STAX – Geräuschforschung

Bilder: Frank Neu

Herr K. ist Stax-Fan. Und er liebt das gute alte Analogradio, besitzt gleich drei erstklassige UKW-Tuner: Klein & Hummel FM 2002, Restek Metrik und Wega LabZero Tuner. Letztgenannter ist „schwer wie eine Endstufe und mein persönlicher Liebling“, derzeit aber beim Service – was angesichts der Alternativen wohl kein Problem ist.

Bei Herrn K. dreht sich praktisch alles darum, Musik zu machen, aufzunehmen, zu hören und auch zu vermitteln. Der 43-Jährige ist Technik- und Musiklehrer, leitet das Schulorchester und spielt Saxofon und Klarinette auf Vernissagen oder Bluesabenden. Aber nicht gegen Geld, sondern frei nach dem Motto: „Ich sage dir nicht, welche Bilder du in deiner Galerie aufhängen oder welches Bier du ausschenken sollst. Und du sagst mir nicht, was ich spielen soll.“

Auch nimmt Herr K. oft Konzerte auf und hat viel mit Mikrofonierungen experimentiert. Besonders schätzt er die Schwetzinger Festspiele, kennt sowohl den Jagdsaal als auch das Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses wie seine Westentasche. Eine Radio-Übertragung im SWR aus diesen Räumen ist für ihn daher immer ein besonderes Vergnügen. Schließlich kann er zu Hause genau die richtigen Dinge einsetzen, um einer Aufführung bis ins allerkleinste Detail nachzuspüren – Stichwort: Stax.

Eine umfangreiche, sympathisch unaufgeräumte Produktsammlung des japanischen Kultherstellers wartet im gemütlichen Kellerraum auf uns. Die Art der Präsentation fordert nicht direkt zum huldvollen Niederknien auf – und doch ist zunächst Schneidersitz auf dem Boden angesagt. Nur so erklingen die kleinen elektrostatischen Lautsprecher, die wir zur Begrüßung hören dürfen, in voller Pracht. Die Stax F-81 wurden, typisch japanisch, für bodennahen Musikgenuss konstruiert. Eine vertikale Anwinkelung des Flächenstrahlers für europäische Sitzriesen im Sessel bringt keinerlei klangliche Vorteile, ganz im Gegenteil.

Mit einem Kopfhörer wiederum darf man sich hinlümmeln, wie und wo man will. So wird auch im Liegen sofort hörbar, warum Herr K. den superb klingenden Stax Lambda Pro als seinen liebsten Kopfhörer nominiert hat. Doch Moment mal, „Stax baut doch gar keine Kopfhörer!“, sagt der Jazz- und Kammermusikfan vergnügt und deutet auf diverse „Earspeakers“ im selbst gebauten Phonomöbel. Dort tummeln sich zudem Verstärker aller Größen, DACs, Phonoentzerrer und etliche andere Stax-Perlen, von denen wir nie zuvor gehört haben. Selbst die beiden Plattenspieler obenauf sind staxifiziert: ein Revox B795 mit dem Tonabnehmer CP-Y II, ein Simon Yorke Zarathustra S4 mit dem Stax-Tonarm UA-9. (Ein Technics SP-10 Mk II wird gerade im Nebenraum für einen UA-7-Tonarm vorbereitet, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.)

Die meisten der Stax-Preziosen fanden als Schnäppchen den Weg zu Herrn K., so auch ein ausgesprochen hässlicher, aber wohlklingender CD-Player: Der CDP Quattro II füttert einen Verstärker Stax SRM Monitor, der wiederum einen Stax Sigma Pro versorgt. Der SRM Monitor wurde 1988 gemeinsam vom Institut für Rundfunktechnik (IRT, München) und Mercedes-Benz zur professionellen Geräuschforschung entwickelt. Diese „Driver Unit with Equalizer for Earspeakers“ ist zwischen Diffusfeld- und Binaural-Entzerrung umschaltbar und kann zwei Schallmützen parallel versorgen. Am SRM Monitor läuft der im historischen Kontext passende, gnadenlos brikett-ähnliche SR Sigma Pro (Bild) zur Hochform auf – und ein älterer SR Lambda Pro klingt schlicht hinreißend! Um ehrlich zu sein, hat mich bisher noch kein Stax-Kopfhö… Kopflautsprecher spontan so begeistert, aber das nur am Rande.

Herrn K.s Einstieg ins Thema war übrigens ein Sennheiser HD540 Reference Gold. Doch als er zu Beginn der 1990er „seinen“ ersten Stax hört, ist er sofort angefixt und folgt seither den legendären Japanern. Was ihm (derzeit) noch fehlt? Spontan fallen ihm eher Kleinigkeiten ein, etwa eine Entzerrerkarte für das CP-Y II im SRA-14S oder jemand, der ihm mit Ersatznadeleinschüben für das System weiterhelfen kann; dicke Monoblöcke à la DMA-X1 sind ja selbst in schlechtem Zustand praktisch unbezahlbar. Nur gut, dass es aus dem Hause Stax weder UKW-Tuner noch Saxofone gegeben hat.

 

Kopfhörer
Stax Sigma Professional
Premiere: 1987

 

Kopfhörerverstärker/Entzerrer
Stax SRM Monitor
Premiere: 1988
Besonderheiten: schaltbare Diffusfeld-Entzerrung

 

www.stax.co.jp
www.audiotra.de

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