Musiklexikon: V wie Ventile

 

VentileOhne Ventile sähe unsere Welt anders aus. Ventile stecken im Automotor, am Heizkörper, in den Fabrikmaschinen, selbst im Beatmungsgerät. Ohne Ventile klänge auch unsere Musik anders. Chromatische Trompeten, Hörner oder Tuben: Fehlanzeige. Mahler und Strawinsky: unvorstellbar. Louis Armstrong und Miles Davis: nie gewesen. Blasorchester und Bigbands: nie gehört. Denn ohne Ventile produziert man auf einem Blechblasinstrument lediglich die Obertöne des Grundtons. Und weil die ersten davon ziemlich weit auseinander liegen, klangen Kriegs- und Jagdfanfaren immer schon recht einfältig. Erst wenn man die höheren Naturtöne erreicht, lassen sich Melodien und Sekundintervalle spielen. Deshalb mussten die Trompetenkonzerte des Barock so enorm hoch notiert werden. Trompetenvirtuosen kletterten damals bis zum 20. Naturton und bliesen sich buchstäblich zu Tode – zum Beispiel Bachs Lieblingstrompeter Gottfried Reiche. Die Posaune ist da fein raus: Dank ihres stufenlos verstellbaren Zugs war sie das erste zur Chromatik befähigte Blasinstrument.

Ventile

Beim Waldhorn dagegen versuchte man, die fehlenden Töne per Stopftechnik zu erzwingen: einfach die Hand in den Trichter! Als das Horn dann erst Klappen und später Ventile erhielt und die Stopftechnik unnötig wurde, vermissten aber manche diesen besonderen „Stopfklang“. Um ihn nicht aufgeben zu müssen, hat das Horn heute ein zusätzliches „Stopfventil“, das beim „gestopften“ Blasen die entstehende Tonhöhenveränderung wieder zurückkorrigiert. Verrückt!

VentileÜblicherweise besitzen Trompete und Horn drei Spielventile. Jedes von ihnen öffnet ein eigenes Verlängerungsrohr, wodurch der Ton um einen bzw. zwei bzw. drei Halbtöne erniedrigt wird. Diese Verlängerungen lassen sich kombinieren, nur ergibt 1+2+3 in der Musik selten 6. Deshalb hat man für die harten Fälle oft noch ein Quartventil. Übrigens besitzt auch die Posaune so eines und kann sich damit von einer B-Posaune in eine F-Posaune verwandeln: Man hat also zwei Instrumente in einem. Entsprechend gibt es auch Doppeltuben, Doppelhörner und sogar Dreifachhörner – alles dank der Ventile.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 18 (2/2015)

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