Bang & Olufsen BeoLab 90 – Das Geschenk

Die Bang & Olufsen BeoLab 90 räumt auf – Digitalpower trifft auf Handwerkskunst, Design auf „genug Leistung“ – und schwupp, weg ist der Raum!

Bang & Olufsen feiert Geburtstag: mit einer klingenden Skulptur, vollgepackt mit Technik. Solvente Design-Fans und betuchte Audiophile dürfen sich beim BeoLab 90 auf handfeste Überraschungen freuen. Der digitale Vollaktiv-Lautsprecher tauscht auf Knopfdruck die Akustik des Wohnzimmers gegen den akustisch besten Platz im Tonstudio aus.

Selbstverständlich ist die Präsentation durchgestylt und perfekt organisiert. Bei Bang & Olufsen kennt man sich aus mit guter Gestaltung. Gerade bringt Tue Mantoni, der B&O-Chef, die drei wichtigsten Grundsätze des Unternehmens in Erinnerung: Klangqualität, Design und Handwerkskunst. Als zum Höhepunkt der Präsentation sprichwörtlich der Vorhang fällt, tritt der BeoLab 90 ins Rampenlicht, mit dem Bang & Olufsen – gegründet am 17. November 1925 – seinen 90. Geburtstag feiert: eine klingende Skulptur, ein Nonplusultra-Lautsprecher, der es mit den allerbesten der Welt aufnehmen soll.
Beim BeoLab 90 stand zwar nicht die äußere Hülle an erster Stelle der Produktentwicklung. Dennoch ist er aufregend gestaltet, elegante Stoffsegel und markante „Aluminiumkronen“ umspielen seine imposanten Maße. Der BeoLab 90 sieht vor allem in natura aus allen Winkeln einfach faszinierend aus. Doch es steckt mehr hinter den akustisch transparenten, vom Architekten Frei Otto inspirierten Stoffsegelflächen, als selbst bei eingehender Betrachtung zu erahnen ist. Zum Beispiel ein geometrisch höchst komplexes, aus Aluminium gegossenes Grundgehäuse, auf dem ein kleineres Modul für den Mittel- und Hochtonbereich sitzt.

Die drei Grundsätze des Unternehmens von der dänischen Westküste: Klangqualität, Design und Handwerkskunst

B&O hat seit dem Startschuss zu diesem Referenzprojekt (im Jahre 2012) keineswegs nur am Äußeren getüftelt. Ganz im Gegenteil. Den Ingenieuren und Designern von der dänischen Westküste ist es gelungen, hier einen schier unglaublichen Materialeinsatz mit extremer Digitalpower zu verheiraten. Dabei ist ein Lautsprecher entstanden, der im Prinzip nichts weniger als den Begriff „Raum“ neu definiert. Der BeoLab 90 blendet sinngemäß die (meist suboptimale) Akustik des Wohnzimmers aus und verwandelt es stattdessen in ein vorzügliches Tonstudio, akustisch gesehen. Auf Fingerzeig, via App oder Fernbedienung.
Wie schafft der BeoLab 90 die akustische Verwandlung eines „vorhandenen“ Raumes? Natürlich funktioniert der Lautsprecher vollaktiv, hier aber mit einer wohl beispiellosen Rechen- und Verstärkerleistung und überhaupt mit einem schier unglaublichen Aufwand realisiert. So umfasst der knapp 140 Kilo schwere Schallwandler nicht weniger als 18 (!) Chassis, die allesamt vom renommierten Spezialisten Scan-Speak stammen. Jeder der 18 Treiber wird von eigens entwickelten Verstärkermodulen direkt befeuert, diese wiederum werden von zwei mächtigen DSPs aus dem Hause Analogue Devices gesteuert. Auf diese Weise stehen dem geneigten Musikhörer gut 8000 Watt an maximaler Verstärkerleistung zur Verfügung – pro Einheit. Das allerdings nur, wenn jeder BeoLab 90 am eigenen Stromkreis nuckeln darf, sonst reduziert sich die verfügbare Leistung automatisch um etwa die Hälfte. Was ja immer noch ganz ordentlich ist.


Das Beste jedoch ist nicht die Rolls-Royce-mäßige Leistungsangabe („ausreichend“), sondern die Möglichkeit, den BeoLab 90 ganz individuell auf den persönlich gewählten Hörplatz im Wohnzimmer einzumessen. Vollautomatisch, versteht sich. Wobei die beiden Lautsprecher auch noch untereinander kommunizieren, um gemeinsam das gewünschte Ergebnis zu perfektionieren. B&O nennt dieses Verfahren „Active Room Compensation“ und konnte dazu seine gesammelten Erfahrungen mit dem bisherigen Spitzenmodell BeoLab 5 einbringen und verfeinern.
Für eine erstklassige Performance ist es nach dem Einmessen übrigens keineswegs nötig, im üblichen Sweetspot zu sitzen – was für einen „klassischen Highender“ wohl schwer zu akzeptieren ist. Denn der BeoLab 90 wurde auch entwickelt, um sich im wahrsten Sinn des Wortes nach seinen Besitzern zu richten: Durch die exakt kontrollierbare Abstrahlung einzelner Treibergruppen kann dieser Lautsprecher den Schall exakt auf seine(n) Zuhörer „zielen“, und zwar so präzise, wie es kein konventioneller passiver Lautsprecher hinbekommt. Er kann auf Wunsch aber auch „breiter streuen“, wenn etwa mehrere Personen gleichzeitig auf hohem Niveau Musik hören wollen. Als dritte Option der sogenannten „Beam Width Control“ steht mit „omni“ noch eine Art „Party-Modus“ zur Verfügung; dann befeuert der BeoLab in einer weniger präzisen Rundumabstrahlung fröhlich den ganzen Raum. Damit immer erkennbar ist, in welchem Modus der 90er sich gerade befindet, wird der jeweils aktivierte Abstrahlwinkel über einen dezenten LED-Ring auf dem obersten „Segel“ auch optisch dargestellt. Eleganter geht es nicht.

Die Produktion des BeoLab: verzahnte Mixtur aus Hightech und Handarbeit

Am eindrucksvollsten ist die Illusion eines geradezu holografisch durchhörbaren Raums natürlich im sogenannten „Narrow Mode“. In diesem Modus blendet der Lautsprecher die störenden Einflüsse der vorhandenen Raumakustik am stärksten aus und erzeugt in einem schmalen horizontalen Feld von etwa 45 Grad eine nachgerade perfekte Illusion des Geschehens auf der virtuellen Bühne. Hierzu darf ich Geoff Martin zitieren. Der Kanadier wird von B&O als „Tonmeister“ angekündigt, ist Doktor für Musik und Technische Akustik und seit ein paar Jahren oberste Instanz für den Klang von B&O-Produkten. Er ist der entscheidende „Akustiktrimmer“ für das Sound Design von B&O. Ganz nebenbei ist Geoff Martin aber auch ein höchst unterhaltsamer Erklärer, der selbst komplizierteste Technik verständlich darstellen kann. So schafft er es bei der Vorabpremiere, die sagenhaft komplexe Konstruktion des BeoLab 90 in nur wenigen Minuten aufzuschlüsseln und geradezu bildhafte Situationen einer mehr oder weniger audiophilen Praxis zu beschreiben.


Noch viel spannender als jeder Expertenvortrag ist jedoch „aufm Platz“, also der Einsatz im tatsächlichen Wohnzimmer. Der erste intensive Hörtest mit dem BeoLab 90 findet mit unterschiedlichstem Musikmaterial statt, gespielt über ein Pärchen in einem keineswegs perfekten Umfeld. Doch das eingemessene System klingt – sei es mit durchsichtig musizierendem Barockensemble oder Rage Against The Machine, mit Jennifer Warnes oder Tower Of Power – absolut spektakulär, nämlich echt. Mit aktiviertem Narrow Mode und im Sweetspot sitzend, verliere ich bei jedem Track schon nach wenigen Sekunden den Eindruck, es mit einer Musikkonserve zu tun zu haben, fühle mich unmittelbar in die Performance der Künstler integriert. Ja, dieser Schallwandler klingt nicht einfach „groß“, wie es viele andere großvolumige Lautsprecher ja auch können, oder gar brutal, sondern faszinierend holografisch. Wie eine betörende Mischung aus winzigem Koax-System mit praktisch unbegrenzter Basspotenz, wie ein extrem gutes Horn mit perfekten Manieren … Jedenfalls scheinen die Musiker, die hier so greifbar im Raum stehen, nicht das Geringste mit den Skulpturen rechts und links zu tun zu haben. Wie gesagt: faszinierend!
Nun wird mir auch klar, warum alle Beteiligten bei B&O so stolz auf den BeoLab 90 sind. Ein derart intensives, zum Greifen echt wirkendes und auch emotional berührendes Musikerlebnis hätten sich wohl selbst Hardcore-Fans der Marke nicht vorstellen können. Und die audiophile Gemeinde erst recht nicht – nein, auch nicht zu diesem Preis. Zweifacher Glückwunsch an B&O!
Ein Lichtblick für alle, die gerade keine 70 000 Euro für ein Pärchen BeoLab 90 lockermachen können oder wollen: Bang & Olufsen hat schon angekündigt, in abgespeckter Form auch kleinere, erschwinglichere Modelle aus dem neuen Flaggschiff ableiten zu wollen.
Und ich frage mich schon jetzt, was das dänische Vorzeigeunternehmen wohl zum richtig runden Geburtstag in zehn Jahren realisieren will …

Bang & Olufsen BeoLab90 Navigator

Bang & Olufsen BeoLab 90

Funktionsprinzip: digital gesteuerter Aktivlautsprecher
Eingänge analog: symmetrisch (XLR), unsymmetrisch (Cinch)
Eingänge digital: USB Audio, S/PDIF (bis 24/192), Toslink (24/96)
Eingänge Wireless: WiSA (24/96) Power Link (bis 24/48)
Interne Signalverarbeitung: 2 x Analogue Devices ADSP-21489
Samplingrate: 192 kHz
Bestückung: 4 x Tieftöner (3 x 21 cm, 1 x 26 cm ø), 7 x Mitteltöner, 7 x Hochtöner, alle von Scan-Speak
Verstärkerleistung: 4 x 1000 W für die Tieftöner, 14 x 300 W für Mittel- und Hochtöner
Gesamtleistung: ca. 8200 W pro Einheit, automatische Leistungsreduzierung bei gemeinsam genutztem Stromkreis
Besonderheiten: automatische Anpassung an die Raumakustik („Active Room Compensation“), umschaltbare Abstrahlcharakteristik („Beam Width Control“: narrow/wide/omni = 45°/90°/360°) und Ausrichtung („Beam Direction Control“); thermische Überwachung und Vorauskorrektur aller Bauteile
Ausführung: Aluminium, Textilbespannungen, Holzpaneele
Maße (B/H/T): 74/126/75 cm
Gewicht: 137 kg
Garantiezeit: 3 Jahre
Paarpreis: 70 000 €

 

Bang & Olufsen Deutschland GmbH
Dr.-Carl-von-Linde-Straße 2
82049 Pullach

 

www.bang-olufsen.com

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