EternalArts HLP/PAS – Vor-/Endverstärker

Klassisch, analog und röhrenbestückt. Das ist das Motto von EternalArts. Wobei Ausnahmen die Regel auch nur wieder bestätigen.

Mit Burkhardt Schwäbe zu sprechen ist für einen Autor, oder, wenn wir jetzt mal das viel geschmähte Wort benutzen wollen, für einen „Tester“ immer sehr erbaulich. Formuliert der EternalArts Chef doch stets glasklar und ohne große Attitüde sein Anliegen, nebenbei bemerkt in einer sprachlichen Güte, die praktisch druckreif ist. Und auf seine gewinnende Art bescheinigt Dr. Schwäbe seiner neuen Endstufe namens PAS („Power Amplifier Stereo“) eine „sympathische“ Abstimmung, die an Röhrenklang erinnern soll, wenngleich das neuste Mitglied der an sich streng röhrenbestückten EternalArts Familie nichts weniger als einen klassischen Transistorverstärker darstellt.


Womit wir beim Motto der Company wären, das da lautet: „Unter der Marke EternalArts entwickeln und fertigen wir mit moderner Technologie Klassiker der absoluten Spitzenklasse.“ Genau deshalb muss man sich unter dem flachen Stahlblech-Kleid der PAS keine aktuellen, hochintegrierten Schaltungs-Gimmicks vorstellen, sondern eher eine an sich betagte, aber zu ihrer Zeit hochgelobte, strukturell eher simple Gegentakt-Verstärkerschaltung mit bipolaren Eingangs- und Endtransistoren. „Sand“ also, zumindest in den Augen harter Röhrenfreaks! Aber gemach: Es handelt sich um eine klassische Schaltung, die volldiskret gebaut ist, mit jederzeit erhältlichen, aber sorgsam ausgesuchten Bauteilen und Halbleitern auskommt und in Doppel-Mono-Technik bis hin zum speziellen Netztrafo mit vergrößertem und damit gegen Sättigung unempfindlicherem Kern „getunt“ wurde . Das ist, wenn Sie mich fragen, alles weder falsch noch langweilig, weil in der elektronischen Vergangenheit durchaus ein paar Verstärker existierten, die auch nach heutigen Ansprüchen unglaublich gut sind. Nur wissen muss man um solche Schätzchen oder Schaltungen, deren Qualitäten nicht selten auf einer bestimmten Art von ausgefuchster Simplizität beruhen, die im modernen elektronischen Denken nur noch höchst selten anzutreffen ist. Trotzdem kommen Röhrenfans beim PAS irgendwie dennoch auf ihre Kosten: Zwei sogenannte „magische Fächer“ (eine Unterart der „magischen Augen“) vom Typ EM80 dienen mit Hilfe einer Extraschaltung, die unschädlich „neben“ dem Signalweg liegt, als Aussteuerungsanzeige. Wenn Sie mich fragen: Ich gucke so was ja sehr gerne an, aber ich bin ja auch Radiosammler. Andernfalls ist die Geschichte abschaltbar. Übrigens: Eine Studioversion dieser Endstufe mit Eingangsübertrager ist in Vorbereitung.


Mit der Vorstufe HLP hingegen, die im typischen EternalArts-Outfit daherkommt, will Dr. Schwäbe quasi gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn warum sollte, wer einen Vorverstärker und einen Kopfhörerverstärker benötigt, nicht gleich beides in einem Gehäuse bekommen? Und vollständig in Röhrentechnik, versteht sich. Im Teamwork mit der neuen Endstufe entstand so die neue Einsteiger-Kombi des Hauses, verbunden mit einem kombinierten Kopfhörer/Hochpegel-Vorverstärker. Dieser mit seinem „Pagodengehäuse“ wirklich hübsche Amp verlässt sich auf einen echten Röhrenklassiker, dessen Fähigkeiten außer Zweifel stehen und der gleich zwei Systeme in einem Glaskolben vereint, nämlich die Verbundröhre PCL86. In ihr stecken ein Trioden- und ein sehr kräftig ausgelegtes Pentoden-System, das durchaus als kleine Endröhre Verwendung finden kann; nicht umsonst wurde die PCL86 früher beispielsweise auch in der Audio-Ausgangsstufe von Fernsehern eingesetzt. Sie ist ohne weiteres für drei Watt Leistung gut, womit man sich vorstellen kann, wie kräftig dieses kompakte Pentodensystem ausgelegt ist. Das Triodensystem hingegen entspricht ungefähr einer Hälfte einer ECC83 und dient als Eingangsverstärker und Treiber. Da sieht man, wie praktisch und sparsam die Altvorderen dachten, die natürlich auch noch sehr viel komplexere Mehrfachröhren bauten.
Die ungewöhnliche Röhrentechnik des mit drei per Relais geschalteten Hochpegel-Eingängen ausgestatteten HLP verdient eine nähere Beschreibung: Hinter den Cinchbuchsen ist der Pegelsteller – ein Alps-Poti – angeordnet, über den das Signal zum Steuergitter der Triode gelangt; deren Kathoden- und Anodenwiderstand wurden teilweise einstellbar gemacht, um die Stufe präzise einstellen zu können. Gleichspannungsgekoppelt geht es dann weiter zum Steuergitter der Pentode, die tatsächlich im reinen Pentodenbetrieb läuft und als impedanzwandelnder Kathodenfolger geschaltet wurde, um niedrige Ausgangsimpedanz zu erhalten. Damit liefert die Triode hier die gesamte Spannungsverstärkung, während der kleiner als eins verstärkende Pentodenteil auch für niederohmige Kopfhörer genug Strom liefern kann. Der via Kondensator ausgekoppelte Ausgang wurde umschaltbar gestaltet, damit sowohl nieder- als auch hochohmige Kopfhörer optimal versorgt werden können; die Ausgangsimpedanz im normalen Vorverstärkerbetrieb beträgt dabei 300 Ohm.


Doch damit ist das EternalArts-Repertoire noch nicht erschöpft: Im Netzteil kümmern sich zwei weitere Röhren, sogenannte „Glimmstabilisatoren“ um eine möglichst konstante Betriebs-, damit also die Anodenspannung; diese üblicherweise mit Neongas gefüllten Röhren zünden eine Gasentladung zwischen zwei Polen, deren Brennspannung weitgehend unabhängig vom fließenden Strom ist. Sicher eine sehr alte Form von Gleichspannungsstabilisierung, die aber nichtsdestotrotz gut funktioniert und obendrein ein netter Anblick ist, weil die Ionisation des Neons für ein bisschen lila-oranges Glühen dieser „Stabis“ sorgt. Zwischen der vergoldeten Verstärkerplatine und dem im „Untergeschoss“ des Gehäuses sitzenden Netztrafo ist eine Mu-Metall-Schirmung angebracht, der Trafo selbst ist vergossen und mit einer Schirmwicklung zwischen Primär- und Sekundärteil ausgestattet. Geheizt wird trotz der „modernen“, mit indirekter Heizung versehenen Röhre mithilfe hochgesiebter Gleichspannung, was den Störspannungsabstand des Vorverstärkers nur weiter verbessern kann.
Stellt man sich hier die Frage nach dem Klang, dann hat zumindest unser Dr. Schwäbe ein Problem(chen). Denn er selber war es doch, der die Latte mit seinem Full Tube Preamplifier sowie den berühmten OTL-Monos nach Futterman’schen Prinzipien unglaublich hoch gelegt hat. Okay, gut, das ist auch eine andere Preisklasse, um nicht zu sagen: ein anderes Preis-Universum. Solche Vergleiche ziemen sich nicht nur nicht, nein, sie wären in höchstem Maße unfair. Also bleiben wir auf dem Teppich, behalten den superschnellen und supertransparenten Klang der Familien-Oberhäupter von EternalArts im Hinterkopf und gedenken gleichzeitig des Preises, der für die „kleine“ Kombi fällig ist. Wie immer in Sachen High End ist auch der noch kein Zuckerchen, und genau daran muss sich die Kombi messen lassen.
Was die Vorstufe angeht, so hat sich der gute Dottore aber womöglich ein wenig verkalkuliert. Hört sich das Ganze doch nach einer verflixt feinen, nein, außerordentlich superfeinen Preis-Klang-Relation an. Die durchaus ein bisschen im teuren Hoheitsgebiet der „großen“ Vorstufe wildert, um das einmal milde zu formulieren …


Und damit meine ich wohlgemerkt noch nicht den Part des Kopfhörerverstärkers, zu dem ich Ihnen nichts zu sagen vermag, denn ich besitze schlicht kein solches Folterinstrument. Oha, jetzt habe ich mich hoffentlich ein für allemal von Kopfhörer-Tests befreit! Meine etwas überschwengliche Beurteilung betrifft also nur den HLP als Vorverstärker. Macht nichts, ist doch derselbe Signalweg. Im Teamwork mit der Endstufe, die etwas trockener, nichtsdestotrotz für Sand-Verhältnisse immer noch sehr rund, sehr farbig, engagiert und gottlob fast röhrentypisch spielfreudig ans Werk geht, entsteht so ein eher nach vorne verlagerter, ziemlich intensiver und sehr direkter Klang. Erste Reihe Mitte sozusagen, verbunden mit hervorragender Plastizität, randscharfer Ortbarkeit und einer unmittelbaren Ansprache, die durchaus Suchtpotenzial aufweist. Das ist, wenn Sie mich fragen, durchaus ein nicht alltäglicher, spezieller Klang, der weit weg ist von der unverbindlichen, häufig sehr langweiligen, weil wenig ansprechenden Reproduktion vieler als „perfekt“ geltender Verstärker, die sich praktisch vollständig zurücknehmen, damit aber auch keinerlei Charakter mehr sichtbar wird. Und Charakter ist genau das, was eine Anlage braucht, um ihren Zuhörer zu fesseln, so zu fesseln, wie es HLP und PAS können. Sie dürfen meine Aussage bezüglich des „Charakters“ von Verstärkern gerne in die vollsubjektive Schublade stecken, aber ich stehe dazu. Kollege Michael Vrzal nannte das neulich einmal „ … ein besonderes Federn und Schwingen, das die Seele anspricht“. Recht hat er. Und ich bin ziemlich sicher, dass wir beide letztlich genau dasselbe meinen. Diese Eigenschaft schreibe ich auch unserer „kleinen“ EternalArts-Kombi zu, fernab von ihren weiteren, vielleicht nicht ganz so wichtigen klanglichen Fähigkeiten, die auf hohem Niveau angesiedelt und, soweit objektivierbar, kaum zu kritisieren sind, überdies dem Preis mehr als gerecht werden. Müsste ich die Geräte nicht heute zurückgeben, könnte ich fast auf den Gedanken kommen, mir einen Kopfhörer zu leihen. Huch – hab ich das jetzt gesagt?

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EternalArts HLP
Vorverstärker/Kopfhörerverstärker

Eingänge: 3 x Hochpegel (Cinch)
Ausgänge: 1 x Kopfhörer (Klinke), 1 x Main Out (Cinch)
Besonderheiten: kombinierter Vor-/Kopfhörerverstärker, Kopfhörer 20/300 Ω umschaltbar, Balancesteller
Röhrenbestückung: 2 x 14GW8 (PCL86), 2 x 6074 Stabi
Maße (B/H/T): 14/17/32 cm
Gewicht: 3,9 kg
Garantiezeit: 3 Jahre
Preis: 3500 €

EternalArts PAS
Transistor-Stereoendverstärker

Leistung: 2 x 45 W
Eingänge: 1 x Main In (Cinch)
Eingangsimpedanz: 10 kΩ
Ausgänge: 1 Paar Lautsprecher (Schraubklemmen)
Besonderheiten: Aussteuerungsanzeige mit magischem Fächer EM80, abschaltbar
Maße (B/H/T): 44/7/38 cm
Gewicht: 10 kg
Garantiezeit: 3 Jahre
Preis: 3500 €

Audiophile Gateway Germany
Home of Eternal Arts
Dr. Burkhardt Schwäbe
Wietzendiek 15
30657 Hannover-Isernhagen
Telefon 0511 3746422

www.audioclassica.de

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