XiVero MusicScope – Mündiger Hörer

War die neue, teure HiRes-Datei ihren höheren Kaufpreis wert? Mit der genialen MusicScope-Software von Xivero können Sie das jederzeit selbst überprüfen.

Vor einigen Jahren spielte ich bei einer aufwändigen CD-Produktion eines der großen und etablierten Klassiklabels mit. Während meiner Spielpausen trieb es mich immer wieder in die Regie, wo ich über die Monitoranlage den noch spielenden Kollegen lauschte – und mich natürlich auch gründlich mit der vorhandenen und durchaus edlen Technik beschäftigte. Die Aufnahme wurde mit einer Auflösung von 24bit und einer Frequenz von 48 Kilohertz gefahren. In Stereo. Entsprechend sah auch die Mikrofonierung im Saal aus: eine Hauptmikrofonierung in „Groß-AB“ und ein Wald von Stützen.
Als ich zwei, drei Jahre später diese Produktion als „HiRes-5-Kanal-SACD“ im Ladenregal sah, staunte ich nicht schlecht. Mittlerweile weiß ich, wie man alten Wein in neue Schläuche füllt, ganz sauber finde ich dieses Verfahren dem Kunden gegenüber allerdings immer noch nicht. Erst recht nicht, wenn ich – wie in diesem Fall – vor kurzer Zeit über exakt diese Aufnahme in Form einer nativen HiRes-Datei zum entsprechenden Preis finde. Lothar Kerestedjian vom Downloadportal HIGHRESAUDIO, dem solche Daten nicht in den Vertrieb kommen, nutzt schon seit längerer Zeit professionelle Software, um derlei Schwindel zu entlarven.


Mittlerweile kann man mit der Software MusicScope auch als privater Anwender ein Programm in Standalone-Version erstehen, das sehr zuverlässig und anschaulich Musikdateien analysiert und die Auswertung grafisch darstellt. Ist die Software aktiviert, klickt man das kleine Ordnersymbol oben links an, um durch den Dateibrowser zu surfen und die gewünschte Musik zu finden. Ist sie angewählt, hat man die Wahl, ob man sie nur analysieren oder auch gleich hören möchte. Das Analysieren dauert bei einer ganzen CD höchstens eine Minute, einzelne Titel sind in wenigen Sekunden erledigt. Danach bietet einem der an die Mastering-Software Ozone5 erinnernde schwarzgüne Bildschirm alle Informationen, um das „durchleuchtete“ Objekt einschätzen zu können. Links oben gibt es erst einmal Klarheit über die tatsächliche Datenrate der Files. Ob 16 oder 24 bit, ob 44,1, 48, 88,2, 96, 176,4 oder 192 Kilohertz – falsch gelabelte Daten werden schon hier entlarvt.
Die billigste Art, Musikdaten „aufzuwerten“ ist, sie in eine DAW (ein Musikaufnahme- und Bearbeitungsprogramm) oder ein Masteringprogramm zu laden und dann in einem anderen Format abzuspeichern. Es ist klar, dass so kein Klanggewinn zu erwarten ist. In der grafischen Darstellung der Spektralanalyse zeigt sich der Betrug dann auch sehr deutlich: Oberhalb von etwa 20 oder 22 Kilohertz reißen die Daten schlicht ab.
Gibt sich das Label ein bisschen Mühe, werden wenigstens noch Oberwellen generiert und der Aufnahme zugeführt. Dann gibt es tatsächlich noch Informationen jenseits dieser Grenze, allerdings ist auch in diesem Fall ein „Knick“ in der Grafik zu erkennen: tiefes Grün im Bereich der wirklichen Inhalte, eine deutlich blassere Darstellung in der Region zugefügter Oberwellen. Das ist schon durchaus besser gemacht (oder auch: „bessergemacht“), mit MusicScope allerdings immer noch deutlich zu enttarnen. Wie auf dem Screenshot erkennbar, ist trotz gut gemachter Verschleierung ein Unterschied sichtbar.


Ob es klanglich einen Unterschied macht, Audiodateien in 44,1, 48 oder 192 Kilohertz zu hören, soll an dieser Stelle gar nicht diskutiert werden. Hier geht es mir lediglich darum, dass Sie das bekommen, was Sie bezahlt haben.
Ein spannendes Feature und ständiges Reizthema in der Musikbranche ist die Möglichkeit, den dynamischen Umfang einer Produktion zu messen. Damit ist die Spanne zwischen der leisesten und der lautesten Information gemeint. Das digitale „Null“ zwischen den Tracks fließt also nicht in die Bewertung mit ein. Bei vielen aktuellen Produktionen bleibt vor lauter Kompression, Limiting und Normalisierung kaum noch etwas von der Musik übrig und so fand ich doch einige Pop-Tracks, bei denen das dynamische Spektrum lediglich 3 Dezibel umfasste. Ein Elend.
Wer einmal in guter Akustik eine komplett unkomprimierte Aufnahme mit großen dynamischen Unterschieden gehört hat, wird so ein totgeregeltes Gestampfe nicht mehr ertragen. Es ist einfach ein grandioses Erlebnis, bei leisen Stellen in den Lautsprecher kriechen zu wollen, während man bei lauten Ausbrüchen fast an die Rückwand gedrückt wird. Damit Sie sehen, ob Sie Ihr Gefühl trügt, können Sie mit MusicScope also auch diese Informationen erhalten.
MusicScope ist angesichts des Preises, der umfangreichen Features und der professionellen Zuverlässigkeit der Daten ein Schnäppchen, dem ich jede Empfehlung mit auf den Weg geben will. Keine Frage, zum Musikhören braucht man ein solches Programm natürlich nicht. Doch spannender und bewusster ist es mit diesem Helferlein auf alle Fälle. Zu Hause benutze ich es immer wieder mal, im Studio möchte ich nicht mehr ohne!

XiVero MusicScope

Analyse-Software für Musikdateien zur Messung des Frequenzumfangs, der spektralen Verteilung und der dynamischen Bandbreite

 

www.xivero.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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