Acoustic System Resonatoren – Hells Bells oder himmlisches Geläut?

Puppenhausteetassengroße klinge(ln)de Metallschälchen mit gemäß Schulphysik garantiert nicht gottgewollter akustischer Wirkung – das kann doch nur aus des Teufels Küche kommen.

Aber der Fürst der Finsternis hat mit den Resonatoren von Acoustic System nichts zu tun, laut Eigenaussage hat Franck Tchang sie ganz alleine erfunden bzw. sich experimentell erschlossen. Eine stattliche Anzahl Audiophiler betrachtet die beiden zwar als ein und dieselbe Person, aber mit den Orthodoxen kann ich mich jetzt nicht aufhalten. Da müsste ich ja ganz vorne anfangen. Dabei stecke ich doch gerade mittendrin.
Mit unwillkürlich hochgezogenen Mundwinkeln lausche ich „One More Time“ von Daft Punk, weil die pumpenden Bässe wie Dumdumgeschosse aus der nicht vollständig auszulotenden Tiefe genau zwischen den Lautsprechern auf mich abgefeuert werden und zwei Schritte, bevor sie in meiner Brust einschlagen, zerbersten wie Wasserbomben. Dennoch bin ich nicht völlig zufrieden, obwohl ich meinen kleinen Hörraum mit rund 15 verschiedenen Resonatoren auf Ahornklötzchen tapeziert habe. Da ist etwas im Hochton, das in meinen Ohren kitzelt. Selbige Übermotiviertheit ist mir vorher schon am Applaus auf Funny van Dannens Grooveman aufgefallen. Das klang im Redaktionshörraum, als Thomas Fast sein sicher einstudiertes und auf alle Eventualitäten vorbereitetes „Zauberritual“ aufführte, anders. Besser und natürlicher. Das empfand übrigens nicht nur ich so, sondern auch Cai Brockmann, der mit mir und gleichfalls erstaunt das „Magical Mystery Treatment“ verfolgte.


Meine Verteilung der Resonatoren im Raum orientierte sich an der empfohlenen Ausgangskonfiguration, aber ich hatte Silber und Platin verwechselt. Das kann, wie ich finde, relativ leicht passieren. Möglicherweise leide ich diesbezüglich aber auch unter einer Sehschwäche, selbst bei der Unterscheidung von Kupfer und Gold zögere ich bisweilen kurz. Die Resonatoren von Acoustic System treten in fünf Varianten auf: Basic aus Kupfer, Silber, Gelbgold, Special Gold (Rotgold) und Platin. Thomas Fast, der sie seit Menschengedenken in Deutschland vertreibt, hat mir einen ganzen Aktenkoffer davon überreicht, und ich hätte mich angesichts des horrenden Wertes auf dem Heimweg gerne mit Handschellen daran gekettet. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich jedes Schälchen gewogen und sie streng nach Gewicht sortiert. Eine Streuung innerhalb der einzelnen Chargen von bis zu zehn Prozent bei den Basic-Resonatoren, die auch die Mehrheit stellten, addiert sich mit der Beschaffenheit der Stative aus Ahorn im ersten Eindruck zu einer erfrischend unbedarften Fertigungsvarianz. „Made in France“ – der Stempel im Holz weist offenherzig darauf hin, dass das Geheimnis der Resonatoren, so es denn eines gibt, nicht in ihrer perfekten Verarbeitung zu finden ist. Schon eher in der handwerklichen Behandlung: Jedes Schälchen wird manuell poliert und nach Gehör gestimmt.
Die Ahornständer gibt es in einer dicken Ausführung für die Edelmetalle und einer etwas weicheren, dünnen Version. Mit ein wenig BluTack oder etwas Ähnlichem pinnt man sie so an die Wand, dass sie sie nicht direkt berühren, denn sie sollen ja frei schwingen und diese Schwingungen über einen metallenen Dreizack auf die darauf postierten Resonatoren übertragen können. Wenn ich Franck Tchang böswillig interpretiere, sind sie nichts als eine große Luftnummer. Sie interagieren mit Luftmolekülen und formieren sie neu: Aus langen Wellen werden kurze, aus Überdruck Strahlkraft. Als passive Resonatoren benötigen sie, anders als beispielsweise ein Schumann-Generator, Fremderregung, um aktiv zu werden. Dann agieren sie allerdings als Sekundärschallquellen, die vornehmlich Obertöne hinzufügen. Für mein Empfinden wirken sie sich aber durchaus schon im hörbaren Bereich aus, in dem das Ausschwingen von Saiten oder das Verklingen von Stimmen kurz vor dem Fade-out noch einen Extra-Kick bekommt. Als Hörer fühlt man sich dabei wie ein akustischer Restlichtverstärker. Wenngleich das nach einem Argument der Gegner klingt, sollte man es undogmatisch betrachten. Richtig dosiert vermittelt dieser Effekt eine phantastische Natürlichkeit und Harmonie. Ich stehe vor dem Paradoxon, deutlich das Artefakt zu hören, es aber als grundsätzlich richtiger zu empfinden. („Ja, ich weiß Bescheid. Zur Tür raus, linke Reihe anstellen. Jeder nur ein Kreuz.“)
Aber jetzt passen Sie auf, damit haben Sie nicht gerechnet: Wenn Franck Tchang den Raum als Lautsprecher betrachtet, den es zu optimieren gilt, dann höre ich keine Additive, sondern die Korrektur von durch Gewöhnung akzeptierten Raummoden. Das erklärt dann auch, warum ich es als intuitiv authentischer empfinde. Den größten Einfluss scheinen die Resonatoren jedoch tatsächlich im unhörbaren Obertonbereich zu haben, weil sie die Tonalität unangetastet lassen. Sie reichern die Wiedergabe weniger an, als sie sie vielmehr ergänzen. In Tchangs Theorie um Obertöne, die bei der Aufnahme verloren gingen. Das darf man durchaus skeptisch sehen, auch mir will nicht ganz einleuchten, wie ein goldener Fingerhut die exakten Obertonfrequenzen verschiedenster Instrumente treffen soll. Das entscheidende Argument hält wieder die Praxis bereit: Es funktioniert für mein Gefühl. Vielleicht ist Exaktheit dabei gar nicht ausschlaggebend, sondern das bloße Vorhandensein dieser vorher fehlenden Oberwellen vermittelt schon das Gefühl von Wahrhaftigkeit. Es geht bei HiFi schließlich nicht um die genaue Reproduktion des Originals, sondern um die glaubhafte Illusion davon. Wer das anders sieht, soll mich persönlich kontaktieren.
Wie eingangs schon verdeutlicht, ist die Platzierung der Resonatoren von entscheidender Bedeutung. Ein Silber-Resonator unter der Decke hinter und zwischen den Lautsprechern produzierte in meiner Hörsituation zu viel Energie und verschob die Größenverhältnisse auf irritierende Weise. Am Fenster in meinem Rücken dagegen und vorne stattdessen Platin resultierte in lebhafter Präsenz und perfekter Bühnendarstellung. Vorher schien Ella Fitzgerald mit steigender Tonhöhe ins Riesenhafte zu wachsen, nachher veränderte sich lediglich das Volumen ihrer Stimme, nicht aber ihr Standpunkt. Die Verteilung und Anzahl der Resonatoren entwickelt sich aus einer vertikalen Achse entlang der Wand hinter den Lautsprechern. Unten, in unmittelbarer Bodennähe, empfiehlt sich Kupfer, das sorgt für Trockenheit und Fokus im Bass, in ohnehin schon schlanken, aber präzisen Konfigurationen kann jedoch auch Gold zum Mittel der Wahl werden. In der Mitte, in etwa auf Höhe des Hochtöners, empfiehlt Thomas Fast Gold oder Silber. Ich rate in tendenziell hellen Anlagen definitiv zu Gold. Ein Silber-Resonator ist ein ambivalentes Instrument, bei mir verursachte er dort ebenfalls Überpräsenz, als ob die Steinmusic SP1.1 plötzlich lispeln würde. Alle Resonatoren sind sehr wirkungsvolle Werkzeuge, insbesondere aber der silberne kann auch zu viel des Guten sein. Da ich nicht über Präsenz und Temperament meines Systems klagen kann, blieb es bei Silber in meinem Rücken und einem Basic-Resonator unten zwischen den Boxen. Darüber etablierte sich Rotgold und unter der Decke Platin – auch der einzige Resonator, weil ich keinen zweiten zur Verfügung hatte. Der Platinresonator hat zweifelsohne den größten und universellsten Einfluss. Er sorgt unmittelbar für Live-Qualität, für das überwältigende Gefühl, involviert zu sein.


So erreichte ich eine stimmige Basis, von der aus ich mich zu methodischem Vorgehen entschloss. Statt mit jeder Aufnahme erneut feinzutunen, beschränkte ich mich auf die zweite Seite von Nina Simones Live-Album At The Village Gate. Eine rohe, sehr frühe Aufnahme mit allerlei tontechnischen „Fehlern“, wie ein fallendes Mikrofon, Pegelschwankungen und die überdeutliche Atmosphäre des Clubs. Aber gerade deshalb so stimmungsvoll und fesselnd. „Brown Baby“ nutze ich häufig zur klanglichen Feinabstimmung: Sobald Stimme und Piano eine harmonische Einheit bilden, voll und rund klingen, ohne sich in die Quere zu kommen, und die Gesprächsfetzen und das Gläserklirren der Gäste nicht darübergestülpt, sondern inhärent wirken, passt es meiner Erfahrung nach auch mit anderem Material. Danach mussten zwei Gold-Resonatoren, die in der ersten Farbeneuphorie seitlich des Hörsessels Platz fanden, wieder gehen. Letztlich erreichte ich mit sieben statt neun Resonatoren eine perfekt ausgewogene und fantastisch prononcierte Darstellung, wobei sich Letzteres auch schon sehr deutlich ohne Musik in gesteigerter Sprachverständlichkeit bemerkbar macht.
Sie dürfen mir glauben, dass ich auch vorher schon ganz zufrieden mit meiner Anlage war, aber nach dem Tuning mit Acoustic System hat sie eine ganz neue Dimension dazugewonnen. Als ob Ying und Yang vorher in zwei Lautsprechern wohnten und nun vereint Hand in Hand aus der Mitte den Raum bis weit über seine Grenzen hinaus ausfüllen. Der Alchimist Franck Tchang hat uns ein mächtiges und verführerisches Werkzeug an die Hand gegeben. Nutzen Sie es weise, und Ihre Anlage wird einen Sprung nach vorne machen, den Sie allein mit neuen Gerätschaften niemals vollziehen können. Die Acoustic System Resonatoren lassen den Hörraum auf magische Weise verschwinden und versetzen Sie mitten hinein in die gefühlte Aufnahmesituation. So absurd es angesichts des aufgerufenen Preises klingt, diese fünf Resonatoren sollten am Anfang einer Anlage stehen. Sie sollten schon an der Wand hängen, noch bevor man die Netzphase ermittelt und den Verstärker einschaltet. Es ist an der Zeit, den HiFi-Begriff endlich um die Dimension der Wiedergabesituation zu erweitern.

 

Acoustic System Resonatoren
Funktionsprinzip: Magie, Psychoakustik, Resonanz-Entropie
Preise: Basic 200 €, Silber 370 €, Gold 1180 €, Gold Spezial 1180 €, Platin 2720 €

 

fastaudio, Thomas Fast
Brählesgasse 21
70372 Stuttgart
Telefon 0711 4808888

 

www.fastaudio.com

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