Black Sabbath – 13

 

Der wuchtige Schauer

Sie gelten als die Väter des Heavy Metal: Black Sabbath erfanden die ultimative Härte, das gnadenlose Riff, die nackte Klangwand. Doch Bands verändern sich mit der Zeit – ihr Personal, ihren Sound, ihre technische Ausrüstung. Irgendwann klangen Black Sabbath wie irgendeine austauschbare Metal-Band, hantierten mit modischen Keyboards und wechselnden Sängern herum. Es musste erst Rick Rubin kommen, der legendäre HipHop- und Rock-Produzent, um den neu vereinten Sabbath-Veteranen klarzumachen, wie revolutionär anders das tönte, als sie noch jung waren: kompromisslos, erschütternd, abgründig. Furztrockene Gitarrenriffs, ein grummelnder Bass, ein lakonisches Schlagzeug, zuweilen noch eine zweite Gitarre im Playback. Darüber die tranceartig wiederholten, litaneihaften Vokalmelodien. Fundamentalistische Sounds, kahl wie Felsblöcke, oft zeitlupenhaft schwerfällig. Und dann die unvermittelten Rhythmuswechsel zu plump swingenden Shuffle-Grooves. Existenzielle Erlebnisse.

Black Sabbath

Black Sabbath – 13
CD/Vertigo

Wie eine Zeitreise zurück ins Jahr 1970 wirkt das Album 13, ein heillos verspäteter Nachschlag zu den klassischen Sabbath-Platten Paranoid oder Master Of Reality. Als wären aus den Tiefen der Studio-Archive längst vergessene Aufnahmen aufgetaucht: Kein Keyboard stört dieses Ur-Erlebnis, kein Computer, keine modernen Gimmicks. Tony Iommi (Gitarre), Ozzy Osbourne (Gesang) und Geezer Butler (Bass), zusammen fast 200 Jahre alt, plagiieren ihre Frühzeit. Und wenn die Gruft-Opas neu die finsteren Riff-Abgründe ihrer Vergangenheit durchleben, schlägt auch der wuchtige Schauer von einst wieder zu. Das spürte sicherlich auch Brad Wilk, ihr Gastdrummer (Rage Against The Machine, Audioslave), ein Frischling von 45 Jahren.

Da war noch etwas: richtig, dieses Tod-und-Teufel-Ding. Es brachte einst Black Sabbath – und die halbe Metal-Szene – in den Ruf, fürchterliche Teufelsanbeter zu sein. In der Tat: Der frühe Ozzy Osbourne sang häufig von Satan. Aber er sah ihn immer auf der anderen Seite – beim Establishment, bei Politikern und Generälen. Sich und die eigenen Fans dagegen wollte der Ur-Metaller stets vor den Fängen der Hölle erretten: Steigt in die Raumschiffe und lasst das Böse hinter euch! „Leave the earth to Satan and his slaves!“ Heute weiß er mit dem Satanischen zu spielen, seine Texte sind raffinierter geworden. „I don’t believe that God is dead“, singt Ozzy brav – und wiederholt dann hinterlistig immer wieder die letzten Worte: „God is dead“. Die schwarze Messe geht weiter.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 9 (5/2013)

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