Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

1912 wurde „Memphis Blues“ veröffentlicht, 1914 der berühmte „St. Louis Blues“. Beide gelten als früheste greifbare Zeugnisse eines originär amerikanischen Musikstils, der die moderne Musik grundsätzlich veränderte. Sie stammen von W. C. Handy, dessen Eltern als Sklaven ins Land gekommen waren. 1920 folgte mit „That Thing Called Love“ der erste Blues, den eine schwarze Interpretin auf Platte singen durfte. Mamie Smiths Vorfahren stammten ebenfalls aus Afrika. Etwa zehn Jahre später entstand unter starkem Einfluss schwarzer Sklaven auf Jamaika der Mento, aus dem sich schließlich Ska und auch Reggae entwickelten.
Nur ein paar Jahre danach erschien King Kong auf amerikanischen Leinwänden. Der Wiener Max Steiner, der zuvor in London komponiert hatte, gilt seither als Vater der Filmmusik, und er wirkte entscheidend mit am Aufstieg einer gigantischen Unterhaltungsindustrie. Der Bedarf Hollywoods an Soundtracks stieg sprunghaft an, um in der Folge eine ganze Reihe vor dem Krieg geflohener Komponisten in Lohn und Brot zu bringen: Hanns Eisler, Mario Castelnuovo Tedesco, Miklos Rószka und andere schufen dort eine ganz neue Kunstform. Auch Béla Bartók, Albert Schönberg, Kurt Weill oder Igor Strawinsky fanden in den USA Schutz und Zuflucht, obwohl ihr Name dort nicht den Klang genoss wie in der Alten Welt. Um 1950 dann buhlte Hollywood um einen jungen Entertainer, der binnen weniger Jahre zum beliebtesten Sänger der USA aufgestiegen war. Die Film- und Gesangskarriere von Frank Sinatra bleibt bis heute unerreicht, wie auch die Gerüchte um seine Verbindungen zur Cosa Nostra nicht verstummen. Möglicherweise nicht von ungefähr – immerhin war sein Vater ein sizilianischer Boxer, der Anfang des Jahrhunderts in die Staaten eingewandert war. Das verband Frankie Boy mit seinem Freund, Film-, Gesangs- und Zechpartner Dean Martin, der ebenfalls von italienischen Eltern abstammte.
1975 zog David Bowie bei Edgar Froese in Berlin ein. Er war wegen des Heroins in die Stadt gekommen und blieb drei Jahre, um Heroes einzuspielen sowie The Idiot und Lust For Life mit dem Neu-Berliner Iggy Pop aus Michigan. Dabei verpasste er aber, dass der australische Sänger Nick Cave in London The Birthday Party gründete. 1983 zog auch Cave nach Berlin.
Vor dem Hintergrund dieser kleinen Auflistung aus dem Stegreif möchte ich ausnahmsweise der hiesigen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie danken: Mit ihrem unermüdlichen Engagement in der Erschließung neuer Märkte schuf sie im vergangenen Jahr die Grundlage zu einer gründlichen Frischzellenkur für die deutsche Musikszene. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.

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