High End Swiss 2016: Aus drei mach zwei – Freitag ist frei

Bilder: Cai Brockmann

Auch im achten Jahr ihres Bestehens war die High End Swiss wieder die mit Abstand wichtigste Leistungsschau audiophiler Eidgenossen. Gleichwohl ist die Messe, die auch 2016 wieder im Mövenpick-Hotel in Zürich-Regendorf stattfand, noch immer keine Gigantenveranstaltung geworden, gegenüber dem Vorjahr sogar ein wenig geschrumpft.

Konsequenterweise entfiel der bisherige Messefreitag. Die High End Swiss 2016 war ein reines Wochenendvergnügen. Aber zwei Tage sind tatsächlich ausreichend, um alle 35 Räume zu besuchen und sich auch beim runden Dutzend der offenen Stände einen ausführlichen Überblick zu verschaffen. Und wer dann am Samstag seine Lieblinge herausgefunden hatte, durfte am Sonntag wiederkommen und auf mehr Platz und Ruhe hoffen. Klangliche Highlights gab es wieder rund zwei Handvoll, da war für praktisch jeden Geschmack etwas dabei – außer für totale Monster-Fi-Fans.
Fangen wir bei den „Kleinen“ mit den offenen Ständen an. Der Hingucker Nr. 1 war eindeutig Auris. Hier trieben dicke Röhren-Amps und Midsize-HiFi-Schmuckstücke superkompakte Minimonitore an, die deutliche Züge von Boenicke Audio trugen. Selbstverständlich war auch wieder Ingo Hansen am Start, der neuerdings nicht nur Abdeckkappen für nicht benutzte Buchsen mit der Phonosophie-Aktivator-Technik tunt, sondern auch die kleine Musicbox von Canton. Doch, bitte, das hier ist eine High-End-Messe, da dürfen die Lautsprecher gerne größer sein. Gleich gegenüber im eigenen Raum zeigte Canton daher eine Spezialversion der kompakten, aber klanglich großen Reference 9K, die mit (wiederum von Phonosophie getunten) Pioneer-Verstärkern einen richtig runden Eindruck hinterließ.
Äußerst audiophil klang es mit der Kombination aus Soulution-Elektronik an kompakten Magico Q1, verkabelt mit Vovox. Ganz anders löst Wolfgang Kühn von Lumiks die Schallwandler-Frage. Hier steuerten Scheu-Plattenspieler und Röhren-Amps von Eternity Jo diverse Kugelböxchen, die einst unter „Lautsprecher & mehr“ firmierten – nur echt mit Subwoofer im dicken runden Keramikgehäuse. Klassische „Boxen“ von Q Acoustics lieferten eine überzeugende Vorstellung an ebenso klassischen Fullsize-Komponenten von AudioLab – große Performance für kleines Geld. Große Performance für sehr, sehr großes Geld dann bei Sennheiser, die mit dem immer noch sensationellen Orpheus-Kopfhörersystem auf Tour sind. Weniger spektakuläres, eher rustikales Design bot der aktuelle Kopfhörer von Altmeister Jürg Jecklin bei Klangwerk. Mit im Raum: Designklassiker der Moderne von Quad und Manger Audio. In diese Kategorie könnten allmählich auch gewisse Lautsprecher von Trenner & Friedel fallen, die in den Räumen von Audiosphere von Unison Research und Moon angetrieben wurden und mit gradliniger Optik und rundem Klang überzeugten.


Auch überzeugend: Dynaudio mit neuen Contour-Modellen an Burmester-Elektronik. Heco stellte die beiden Pärchen der old-school-mäßigen „Direkt“-Serie nebeneinander vor die Schmalseite eines kleinen Raumes, nahm AVM-Elektronik optisch in die Zange – und fertig war „The Wall Of Sound“ der High End Swiss. Ein lustiger Anblick mit durchaus unterhaltsamem, betont kraftvollem Klang. Subtiler und letzlich highendiger ging es erneut bei Goosebumps (Brinkmann, Vandersteen) und Ouir Ton & Technik (EAR, Audio Note UK) zu. Jens Arnaschus spielte bei Genesis Technologies diverse neue Komponenten von Mark Levinson und JBL und zeigte nicht nur die Einmess-Unterstützung durch Trinnov auf dem heutzutage unvermeidlichen iPad, sondern auch spaßeshalber angefertigte Wärmebilder der beiteiligten Komponenten.
Fast gar nichts zu sehen gab es bei „AER Studienverlag“, die einen kleinen Resonanzanreger auf eine Glasplatte montierten und dieses optische Nichts von einer Flächenmembran zart erklingen ließen. Das ist für hartgesottene Highender zum ernsthaften Musikhören sicherlich keine Alternative, zum Diskutieren und Schmunzeln aber sehr wohl. Gleiches gilt im weiteren Sinne auch für die Rustikal-Optiker von Spaltart Design sowie für Art Déco Acoustics, wo der Name ebenfalls Programm war. Music Wonder sorgte erneut mit lila Akzenten und massivem, aber kontrolliertem Tieftönereinsatz für Aufsehen. Quadral Aurum mit Clearaudio klang ebenso grundsolide und erwartungsgemäß gut wie die immer wieder toll anzuschauende Technics-Installation. PMC mit Bryston-Elektronik kam in Zürich leider nicht an den sensationellen Sound heran, den wir vor ein paar Wochen auf den Westdeutschen HiFi-Tagen erleben durften. Den allerbesten Sound auf der diesjährigen High End Swiss bot zweifellos die Installation von Merging Nadac und Philharmonia Audio. Für schlanke 40000 Euro pro Paar gab’s ein Pärchen Aktivmonitore im massiven, wohlgeformten Multiplexgehäuse, das sogar im akustisch eher schwierigen Konferenzraum eine klanglich hervorragende Figur machte. Dieser highfidele Tonstudio-Ableger aus Frankreich war definitiv das Klang-Highlight der High End Swiss 2016, wie selbst ein paar Mitbewerber neidlos zugeben mussten. Bravourös!

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