Dream Theater – Dream Theater

 

Pompöses Feuerwerk

Ihr erstes Album erschien vor, Moment mal, 25 Jahren, also in inzwischen archaischer Zeit. Mit ihm kam damals dieser Tonfall frisch in die Welt: Progressive Metal, diese Mixtur von Speed, Heaviness und Komplexität, dieses eigenwillig ambitionierte „Traumtheater“ des Rock. Ständige Taktwechsel, zwischengeschaltete Fünfer- und Siebener-Metren, donnernde Metal-Riffs, übermenschliche Breaks und intergalaktisch schnelle Soli: Das ist Dream Theater. Sie haben dieses Frickelig-Virtuose, das immer ein wenig an nerdige Fusion-Jazzer denken lässt. Die melodischen Einfälle dagegen bleiben oft schlicht, unauffällig, zweitrangig – aber ein Sänger wie James LaBrie macht das wett durch Fluss und Timbre.

dream theater

Dream Theater – Dream Theater
CD/Roadrunner

Einfach nur Dream Theater heißt ihr 13. Studioalbum. Es ist eine nüchterne Besinnung auf den eigenen Kern, die bewährten Grundtugenden, den gemeinsamen Nenner aller vorausgegangenen Phasen. Man meidet Extremes und Überraschendes, man hält sich diesmal beinahe zurück; die meisten Stücke klingen nach DT-Maßstäben geradlinig bescheiden. Und doch ist alles da, was die Band auszeichnet: die harten Riffs und Schlagzeug-Salven, die rasanten komponierten und die ebenso rasanten improvisierten Läufe von Gitarre und Keyboards, die Tempowechsel, die Bass-Breaks, auch die Klassik-Gesten mit mancher Tschaikowsky-Anspielung. Wer DT kennt, ist in diesem Album sofort zu Hause. Wer den Anfang ihrer Geschichte vor 25 Jahren verpasst hat, kann hier einsteigen, um dann in der Zeit zurückzugehen – oder (hoffentlich noch lange) nach vorne in die Zukunft.

Dream Theater„False Awakening Suite“ heißt das erste Stück, eine kurze Ouvertüre mit dramatischen Streichern, synthetischem Chor, Metal-Schlagzeug und wirbelnder Gitarre. Dream Theater feiern sich selbst, pathetisch und pompös. Später auf dem Album wird es auch mal thrashiger, etwa in „Beyond The Veil“. Reichlich Platz für ihre grenzenlos scheinende Spieltechnik bietet der Instrumental „Enigma Machine“, ein supervirtuoses Feuerwerk, bei dem es erst nach über zwei Minuten ein erstes Durchatmen gibt. Das Beste aber kommt zum Schluss, im über 22-minütigen, fünfteiligen „Illumination Theory“. Hier strömt vieles zusammen, hier potenziert sich der Spaß. Hardrock-Riffs und Barock-Anleihen, orchestrale Spätromantik und Shuffle-Rhythmen schießen locker durcheinander oder ballen sich zu Motivhäufungen. Zeitweise klingen DT da fast wie die Emerson Lake & Palmer des Heavy Metal.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 11 (1/2014)

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