Clearaudio Concept Wood MM – Klasse Konzept

Wer bequem von A nach B kommen will, muss nicht unbedingt ein teures First-Class-Ticket lösen. Und wer vorzüglich Schallplatten hören möchte, muss keineswegs Erste-Klasse-Preise bezahlen …

Schon häufiger gaben Tonabnehmer von Clearaudio ein Gastspiel bei mir zu Hause, zuletzt das höchst empfehlenswerte Clearaudio MC Concept (FIDELITY Nr. 11, Ausgabe 1/2014). Von den Laufwerken der Analogexperten fehlten mir bisher allerdings noch persönliche Höreindrücke. Das sollte sich ändern. Aus dem umfangreichen Produktportfolio des Erlanger Traditionsherstellers wählte ich zum Einstieg ein Modell aus dem unteren Preissegment.

Fix und fertig

Der Clearaudio Concept Wood MM stellt quasi die Einstiegsofferte des Hauses dar – mit einer Art Sahnehäubchen obendrauf, sprich: einem dekorativen Holzrahmen drumherum. Es gibt nämlich noch eine Version mit Aluminiumrahmen, die nochmals 300 Euro günstiger zu haben ist. Doch ob nun Alu oder Holz, der Concept kommt komplett vorjustiert ins Haus. Selbst Auflagekraft, Tonarmhöhe und Antiskating sind dann bereits eingestellt. Also muss man nur noch den insgesamt siebeneinhalb Kilogramm schweren Plattenspieler aus seinem wohlgeordneten Karton befreien, den Riemen um Motorpulley und Subteller (aus Aluminium) legen, den Hauptteller (aus POM, Polyoxymethylen) auflegen, Netzstecker und Cinchkabel in die passenden Buchsen stecken – und schon kann es losgehen.
Das schafft jeder, sogar ohne Lektüre der vorbildlich gemachten Bedienungsanleitung. Vorher gilt es allerdings noch, einen geeigneten Aufstellungsort zu finden und dort das Laufwerk gegebenenfalls mittels der mitgelieferten Wasserwaage und den drei höhenverstellbaren Füßen exakt waagerecht aufzustellen. Und diese Prozedur hat bei mir nur deshalb stolze zwanzig Minuten in Anspruch genommen, weil ich den vorgesehen Stellplatz noch von einem anderen Plattenspieler befreien und überraschenderweise noch etwas Staub wischen musste.
Somit scheint der Clearaudio Concept voll und ganz der viel zu oft erwähnten Idee des “Plug&Play” zu entsprechen. Dennoch rate ich jedem Besitzer, sich ausreichend Zeit für die Installation des Concept Wood zu nehmen. Das schlicht-elegante Äußere und die einfache Bedienung sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich lohnt, sich mit jedem, also auch diesem Plattenspieler ein wenig auseinanderzusetzen. Nur so kann man dessen “Konzept” verstehen und maximal ausreizen.

Laufwerksbau

Der Kern des eigentlichen Laufwerks besteht, wie in dieser Preisklasse durchaus üblich, aus einem MDF-Brett, das von Clearaudio allerdings mit einer Art Vollverschalung ausstattet wird: Ober- und Unterseite bestehen aus je einer Acrylplatte, während ein Rahmen aus Holz die gesamte Konstruktion umschließt. Das sieht nicht nur äußerst elegant aus; die Sandwich-Bauweise unterdrückt auch die Ausbreitung von Resonanzen sehr wirkungsvoll. Damit unerwünschte Vibrationen von vornherein erst gar nicht in die Basis eindringen können, steht der Concept Wood auf drei Spikes, die über Silikondämpfer mit dem Chassis verbunden sind. Es ist erstaunlich, wie wirkungsvoll diese einfache Methode den Plattenspieler vom Untergrund entkoppelt. Im Zusammenspiel mit meinem praktisch ungedämpften Alnica-Rack von Music Tools sind beispielsweise keinerlei Störungen oder gar Rückkopplungseffekte zu vernehmen.
Der Gleichstrommotor des Plattenspielers wird über ein Steckernetzteil versorgt und ist neben den üblichen Geschwindigkeiten 33 und 45 U/min. auch für 78 U/min. ausgelegt. Alle drei Geschwindigkeiten sind prinzipiell fein justierbar, allerdings muss man dazu von Clearaudio eine optionale Bedienungsanleitung anfordern, um diese Feineinstellung selbst durchführen zu können. Laut Clearaudio kann es durch den Transport durchaus mal vorkommen, dass sich die Voreinstellungen etwas verstellen. In der Tat liefen die beiden höheren Geschwindigkeiten bei meinem Exemplar zunächst eine Spur zu langsam, was aber ruckzuck korrigiert war.
Links vorne auf dem Chassis ist der Drehschalter für die drei Geschwindigkeiten sowie „Aus“ bequem zugänglich. Optional ist auch eine Staubschutzhaube lieferbar, die nach Art einer Käseglocke über das Laufwerk gestülpt wird.

Völlig losgelöst

Besondere Aufmerksamkeit hat übrigens der serienmäßige Tonarm verdient. Der Clearaudio Verify verfügt nämlich über eine Magnetlagerung, bei der sich zwei sehr starke Neodymmagnete gegenseitig anziehen. Einer der beiden Magnete befindet sich oberhalb des Tonarmrohrs in der Lagerhalterung, der andere im eigentlichen Tonarm. Ein unterhalb des Rohrs angebrachter Stahlfaden verhindert, dass sich beide Magnete berühren; der Arm „hängt“ praktisch am Magnetfeld. Lagerschäden sind durch diese Form der Aufhängung praktisch ausgeschlossen. Laut Clearaudio wird über den Abstand des Luftspalts zwischen den beiden Magneten auch das Antiskating eingestellt, was jedoch, so die Bedienungsanleitung, am besten von einem versierten Händler oder vom Hersteller selbst durchgeführt werden sollte.
Die Auflagekraft wiederum wird ganz „klassisch“ durch das Verschieben des Gegengewichts erzielt. Auch hier lohnt es sich sehr wohl, die vom Werk aus voreingestellte Auflagekraft etwa mit Hilfe der guten alten Shure-Tonarmwaage zu kontollieren und gegebenenfalls auch zu korrigieren. Volle Absicht ist dabei übrigens, dass sich die Auflagekraft im inneren Abspielbereich einer LP um ungefähr zehn Prozent erhöht. Laut Clearaudio soll man so bessere Abtastwerte gerade im als problematisch geltenden inneren Rillenbereich erzielen.
Über die Abtastwerte des im Paketpreis enthaltenen Tonabnehmers Clearaudio Concept MM gab es auch folgerichtig absolut nichts auszusetzen. 80 µm sind schon eine echte Ansage! Beim Concept MM handelt es sich grundsätzlich um einen Generator von Audio Technica, der von Clearaudio modifiziert wurde. Besonders hervorzuheben ist hierbei das schöne Metallgehäuse samt Gewinden, die den Einbau des Moving-Magnet-Systems zum Beispiel in Fremdlaufwerken deutlich erleichtern. Ein Tipp vorab: Wer in Sachen Tonabnehmer von Beginn an in einer höheren Liga einsteigen will, der sollte unbedingt auch das in FIDELITY Nr. 11 (Ausgabe 1/2014) vorgestellte Clearaudio Concept MC ins Auge fassen, es wird geradezu optimal zur Kombination Concept Wood/Verify passen.


Leider hatte ich dieses bemerkenswert spielfreudige MC-System innerhalb des Testzeitraums nicht (mehr) zur Verfügung, so dass meine Höreindrücke ausschließlich auf das Zusammenspiel mit dem Concept MM V2 beruhen. Was alles andere als einen Rückschlag bedeutet: Ein wirklich feiner MM-Tonabnehmer ist das, gar keine Frage. Doch ebenso zweifellos „geht da schon noch was“, sind Laufwerk und Tonarm bestens geeignet, auch anspruchsvollere Systeme präzise durch die Rille zu führen.
Gleichwohl beweist der Clearaudio Concept Wood schon mit dem serienmäßigen System Qualitäten, die in seiner Preisklasse keineswegs selbstverständlich, sondern herausragend sind. Seine ebenso große wie stabile Raumabbildung, aber auch die tonale Ausgeglichenheit reichen mühelos an die Eigenschaften auch deutlich teurerer Mitbewerber heran. Klar, der einfache elliptische Schliff des Tonabnehmers Concept MM nimmt es prinzipbedingt mit dem einen oder anderen Hochtondetail nicht immer allzu genau, auch kann der Bass in Sachen Präzision und Durchschlagskraft nicht unbedingt mit den (ganz erheblich kostspieligeren) Platzhirschen mithalten. Doch ordentlich Spaß macht das preisgünstige MM-System allemal, nicht nur in diesem Komplettset.
Insbesondere gefallen mir die offenen Mitteltonlagen des Plattenspielers sowie sein subtiler, unwiderstehlicher Drive, was in dieser Kombination einen unmittelbar ansprechenden, zudem langzeittauglichen Höreindruck vermittelt – für mich ein ganz wichtiges Kriterium, um entspannt und angeregt zugleich Musik genießen zu können. Überhaupt diese Homogenität: Der Concept Wood MM zerlegt Musik glücklicherweise nicht in ihre Einzelbestandteile, sondern arbeitet stets das Wesentliche, das Entscheidende sauber heraus – er scheint da einem höchst begrüßenswerten Konzept wortwörtlich zu folgen. Wer also nach einem fix und fertigen, ausgesprochen preiswerten und in Deutschland präzisionsgefertigten Komplettpaket Ausschau hält, dem sei der Clearaudio Concept Wood MM wärmstens an Herz gelegt. Es dürfte übrigens auch unmöglich sein, zu diesem Preis einen noch attraktiver gestalteten Analogdreher zu finden. Außer im Aluminiumkleid, wer’s mag.

 

Clearaudio Concept Wood MM
Komplett-Plattenspieler

Geschwindigkeiten: 33/45/78 U/min.
Besonderheiten: Magnetlager, Gleichstrommotor mit drei Geschwindigkeiten und Feineinstellung; optionale Staubschutzhaube
Maße (B/H/T): 42/14/35 cm
Gewicht: 7,5,kg
Garantie: 2 Jahre

Clearaudio Verify
Tonarm

Effektive Masse: mittelschwer
Effektive Länge: 239 mm
Besonderheiten: Magnetlagerung
Garantie: 2 Jahre

Clearaudio MM Concept V2
Tonabnehmer

Prinzip: Moving Magnet (MM)
Nadelschliff: elliptisch
Empfohlene Auflagekraft: 18–26 mN
Ausgangsspannung: 3,3 mV
Gewicht: 8,4 g
Garantie: 2 Jahre

 

www.clearaudio.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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