Westend Audio Systems Monaco – Gänsehautgenerator

Schon gewusst? Lustvolles Musikhören hat besonders viel mit Röhren zu tun. Und mit mächtig Power!

Westend Audio Systems MonacoNicht zu fassen! Da kommt doch dieser kleine, strubbelige Röhrenverstärker einfach hereinspaziert und verbreitet gleich zum Einstieg richtig gute Laune. Vor versammelter Runde putzt er den renommierten Transistor-Amp in seiner frechen, handfest-sympathischen Art glatt vom Rack. Und das auch noch an Lautsprechern, die eigentlich gar nicht für Röhrenbetrieb ausgelegt sind, die – ganz im Gegenteil – vielmehr für Röhrenverstärker gänzlich ungeeignet schienen. Zugegeben, das aufrüttelnde Underdog-Erlebnis war mit jener rotzfrechen Rock’n’Roll-Röhre durchaus schon in Aussicht gestellt worden, aber gute Güte, was wird nicht alles erzählt, wenn der Tag lang und der Lötkolben heiß ist. Da ist es dann immer so eine Sache mit den „Aussichten“, oder in diesem Fall: mit der Ansicht. Denn ganz ehrlich, das sichtbare Ergebnis monatelanger Tüftlerarbeit war rein gar nichts für Ästheten, sondern ein Prototyp alter Schule, im kruden Blechgehäuse hastig zusammengenagelt. Entscheidend jedoch war ja nicht die Optik, sondern das, was hier zu hören war. Und das, Herrschaften, war nun wirklich vielversprechend …
Ja, nicht nur in puncto Optik und Anmutung hat sich jede Menge getan seit jenem denkwürdigen Tag im Jahre 2008 – der Tag, an dem auch Stefan Trog zum ersten Mal Kontakt mit dem Röhrenverstärker seiner heimlichen Träume hatte. Er spürte angesichts der tollen Performance des Underdogs, dass sich auf dieser Basis wohl ein bisher nicht erfüllter Traum („ein Röhrenverstärker, bei dem ich wirklich nicht mehr nachdenken muss, welchen Lautsprecher ich dranhänge“) konkretisieren und realisieren lassen würde. Trog beschloss an diesem Tag, sich darum zu kümmern, dass sich dieses Potenzial auch nach außen sichtbar manifestieren würde. Und im Rückblick war es genau so: Ein Verstärkerprototyp erscheint quasi unrasiert zum Vorsingen, räumt mit Stimme, Kraft und Dynamik den Hauptpreis ab und legt damit den Grundstein für die Entwicklung des prächtigen „Monaco“ – damit einhergehend auch die Gründung der Manufaktur Westend Audio Systems.
Stefan Trog stellte damit seine unerschütterliche Unterstützung für die Weiterentwicklung und Fortbildung unter Beweis. Er war jedenfalls von dieser klanglichen Performance so fasziniert, dass sich bei ihm schnell konkrete Wünsche und Ideen einstellten, wie der Traumverstärker mit ordentlich Röhrenpower letztlich aussehen sollte. Und natürlich auch, wie sich die bisherige Performance noch steigern sollte. Der Prototyp beispielweise war noch mit EL34 bestückt und lieferte rund 40 Watt pro Kanal – eine respektable Leistung, aber noch lange kein Kraftprotz. Konsequenterweise gilt auch in dieser Ecke der High-End-Szene, dass hohe Leistung durch nichts zu ersetzen ist. Außer durch noch mehr Leistung. Nur zur Erinnerung: Trog hatte als mögliche Spielpartner ja keineswegs nur empfindsame Hochwirkungsgrad-Lautsprecher im Visier, sondern auch und insbesondere all jene „Real World“-Schallwandler, die üblicherweise mit Transistor-Amps am besten zurechtkamen. Trog schwor sich, das zu ändern und holte nach und nach genau die Experten an Bord seines jungen Unternehmens, die mit ihm am gleichen Strang ziehen wollten.
Westend Audio Systems MonacoUnter all den Namen, die in diesem Zusammenhang genannt werden können, fällt einer ganz besonders auf. Selbst Szenekenner bringen ihn nicht mit historischer Röhrentechnik in Verbindung, sondern sortieren ihn zielsicher beim genauen Gegenteil ein: Günter Mania. Der Audio-Entwickler, bereits in den frühen 1980ern für seine High-End-Transistorschaltungen bekannt und Mitgründer von AVM, hatte ebenfalls Röhren-Blut geleckt. Das Klangvergnügen, das eine wirklich gute Röhre trotz keineswegs überlegener Messwerte hörbar bereiten kann, hatte ihn zunächst selbst überrascht, so Günter Mania im Gespräch. Keine Frage: Der neu entdeckte Spaß am Röhrenhören brachte in dem zuvor unnachgiebigen Halbleiter-Verfechter eine bisher unbekannte Seite zum Vorschein. „Ja, Röhren sind faszinierend!“
Trog und Mania waren sich schnell einig. Seit seiner ersten intensiven Hörprobe des Glaskolben-Amps kümmert sich Mania um die penible Umsetzung aller technischen Anforderungen an den Monaco, aber auch um absolute Betriebssicherheit und sämtliche Bequemlichkeiten, die von modernen prozessorgesteuerten Schaltungen wohl erwartet werden dürfen.
Moment mal, Prozessorsteuerung? In einem Röhrenverstärker? „Aber selbstverständlich“, sagt nun Gerhard Weber, ein weiterer entscheidender Name bei Westend Audio Systems. Weber bringt sich in das gemeinsame Unternehmen nicht nur als erfahrerener Konstrukteur für die mittlerweile überragende Verarbeitung ein, Trogs Kompagnon achtet auch sehr auf die sogenannte „Usability“. Mithin auf alles, was der neuzeitliche Mensch von einer modernen Musikmaschine erwarten darf. Ja, auch und insbesondere von einem Röhrenverstärker der Neuzeit. Also umfasst die Ausstattung des Monaco beispielsweise eine extraschwere Vollmetall-Fernbedienung, aber eben auch zahlreiche Automatik- und Sicherheitsfunktionen, vom sanften Hochfahren der Röhren bis zum automatischen Bias-Abgleich per Prozessorsteuerung, um das Schmuckstück in praktisch jede beliebige HiFi-Anlage einbinden zu können.
Wir merken uns: HiFi-Historie und High-End-Moderne müssen sich keineswegs ausschließen. Wie der aktuelle Monaco lustvoll beweisen will. Er steht uns in einem Bicolor-Gehäuse zur Verfügung und scheint nur darauf zu warten, sich endlich auch musikalisch gebührend in Szene zu setzen. Bevor es aber losgeht mit dem Musikhören noch ein paar Worte zur mechanischen Konstruktion, die schlichtweg superb ausgeführt ist. Das unglaublich massive Gehäuse besteht beispielsweise aus übereinandergeschichteten Aluminium-Frästeilen, die in allen möglichen Eloxalfarben lieferbar sind und in Verbindung mit den dünneren, auf Wunsch andersfarbigen Zwischenschichten reizvolle Kontraste zum ohnehin aufsehenerregenden Äußeren dieser „Röhrenburg“ beisteuern. Die in Front und Rückseite eingelassenen Montageplatten tragen sämtliche Bedienungs- und Anschlusselemente und sind ebenfalls in allen möglichen Oberflächen lieferbar. Dass es sich bei den Drehknöpfen auf der Front um massives Metall und bei allen Buchsen um allerfeinste High-End-Ware handelt, versteht sich beim Qualitätsanspruch der Münchner Manufaktur wohl von selbst.
Und damit erlösen wir den wartenden Monaco aus seiner Lauerstellung. Zur Erinnerung: Er soll sich „ohne Nachdenken“ mit allen nur denkbaren Lautsprechern vertragen und darf auch nicht verschreckt zurückzucken, wenn ihn jemand bedient, der noch nie zuvor etwas mit Röhren-Amps zu tun hatte. Dieser Jemand sollte jetzt einfach mal den Netzschalter auf der Rückseite betätigen und dann ein paar Schritte zurückgehen. Nicht aus Sicherheitsgründen (der Monaco ist absolut betriebssicher), sondern vielmehr aus Unterhaltungsgründen. Denn während sich der Amp von null auf hundert (Watt pro Kanal) fährt, läuft auf der Front eine LED-Show der Extraklasse ab. Sie stellt insbesondere den Lautstärkesteller mit seinem Lichterkranz (die Farbe der LEDs ist übrigens ebenfalls wählbar) in den Vordergrund. Eine kurze, aber imposante Einstimmung auf das Kommende: Bereits nach etwa einer halben Minute ist der Monaco voll einsatzbereit – und wie!


Westend Audio Systems hat offensichtlich nicht zu viel versprochen: Der Monaco treibt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, jeden beliebigen Lautsprecher, den wir finden können, zur persönlichen Bestleistung. Sogar die Manger P1, eine veritable Herausforderung für jede Röhre, meistert der bärenstarke Münchner praktisch mit links. Mit der KEF Blade 2, die ich zwischendurch (nicht ganz zufällig) für ein paar schöne Stunden zur Verfügung habe, lässt er dermaßen sauber Klangfarben, Räume und auch Basslagen erblühen, dass es die reine Freude ist. Dieser wunderschöne Lautsprecher verschwindet akustisch ganz und gar hinter der Musikauswahl. Einfach faszinierend, wie impulsstark und schnell der bärenstarke Monaco die anspruchsvolle Britin mit ihren vier Basstreibern doch im Griff hat! Ganz ähnliche Erfahrungen, was die harmonische, zugleich präzise Ausleuchtung aller Dimensionen von Raum und Zeit betrifft, erlebe ich mit bewährten Schallwandlern aus dem Hause Stereofone oder Tannoy, auf Wunsch auch in gar beängstigend stabiler Dynamikentfaltung. Es ist wirklich der Hammer!
Liegt es am serienmäßig eingesetzten Endstufenröhren-Quartett vom Typ E130L (siehe auch Extrakasten)? Die neuen, sorgfältig gefertigten Gläser stammen aus aktueller Western-Electric-Produktion, sind also tatsächlich made in USA, während praktisch alles andere an und in diesem Verstärker in Deutschland für Westend Audio maßgefertigt wird. So auch die erstklassigen Übertrager, die offenbar extrem breitbandig und extrem belastbar ausgelegt sind. Wie sonst sollte ein Röhrenverstärker dieses Kalibers so herrlich durchhörbar sein, dabei scheinbar völlig mühelos die Muskeln spielen lassen können und überhaupt wie ein ganz, ganz Großer auftreten? Offenbar läuft die historische, aber stark modifizierte Push-Pull-A/B-Schaltung, die hier im Monaco zum Einsatz kommt, derart verzerrungsarm, dass sich der Amp tatsächlich vor nichts und niemandem zu fürchten hat. Er verbindet die unbändige, wie entfesselt wirkende Kraft und Beharrlichkeit eines hervorragenden Halbleiter-Verstärkers mit dem ganz zarten harmonisierenden Flair einer großen, wirklich großen Röhrenendstufe. Und das alles ist verpackt in einem mehr als ansehnlichen, angesichts der enormen Leistung eigentlich schon kompakt zu bezeichnenden Gehäuse. Das glauben Sie nicht? Kein Problem, ich hatte es zunächst ja auch nicht geglaubt. Aber derzeit beschert mir der Monaco von Westend Audio möglicherweise ganz ähnliche Momente des Nackenkribbelns, wie ihn Stefan Trog damals auch erlebte. Auf meine Frage nach dem großen „Warum“ sagt Trog übrigens: „Weil Röhren einfach besser klingen!“ Und beweist mit dem Westend Audio Monaco, dass solche Träume(reien) auch wahr werden können.

 

E130L oder 7534 – von Erich Engel

E130L oder 7534 – Wiedergeburt einer Langlebensdauer-Röhre mit engen Toleranzen

Westend Audio Systems MonacoDiese Röhre war die erste europäische Leistungspentode, bei der sowohl Steuer- als auch Schirmgitter als Spanngitter ausgeführt sind. Spanngitter sorgen für sehr geringe Exemplarstreuungen und hervorragende lineare Verstärkungswerte. Dadurch wird neben einer sehr hohen Steilheit (fast 30 mA/V) auch ein sehr geringer Schirmgitterstrom (nur ca. 25 mA) erzielt. Die Steilheit ist das direkte Maß für den Verstärkungsfaktor, der niedrige Schirmgitterstrom sorgt für eine äußerst lineare Kennlinie. So diente diese Röhre besonders in Breitbandverstärkern als universelle Leistungsröhre, denn sie arbeitet auch bei sehr hohen Frequenzen Westend Audio Systems Monacostabil und linear. Sie wurde etwa in der Ultraschalldiagnostik für die Untersuchung von Werkstoffen eingesetzt, aber auch in Audio-Gegentakt-Endstufen, die im A/B-Betrieb arbeiten. Der sehr geringe Innenwiderstand ermöglichte es sogar, transformatorlose Endstufen zu bauen. Eine weitere Anwendung fand die E130L oder 7534 als Längsröhre für die elektronische Spannungsstabilisierung in Netzgeräten, insbesondere bei sehr empfindlichen Messgeräten. Sie liefert einen hohen Spitzenstrom von bis zu 1,5 A und ist daher als Röhre in Verstärkern für sehr hohe Dynamik besonders geeignet. Wenn es darauf ankommt, hat sie sogar eine Impuls-Spitzenleistung von bis zu 1,2 kW!
Heute fertigt Western Electric die 7534 mit geradezu sagenhafter Serienkonstanz ausschließlich für das Militär. Laut Eigenaussage ist Westend Audio der einzig lizensierte Anwender aus dem Audiobereich.

 

Westend Audio Systems Monaco
Röhrenvollverstärker

Leistung (8/4Ω): 2 x 100 W
Röhrenbestückung: 4 x E130L (7534), 4 x ECC82
Eingänge: 2 x symmetrisch (XLR), 3 x unsymmetrisch (Cinch) oder 5 x symmetrisch (XLR)
Ausgänge: 1 Paar Lautsprecher (Schraubklemmen), 2 x Line Out (fixed/variabel, XLR)
Besonderheiten: prozessorgesteuerter Auto-Bias für die Leistungsröhren, Softstart, Fernbedienung, Ein-/Ausschaltautomatik (abschaltbar), USB-Buchse für optionales Display und Software-Upgrade, LED-Helligkeit einstellbar, LED-Farbe wählbar
Ausführungen: Gehäuse und Frontplatte serienmäßig in allen Eloxalfarben lieferbar, optional gegen Aufpreis in Chrom oder 24-Karat-Hartgold
Maße (B/H/T): 47/23/38 cm
Gewicht: 43 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (Röhren 6 Monate)
Preis: ab 16000 €

 

Westend Audio Systems
Karwendelstraße 7
86932 Pürgen
Telefon 08196 9989318

 

www.westendaudiosystems.de

 

Mitspieler
Plattenspieler: Clearaudio Innovation, EnVogue Astra
Tonarme: Clearaudio Universal, Nottingham Analogue AnnaArm 12“
Tonabnehmer: Clearaudio Concept MC, Clearaudio Da Vinci V2, Ortofon MC30 Mk II
MC-Übertrager: Audio Note S2
Phonoverstärker: Clearaudio Absolute Phono, Pro-Ject Phono Box RS
Musicserver: Burmester 151
CD-Player: Audio Note CDT-3, Soulution 541
DAC: Audio Note DAC 3
Lautsprecher: KEF Blade 2, Manger P1, Stereofone Dura, Tannoy Definition DC8 Ti
Kabel: Audio Note, HMS, Vovox
Netzfilter: Emiral, IsoTek
Zubehör: Subbase Audio Composant S, Ècho LS und Ebony, LignoLab TT100 und „Die Bank“

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