mit Gewissheit sagen. Aber da geht bestimmt noch was!

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