SME M2-9R – Das wurde aber auch Zeit!

Zwei Geständnisse vorab: 1.) Ich bin ein Fan von SME. 2.) Ich bin kein Fan von zwölf Zoll langen Tonarmen!

Der technische Sinn von überlangen Tonarmen – und nichts anderes sind 12-Zoll-Exemplare – bestand einst darin, in Hörfunkstudios übergroße Schallplatten von ungefähr 40 Zentimeter Durchmesser mit zumeist vorproduzierten Sendungen ohne Unterbrechung abspielen zu können. Im normalen Heimbetrieb mit den 30-Zentimeter- LPs waren überlange Tonarme technisch gesehen immer schon sinnlos. Es hält sich aber hartnäckig das Gerücht, dass Zwölfzöller deutlich besser klängen als ihre neunzölligen Pendants. Und deshalb besaß auch ich eine Reihe dieser überlangen Tonarme, darunter ein Audiocraft AC-4000MC, zwei Denon DA-308 und ein Ortofon AS-309S, und natürlich durfte auch der unsterbliche SME 3012-R nicht auf meiner Bestandsliste fehlen.

Über kurz oder lang

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Analogfans konnte ich mich nie so recht mit der immer irgendwie uneleganten, fast schon protzig wirkenden Optik der Zwölfzöller anfreunden. Sicher, deren geringerer Spurfehlwinkel ist ein Argument, das oft positiv herausgestellt wird. Aber hört das wirklich jemand? Ich habe da so meine Zweifel. Glaubt man einem kürzlich erschienenen Artikel der Audio Engineering Society (AES), dann sind sogar Spurfehlwinkel-Abweichungen von mehr als 10° selbst von erfahrenen Tonmeistern nicht auszumachen. Wer will da noch ernsthaft behaupten, er könne den Unterschied bezüglich des maximal auftretenden Spurfehlwinkels zwischen einem konventionellen 9-Zöller (kleiner 2,5°) und einem 12-Zöller (kleiner 2,0°) eindeutig heraushören?

Nim-M 2!

Fans der englischen Analogspezialisten von SME mussten nach dem Produktionsende der legendären Serie 3009/3012 lange auf einen neuen Tonarm ihrer Lieblingsfirma warten, der den Einbau von Tondosen (Ortofon SPU) gestattet. Diese Lücke schloss vor etwa vier Jahren der M2-12R, ein Zwölfzöller, doch erst jetzt folgt ihm die Neun-Zoll-Variante M2-9R. Dieses Modell sieht einem 3009-R auf den ersten Blick nicht ganz unähnlich, unterscheidet sich aber in wesentlichen Punkten. Unterhalb des Tonarmbretts bleibt immerhin alles beim Alten: Das bekannte Cinchbuchsen-Paar und der Masseanschluss befinden sich wie gewohnt in einem Kunststoffgehäuse, das mit einer Einbautiefe von 4,6 cm ungewöhnlich tief und auch raumgreifend gestaltet ist. Hier sollte man vorher abklären, ob das angedachte Laufwerk genügend Platz zur Verfügung stellt, denn bei der Systemjustage verschiebt sich ja auch noch die gesamte Einheit.
Der berühmte „SME-Schlitten“ besteht aus einer erfreulich dicken Stahlplatte, die mit vier Schrauben auf dem Tonarmbrett befestigt wird und den eigentlichen Tonarmkragen aufnimmt. Hier erkennt man die erste bedeutende Veränderung: Der Tonarmschaft besitzt ein Außengewinde, auf das eine große Kunststoffrändelschraube wirkt. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Tonarmhöhe sehr bequem und genau einstellen.

Zum Kugeln!

Der einschneidendste Unterschied zu seinem Urahn befindet sich wohl im Lagergehäuse. Die Messerschneidelager gehören auch beim M2-9R der Vergangenheit an – zum Glück, wie ich meine. Stattdessen verrichten nun präzise Kugellager ihren reibungs- und spielfreien Dienst; sie machen das rechts angebrachte Ausgleichsgewicht zur Lateralbalance eigentlich unnötig. Das kann man zwar noch zur groben Einstellung der Auflagekraft verwenden (in 5-mN-Schritten), aber so richtig hilfreich ist das nicht. Vor allem auch deshalb, weil das Gegengewicht sich sehr exakt auf dem Gewinde des Tonarmstummels bewegen lässt und eine exakte Einstellung der Auflagekraft gestattet. Allerdings ist eine Tonarmwaage zwingend erforderlich, da leider keine Skala vorhanden ist, die den eingestellten Wert verrät. Zum Lieferumfang des M2-9R gehört übrigens ein zusätzliches Gegengewicht, das auch den Betrieb sehr schwerer Tonköpfe – wie eben ein Ortofon SPU – ermöglicht. Die Vertikallager sind nicht im Kröpfungswinkel zum Tonarmrohr, was wir mal bei einem Tonarm der „Unter- 2000-Euro-Klasse“ noch so gerade eben durchgehen lassen wollen. Immerhin sind auf der diesjährigen High- End auch Luxus-Tonarme mit satten fünfstelligen Preisschildern gesichtet worden, deren Designer diese geometrische Feinheit ebenfalls großzügig übersehen haben … Wie in der analogen Steinzeit wird die Antiskatingkraft über einen Faden mitsamt kleinem Gewicht geregelt – meines Erachtens aber keineswegs die schlechteste Art und Weise. Das Tonarmrohr ist J-förmig, was heutzutage auch eher selten vorkommt. Der an seiner Spitze befindliche Bajonettverschluss ist mit einer kleinen Schraube an der Unterseite des Tonarmrohrs befestigt. Löst man diese, kann man die Headshell verdrehen und den Azimut einstellen. An dieser Stelle muss ich ein wenig Kritik loswerden: Die Schraube an der Unterseite des Tonarmrohrs packt das Innere des Bajonettverschlusses nicht so fest, dass nach Anzug ein Verdrehen nicht mehr möglich wäre. Wenn man also gerade einen Tonkopf installiert hat: Bitte immer den Azimut mit einem kleinen Spiegel überprüfen und gegebenenfalls korrigieren!

 

 

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