Jazzidelity: Lajos Dudas Trio – Live At Porgy & Bess

 

Klarinettenzauber

Schon Mozart liebte sie über alles, für die Romantiker war sie „in Liebe zerflossenes Gefühl“. Die Klarinette ist wirklich ein besonderes Instrument, von magischer Seele, unendlich warm im Ton, fließend in der Dynamik, in der Höhe aber scharf und entschlossen, sogar ins Mark schneidend. Im Jazz hatte sie ihre große Zeit als Solo-Instrument der Swing-Ära – das ist lange her. Lautstärke und Struktur des modernen Jazz begünstigten dagegen eindeutig das Saxofon. Auch Lajos Dudas hat früher zuweilen Saxofon gespielt, in Jazzclubs und auch im klassischen Konzert. Aber seine Liebe gehört zweifellos dem schwarzen Zuckerstab. „Damals gab es viele gute Saxofonspieler“, erinnert sich der heute 72-Jährige an die alten Zeiten, „und ich wollte nicht einer von vielen sein. Ich wollte zu der Handvoll der Besten gehören und wusste: Das kann ich nur mit der Klarinette erreichen.“

Dudas-Trio

Lajos Dudas Trio – Live At Porgy & Bess
CD/Jazzsick

Fast vier Jahre alt wurde der Konzertmitschnitt aus Wien, ehe er jetzt doch auf CD erschienen ist. Er war einfach zu gut, um vergessen zu werden, zu intensiv, zu konzentriert. Live at Porgy & Bess kommt gedämpft daher, unverfälscht, bescheiden – und ist doch voller Zauber und Temperament. In den Fünfzigern hat ein Jimmy Giuffre diese kleine, intime Instrumentierung erfunden – nur Klarinette, Gitarre, Bass. Sie erlaubt dem Bläser auch die leisesten, feinsten, zerbrechlichsten Töne. Dort, wo die Klarinette fast verstummt, wird ihr Hauch zu reiner Magie. Dort, wo sie mit einem kleinen „Krechts“ ins obere Register springt, bleibt einem leicht der Atem weg. Lajos Dudas spielt mit unseren Herzen.

Wenn er, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, auf seiner Selmer-Klarinette losswingt, hat das so gar nichts Nostalgisches oder Derbes an sich, selbst wenn er mal einen alten Standard spielt. Der Ungar ist vielmehr ein Hexenmeister der weichen Nuancen, der blühenden Läufe, der modern aufflackernden Phrasen, der endlos aus sich selbst sprudelnden Fantasie. Sein riskantes Spiel zwischen Tradition und Avantgarde swingt bedingunglos – und scheint zugleich die Dynamik und Ausdruckswelt des Jazz ständig um neue Zwischentöne zu bereichern. Dudas’ Meisterschaft besteht in dieser kontrollierten, feingestrickten Virtuosität, die nie auftrumpft. Leise, mutig, mitreißend. Philipp van Endert (Gitarre) und Leonard Jones (Bass) unterstützen den starken Eindruck, indem sie die schönsten leisen Töne suchen. Ein Seelenjuwel.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 7 (3/2013)

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