Classidelity: Bit für Bit Musik

 

Bei HighResAudio gibt’s die guten Daten!

Neugierig habe ich erstmals auf www.highresaudio.com gestöbert und exemplarisch einige Alben in HD ausgewählt, die sich auch als Silberscheibe in meinem Fundus befinden; so lässt sich die Qualität bestens einschätzen. Übrigens kann man auf der HighResAudio-Website einen eigenen Downloadmanager herunterladen, der nach Eingabe der persönlichen Daten alle Einkäufe zuverlässig und unauffällig im Hintergrund auf den Rechner zieht, ohne dass man sich darum noch extra kümmern müsste – sehr bequem.

Mahler 9

Mahler 9, Riccardo Chailly
Decca, Flac 24/96

Das Amsterdamer Concertgebouw Orkest hat eine enge Beziehung zu der Musik von Gustav Mahler – nicht zuletzt wegen der vielen auf eben diesen Komponisten spezialisierten Chefdirigenten, aber auch wegen der vielen Musiker, die Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen Wien und Amsterdam pendelten. Schon der Beginn von Riccardo Chaillys Deutung der Neunten Sinfonie besticht durch Eigenständigkeit und innere Logik: Er meidet noch das Verstörende, um zuerst eine Atmosphäre der Geborgenheit zu installieren, aus der heraus der folgende Abschied von der Harmonie und vom Leben umso erschütternder wirkt. Das Orchester klingt farbiger und in den Gruppen individueller als viele andere moderne Klangkörper. Zum Glück ist man wenigstens hier noch weit vom glatten, international kompatiblen Hochglanzprodukt entfernt. Im Vergleich zur CD wirkt der Klang weiter, entspannter, im ersten Moment weicher. Die scheinbare Dynamik der CD entpuppt sich nach längerem Hören aber als Grobheit, mitunter sogar als Störung.

caine gershwin rhapsody

Gershwin – Rhapsody In Blue
Uri Caine, winter&winter, Flac 24/176,4

Ähnliches erlebe ich bei einer weiteren Perle des Angebots: Uri Caines Version der Rhapsody In Blue. Er beraubt die musikalische Idee Gershwins der orchestralen Form und führt sie mit teils zufällig wirkenden Arrangements und immer wieder rauen Klängen zu ihren Ursprüngen zurück. Absolut faszinierend, wie selbstverständlich dieses Stück amerikanischer Konzertliteratur seine Kleider wechselt – als wäre es genau so komponiert worden. Auf CD wirkt es etwas kantiger, die FLAC-Files offenbaren dagegen – über den gleichen Wandler – ein deutliches Mehr an Raumtiefe, feinst differenzierten Klangfarben und rhythmischen Nuancen. Über die hohe Auflösung erschließt sich einfach leichter, wie Caine seine Töne auf die Zeitachse setzt – so absurd das vielleicht auch klingen mag.

Genau diese Fülle an Farben kommt auch bei Marina Prudenskajas Venus zum Tragen. Hier schlägt die große Stunde des Downloads (Wagner, Tannhäuser). Wir verzeihen ihr Schwächen bei der Textverständlichkeit, da sie uns mit einem Übermaß an Eros betört. Und die vielen kleinen Zwischentöne, derer sie sich dazu bedient, kommen via FLAC bestens zur Geltung. Janowski geht vielleicht ein wenig zügig durch die Partitur, gönnt sich und seinen Mitstreitern nur wenige Pausen. Dafür wirken die Momente des Innehaltens umso intensiver. Insgesamt eine klar strukturierte Lesart, die sich wohltuend von dem alten Weihrauch-Zirkus absetzt und wohl nur denjenigen wirklich missfallen wird, die lieber ihre Vorurteile über Wagners Musik pflegen, als die Partituren einmal auch nur ansatzweise zu durchdringen.

Weitere dicke Empfehlungen meinerseits bei HighResAudio sind derzeit: Keith Jarretts Somewhere, Violinkonzerte von Bruch, Chausson und Korngold mit Arabella Steinbacher sowie Bartóks Herzog Blaubarts Burg – und noch so viele mehr … Ich werde berichten.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 8 (4/2013)

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