Tannoy Definition DC8 Ti Lautsprecher

Over the Tannoy …

… sagen Engländer sprichwörtlich, wenn sie etwas „über Lautsprecher“ hören.

Tannoy Definition DC8 TiBis ins Jahr 1926, als die Tulsemere Manufacturing Company in London gegründet wurde, reichen die Ursprünge von Tannoy zurück. Vor fast sechzig Jahren präsentierte man ein bahnbrechendes „Dual Concentric“-Koaxialchassis, das bis heute gebaut wird und den Weltruf des im schottischen Coatbridge ansässigen Unternehmens begründet. Nur sehr wenige HiFi-Hersteller können eine so lange Tradition und anhaltende Konstanz vorweisen. Und mir fällt keiner ein, der es wie Tannoy geschafft hätte, als Synonym in die Alltagssprache einzufließen. Tannoy ist die Nivea-Creme unter den Lautsprechern. Das klingt vielleicht nicht besonders aufregend, andererseits ist mir niemand bekannt, der an Nivea-Creme etwas auszusetzen hätte. Die ist genau so, wie sie ist, perfekt, und sollte nicht verändert werden.
Dasselbe könnte man auch vom DC-Koax denken, der selbstverständlich auch in der Definition DC8 Ti die Hauptrolle spielt. Trotzdem finden die Schotten immer wieder einen Weg, ihr legendäres Chassis kontinuierlich weiterzuentwickeln oder behutsam an Gehäusevorgaben anzupassen. Hier hat es die Form eines Achtzöllers mit Papierfaser-Membran und einen Druckkammer-Tweeter aus Titan mit kurzem Waveguide. Das T-Modell („T“ für „Tower“) erhält gegenüber der kompakten Standard-Acht Tieftonunterstützung von einem genauso großen Bass-Treiber, der in der zierlich sich nach hinten konisch verjüngenden Standbox 43 Liter Hubraum mit Bassreflex-Turbo nutzen kann. Wie zufällig passend zur grundsoliden und vernünftigen DC8 Ti, befindet sie sich in der hierarchischen Mitte der Definition-Reihe, welche wiederum von höherwertigen wie günstigeren Modellserien flankiert wird. Mit 6000 Euro ist sie für die meisten Liebhaber erschwinglich und in Anbetracht der piekfeinen Verarbeitung und kundigen Materialauswahl nicht zu teuer. Klanglich darf man bei Tannoy immer gespannt sein und wird fast nie enttäuscht.
Ein integrierter kubikmetergroßer Soulution 530 zerrte schon ungeduldig an seinem Standard-Netzkabel (wir wollen ja zumindest versuchen, auf dem Boden zu bleiben), während Cai Brockmann und ich die beiden DC8 leichthändig auf schwere Schieferbasen von Subbase Audio balancierten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, zu was die Schweizer Nobel-Elektronik brave, unschuldige Lautsprecher treibt: Sie fühlen sich plötzlich wild und frei. Ideale technische Bedingungen also. Was die Preisdiskrepanz zum siebenmal teureren Vollverstärker angeht, kann ich Sie nur an Soulution verweisen, falls die DC8 bei Ihnen nicht so klingen sollte, wie es meine Höreindrücke nahelegen: Vielleicht lassen die ja mit sich handeln.
Tannoy Definition DC8 Ti - Close-up: Tannoy baut seinen berühmten Koaxialtreiber als „Dual Concentric“ in zahlreichen VariantenIch habe die Tannoy Stirling schon ganz wunderbar an einer kleinen Unison-Röhre gehört, andere Erfahrungen lehren dennoch, dass Leistung an den britischen Schallwandlern mit professionellen Wurzeln nie zu viel, aber schnell zu wenig werden kann. Mindestens 125 Watt, eins ums andere ausgesprochen stattlich im Auftritt, die der 530 in jeden Kanal pumpt, lassen solche Bedenken aber gar nicht erst aufkommen. Schon die ersten vorsichtigen Akkorde, um die Vereinigung des Nottingham/EnVogue-Astra mit Soulution zu überprüfen, zeigen zwar nicht, wohin die Reise gehen wird, stellen aber klar, dass sie nicht langweilig zu werden droht. Selbst bei sehr moderatem Pegel swingt Ramon Morris’ Tenorsax schon schmissig und präsent. Das Nottingham-Laufwerk packt nicht so tatkräftig zu wie mein eigener Feickert Firebird, nichtsdestotrotz kann ich nachvollziehen, warum die englischen Dreher bei Audiophilen so hoch im Kurs stehen. Obwohl „nur“ ein Clearaudio Concept MC unterm Anna-Arm klemmt, platziert sich die exzellent besetzte Fusion-Band durchhörbar im Raum und schüttelt gelassen lässige Grooves aus den Rüschenärmeln. Volle Punktzahl für diese analoge Wiedergabe, die von einem ruhenden Pol aus mit ruhiger Hand und perfektem Timing agiert. Digital gegenüber wartet ein Soulution-SACD-Player (Modell 541), anscheinend nicht im Geringsten beeindruckt, bis seine Zeit gekommen ist.
Wie erste Regentropfen am Fenster zerplatzen scharf umrissene, vorsichtig abgeworfene synthetische Beats über und zwischen den Lautsprechern, ein eindringliches akustisches Gitarrenintro schließt die Wolkendecke und verbreitet Melancholie mit dem ersten Anschlag. Urplötzlich klebt die Kunstledercouch an mir wie ein gigantisches Karamellbonbon. Angesichts seiner Vorgeschichte als Sisters-Of-Mercy- und Mission-Frontmann interpretiert Wayne Hussey „With Or Without You“ unerwartet gefühlvoll, nicht mit der großen Geste eines Bono Vox, sondern zurückhaltend, zweifelnd und verzweifelt. Husseys Stimme ist warm und voll, einerseits von Empathie beseelt, andererseits auch spröde, entweder leer geweint oder doch ein wenig fremdelnd mit dem Songmaterial, und distanziert, aber gerade dadurch so authentisch. Die haarscharf abgezirkelte Steilvorlage des Soulution-Players nehmen die Koaxialtreiber der DC8 dankbar ohne hinzuschauen noch aus der Luft an und verwandeln traumwandlerisch. Ohne Zweifel sind akustische Instrumente und Stimmen im mittleren und oberen Frequenzband ihre Domäne. Gitarre und Gesang entfalten sich unbeschwert und in glaubhafter Größe mit ausnehmend gesundem Timbre. Jetzt geht es schon ums Ganze. Nicht nur so realistisch, sondern auch so gefühlt echt kann das nur eine Punktschallquelle wiedergeben, die neben der räumlichen auch die zeitliche Kohärenz beachtet. Mithilfe des in die Schwingspule integrierten 25-mm-Tannoy Definition DC8 Ti - Standfestigkeit vs. Schönheitspreis: Die Schotten haben sich für stabile Verhältnisse entschiedenKalottenhochtöners schafft Tannoy eine homogene Einheit von Ort und Zeit, alle Schallereignisse im Mittel- und Hochton starten an ein und demselben Punkt. Eine konstruktive Eigenheit des Dual-Concentric-Treibers, die in meinen Ohren den Unterschied zu anderen Lautsprechern dieser Bauart ausmacht und es Tannoy erlaubt, den Hochtöner ohne Laufzeitkorrektur ganz einfach bei 1500 Hertz mit sechs Dezibel zu filtern. Sein kurzes Horn, das exakt an die Membran des Mitteltöners ankoppelt und dadurch exponentiell verlängert wird, ist so berechnet, dass es ihm hilft, seine perfekte Phasenlage wiederzufinden. Sie erinnern sich, Nivea-Creme? Daran gibt es nichts zu verbessern.
Dass die DC8 Ti dennoch ein „i“ für „improved“ trägt, hat mit der grundsätzlichen Technik nichts zu tun, sondern bezieht sich auf die kryogen behandelte Weiche mit nicht näher spezifizierter verbesserter Bestückung, eine versilberte Kupfer-Innenverkabelung und Ausleger für die Spikes. Eventuell habe ich noch eine Kleinigkeit vergessen. Vermeintlich hätte man es bei der Modellpflege belassen können, aber Tannoy hält es auch hinsichtlich der klanglichen Verbesserung für richtig, diesen Zwischenschritt in der Entwicklung zu dokumentieren. Mangels Kenntnis kann ich über die Vorgängerin nichts sagen, aber mir ist ein verbessertes Produkt allemal lieber als ein verbesserungswürdiges. Zumindest die Spinnenbeine der konzentriert beschwerten Bodenplatte sind in praktischer Hinsicht ein großer Fortschritt. Im Nu ist die Box bequem von oben nivelliert und mit griffigen Rändelmuttern von unten gekontert. Optisch haftet dieser zweifellos sicheren Standhilfe hingegen oft etwas tapsig-pantoffeliges an, das auch die Eleganz der DC8 Ti in Hochglanz-Kirsch geringfügig konterkariert.
Hinsichtlich der Treiber zeigt sich ebenfalls ein leichtes Gefälle von Nord nach Süd. Damit meine ich nicht nur, dass ab 250 Hz ein in zweiter Ordnung abgetrennter Tieftöner übernimmt, der mit sechs Dezibel Abfall bis zu 33 Hz hinunterreichen soll, sondern auch, dass jener die sagenhafte Qualität des Koaxialtreibers nicht ganz halten kann. Die untere Grenzfrequenz scheint mir glaubhaft, die DC8 Ti hat für ihre Größe – im Vergleich besitzt die nur zehn Zentimeter höhere DC10 Ti fast das doppelte Volumen – ganz erstaunlichen Tiefgang, gewinnt ihre Substanz aber in erster Linie aus einem kleinen Wulst im Oberbass. Obschon die beiden Chassis gleichgroß sind und ihre Membranmasse ähnlich sein dürfte, fallen sie insbesondere in (zu) kurzem Hörabstand etwas auseinander. Die überschäumende Spielfreude des DC-Koax kann der bassreflexunterstützte Tieftöner nicht in selbem Maße erwidern. Das ist nicht weiter tragisch, fürs Nahfeld-Monitoring gibt es ja die DC8 als kompakten Zweiwege-Lautsprecher. Ab einem Hörabstand um drei Meter relativiert sich dieser kleine Schönheitsfehler ohnehin, der, wie ich glaube, überhaupt nur wahrnehmbar ist, weil der DC-Koax so überaus geschlossen und natürlich spielt. Darüber hinaus ist das nahezu unvermeidbar, denn immerhin verfügt die DC8 Ti nur so über den Bass, den man bei manch überzüchtetem Holografie-Projektor schmerzlich vermisst. Statt der dringenden Aufforderung, die Musiker mit Zollstock und Senkblei zu vermessen, verbreitet die Tannoy einfach nur gute Laune und verführt dazu, seine Zeit mit Musik zu verjuxen.


Überwiegend habe ich die DC8 leicht eingewinkelt im langschenkligen Dreieck gehört, hinter mir noch etwas Luft und ein Diffusor-Regal. Helle Stimmen – wie die Blixa Bargelds auf der hervorragenden Vinyl-Pressung der Jewels mit „Am I Only Jesus“ oder jene Antony Hegartys (von Antony and the Johnsons) mit „Perfect Day“ von Lou Reeds The Raven – erhalten so zwar eine geringfügig metallische Färbung, die sich jedoch aufgrund der Hochton-Bündelung über die LS-Einwinklung leicht entschärfen lässt, besitzen aber greifbare Konturen und korrekte Größenverhältnisse. Bettye Swanns „These Arms Of Mine“ erweckt sogar eine unmittelbar ergreifende emotionale Ansprache, die man so am ehesten von einem guten Breitbänder erwarten würde. Die Aufnahme aus den späten 60ern protzt nicht mit Dynamik und beschränkt sich überdies auf ein relativ schmales Mittenband, ist aber dennoch transparent und präsentiert eine breite, differenzierungsfreundliche Bühne. Letztlich ist es aber die sich wohlig aus der Mitte ausbreitende Stimme der Soul-Chanteuse aus Louisiana, die das Otis-Redding-Cover wie Einzelhaft wirken lässt: Die Außenwelt hört auf zu existieren.
Man kann sich aber auch ganz bewusst durch eine Mauer aus steinhartem Rock abschotten. Ein kleiner Dreh nach rechts an der Nase des Soulution 530, und die Lautstärke springt von ohrenbetäubend nach brachial. Unterstützt von einer stoischen Drum-Machine stapelt der abgehalfterte Berliner Post-Punk-Poet Sedlmeir mit ungewaschenen Händen gebrauchte und vermutlich nie gereinigte Stromgitarrenakkorde übereinander, bis er selbst fast dahinter verschwindet. Aus der Mitte des lärmenden Geröllhaufens erklingt sein dünner Gesang vom „Schmutzigen Leben“ wie eine einsam hochgehaltene Fahne. Minimal-Hardcore, der trotz seiner LoFi-Haltung direkt, kraftvoll und puristisch tönt. Nehmerqualitäten hat sie, die DC8, mehr noch, sie scheint Gefallen daran zu haben, ihren geschichtsträchtigen Dual-Concentric-Treiber mal so richtig durchzublasen, von mangelnder Übersicht oder Kompressionseffekten keine Spur.
Sie will und soll eine Allrounderin sein, im Heimkino ebenso funktionieren wie in der High-End-Anlage oder gebraucht im Jugendzimmer, aus überschaubaren Abmessungen erlebnisorientierten Tiefgang generieren und schön aussehen. All diese Anforderungen bringt die DC8 Ti spielend unter einen Hut, vielleicht ist sie doch eher der Familien-Van unter den Lautsprechern. Zugegeben, aufregender als Nivea-Creme ist das auch nicht, und Haus und Hof würde man dafür nicht versetzen. Aber das ist glücklicherweise auch gar nicht nötig. Außerdem: Was soll falsch daran sein, den passenden Lautsprecher für seine Bedürfnisse und fürs Budget zu finden? Ich bin überzeugt, man kann die DC8 Ti bald in einem Haushalt ganz in Ihrer Nähe Probe hören. Vor der Tür steht ein Van und im Bad Nivea, denn die Bewohner wissen, welche Investition sich rentiert. Wie? Das könnte glatt bei Ihnen sein? Sag ich doch!

 

Tannoy Definition DC8 Ti
Standlautsprecher

Prinzip: 3-Wege-Bassreflex mit koaxialem Mittelhochtöner
Nennimpedanz: 8 Ω
Wirkungsgrad: 89 dB
Bestückung: 8-Zoll-Tieftöner und 8-Zoll-Mitteltöner aus Papier-Verbund-Material mit integriertem 1-Zoll-Titanium-Tweeter
Besonderheiten: Dual-Concentric-Koaxialchassis, Bi-Wiring-Terminal mit zusätzlicher Erdungsklemme
Ausführungen: Schwarz, Kirsche, Walnuss
Maße (H/B/T): 103/28/26 cm
Gewicht: 29 kg
Garantiezeit: 6 Jahre (nach Verlängerung)
Paarpreis: 6000 €

 

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