Rega Saturn-R – Music first

Im Gegensatz zu klanglich umherirrenden Möchtegern-Stars unter den CD-Playern kreist dieser audiophile Himmelskörper unbeirrbar auf einer Umlaufbahn um das Zentralgestirn Musik.

Zwischen CD-Playern gibt es keine nennenswerten Klangunterschiede. Davon war ich nach diversen Vergleichen überzeugt – bis ich mir 1995 einen Wadia auslieh. Nun hatte ich ein Problem: CDs hören ohne Wadia war kaum noch zu ertragen, aber der amerikanische Bolide war absolut unerschwinglich für mich; schließlich ging ich noch zur Schule. Meine Suche nach einer günstigeren Alternative endete kurz darauf bei einem Gerät von Meridian, das dem Wadia recht nahe kam.
1997 brachte Rega endlich seinen ersten CD-Spieler auf den Markt, und natürlich musste der langersehnte „Planet“ gegen meinen Meridian antreten, denn optisch und preislich hatte ich den coolen Toplader sofort ins Herz geschlossen. An seinen mehr als doppelt so teuren Landsmann kam der flache Brite zwar nicht heran, aber sein Nachfolger legte wenige Jahre später deutlich nach. So kam ich zu meinem ersten Produkt aus Southend-on-Sea.


Seitdem hat sich viel getan in Sachen CD-Klang. 2014 hat er wohl seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Gleich drei CD-Dreher bescherten mir im vergangenen Jahr die unvergesslichsten Momente mit der Silberscheibe. Der Erste heißt Creek Evolution 50CD; ein wirklich bezahlbarer Player/Wandler mit unglaublich ausgereiftem Klang fürs Geld. Nummer zwei ist der etwa dreimal so teure Lector CDP-707, der gerne die Konkurrenz mit fünfstelligem Preisschild ärgert und der es mir sehr leicht macht, auf einen Plattenspieler zu verzichten. Auf der HighEnd 2014 durfte ich dann anhand der Kombination aus großem C.E.C.-Laufwerk und Kondo-Wandler staunend feststellen, dass in CDs weitaus mehr steckt, als ich jemals für möglich gehalten hätte.
Freilich hat auch Rega in der Zwischenzeit seine CD-Player kontinuierlich weiterentwickelt. Der Saturn-R für 2400 Euro ist preislich ziemlich exakt in der Mitte zwischen dem Creek und dem Lector angesiedelt. Klanglich ragt er ebenfalls aus der Masse heraus, denn in den für das genussvolle Musikhören entscheidenden Aspekten eilt er den meisten Mitbewerbern seines Preisumfelds ziemlich davon. Er ist nämlich durch und durch ein echter Rega, und jeder echte Rega ist ein Meister der Konzentration aufs Wesentliche. Doch selbst bei einem Gerät für 2400 Euro muss ein Hersteller nun einmal Prioritäten setzen, und bei Rega dreht sich völlig zu Recht alles um maximale Spielfreude und perfektes Timing. Bevor ein Rega in diesen Punkten auch nur das winzigste Zugeständnis macht, spart er lieber ein wenig in anderen, unwichtigeren Disziplinen.


Viele Konkurrenten dagegen versuchen erfolglos, das Pferd von hinten aufzuzäumen, frei nach dem Motto: „Wenn unsere Kiste die meisten Details und die opulenteste Raumabbildung bietet, dann macht es automatisch Spaß, damit Musik zu hören.“ Wer diesem Irrtum aufsitzt und nur auf die Oberfläche der Musikwiedergabe achtet, könnte den Rega Saturn-R anfangs unterschätzen. Ihm erschließt sich womöglich nicht augenblicklich, dass die Kunst des Weglassens, die der Brite so wunderbar beherrscht, tatsächlich eine Kunst ist.
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Weder die Auflösung noch die Räumlichkeit des Saturn-R bieten Anlass zur Kritik. Und mögen auch andere Player mindestens ebenso viele Informationen von CDs extrahieren wie der Rega – der Saturn-R fügt sie einfach noch schwungvoller, noch überzeugender und umfassender zu einem musikalischen Ganzen zusammen. In dieser Hinsicht bringt er sogar einige erheblich teurere CD-Player in Bedrängnis.
Sobald rhythmisch fordernde Scheiben auf dem Spielplan stehen, ist der Rega vollends in seinem Element. Beim vertrackten Elektro-Jazz von Flanger etwa sitzt jeder Beat so exakt, wie man es sich nur wünschen kann. Ich nenne das den „Rega-Effekt“: Auf der Zeitebene arbeitet der Saturn-R derart akkurat, dass man als Hörer sofort in der Musik versinkt. Der Rega kommt gewissermaßen ohne Umschweife direkt zur Sache, ist immer ganz nah dran am Herzschlag der Musik.
Auch die Tatsache, dass er das Geschehen lieber etwas näher an den Hörplatz heranrückt, als weit in die Tiefe zu staffeln, trägt ungemein dazu bei, dass die Musik so unmittelbar anspricht. Es mag durchaus sein, dass andere Player noch mehr klangfarbliche Schattierungen der Instrumente auf La Linea Del Sur herausarbeiten, aber wenn sich mein Lieblingsalbum von Renaud Garcia-Fons im Saturn-R dreht, scheint der Franzose seinen fünfsaitigen Kontrabass oft den entscheidenden Tick virtuoser zum Singen zu animieren. Zupfend, mit dem Bogen streichend oder perkussiv entlockt er ihm eine enorme Bandbreite an Tönen. Die bringen auch andere CD-Player zu Gehör, doch der Rega zeigt darüber hinaus, mit welchem melodischen Feingespür Garcia-Fons zu Werke geht und wie präzise er selbst bei halsbrecherischem Tempo mit den übrigen Musikern interagiert.


Erwartungsgemäß kann der Saturn-R zwar nicht ganz mit meinem Lector CDP-707 mithalten, aber der Italiener kostet schließlich deutlich mehr und ist überdies ein auf das Allernötigste reduzierter CD-Spezialist ohne digitale Ein- und Ausgänge. Der Rega hingegen stellt einen reichhaltig ausgestatteten D/A-Wandler mit CD-Laufwerk dar – also eigentlich zwei vollwertige Geräte in einem. Seine Anschlussvielfalt ist beachtlich: Externe Digitalquellen finden am Rega zwei koaxiale und zwei optische Eingänge sowie einen asynchronen und galvanisch isolierten USB-Input vor. Alle fünf Eingänge sind 24bit/192kHz-tauglich. Das Signal der analogen Ausgangsstufe steht an einem Paar Cinchbuchsen zur Verfügung, während die digitalen Datenströme des CD-Laufwerks über einen koaxialen und einen optischen Ausgang angezapft werden können. Außerdem existieren noch zwei weitere digitale Ausgänge mit der Überschrift „DAC“. Damit lassen sich wohl per USB eingehende Digitalsignale auf Anschlussformate umwandeln, die auch „ältere“ DACs verstehen, also S/PDIF koaxial und optisch.
In der Wandlersektion des Saturn-R stecken zwei parallel arbeitende WM8742-Chips von Wolfson. Fünf Ausgangsfilter mit unterschiedlichen Charakteristika können per Fernbedienung angewählt werden – aber nur, wenn man den Rega als DAC nutzt. Im CD-Betrieb verwehrt der Saturn-R den Zugriff auf seine verschiedenen Filtertypen, da die Funktionseinheiten für CD und DAC im Gehäuse vollständig voneinander getrennt sind und die Software für den CD-Part keine Wahlmöglichkeit bei den Filtern zulässt.
Ein dickes Lob möchte ich als Mensch, der gerne im Dunkeln hört, der Systemfernbedienung namens Solaris aussprechen, die im Lieferumfang enthalten ist. Auf einigen der zahlreichen Tasten befinden sich nämlich kleine Erhebungen, sodass man sich schnell auch „blind“ auf dem Impulsgeber zurechtfindet. Gute Idee!
Am Gerät selbst gibt es Rega-typisch nur wenige Bedienelemente; die spartanische Applizierung von Knöpfchen passt perfekt zum minimalistischen Design des Players. Die etwas verspielt wirkende konkave Vertiefung auf der Gehäuseoberseite seines Vorgängers ist nun verschwunden, wodurch die bereits vom Apollo-R bekannte Haube umso besser zur Geltung kommt. Wie gehabt ist der Deckel von Hand zu bedienen und gibt den Zugang zu einem der wenigen auf dem Markt verbliebenen echten CD-Laufwerke frei. Die Engländer verpassen dem feinen Auslese-Mechanismus ihre eigene, sehr aufwendige Steuerung. Durch sanften Fingerdruck von oben rastet der Silberling auf der Spindel ein. Und ginge es unter der geöffneten Klappe etwas geräumiger zu, hätte man bestimmt noch mehr Freude daran, CDs zu wechseln.


Der Saturn-R ist verblüffend massiv gebaut und wiegt mit seinen 10 Kilogramm mehr als so mancher Verstärker für vergleichbare Münze. Apropos Verstärker: Rega baute schon immer anständige Amps, aber bisher konnten sie nicht immer ganz mit den hervorragenden Quellengeräten aus gleichem Hause mithalten. Der mir ebenfalls zur Verfügung stehende Elicit-R (siehe FIDELITY Nr. 10, Ausgabe 6/2013) hingegen spielt absolut auf Augenhöhe mit dem Saturn-R und stellt sowohl optisch als auch klanglich dessen maßgeschneiderten Partner dar. Doch auch ohne seinen Stallgefährten weiß der Saturn-R zu begeistern. Wenn er loslegt, fällt es sogar audiophilen Erbsenzählern schwer, ihre Aufmerksamkeit von der Musik abzuziehen.

 

 

Rega Saturn-R
CD-Player/DAC

Eingänge digital: 1 x USB, 2 x S/PDIF koaxial, 2 x optisch (TosLink)
Ausgänge digital: 2 x S/PDIF koaxial, 2 x optisch (TosLink) jeweils CD-Laufwerk/DAC
Ausgänge analog: 1 x unsymmetrisch (Cinch)
Besonderheiten: Toplader, DAC mit fünf wählbaren digitalen Ausgangsfiltern, Systemfernbedienung
Ausführung: Schwarz
Maße (B/H/T): 43/9,5/32,5 cm
Gewicht: 10 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 2400 €

 

TAD Audiovertrieb GmbH
Rosenheimer Str. 33
83229 Aschau im Chiemgau
Telefon 08052 9573273

 

www.rega-audio.de

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