NAD Vor- Endverstärker

Test: NAD C 510 + NAD C 275BEE

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NAD C 510 + NAD C 275BEE – DAC/Vorverstärker + Endverstärker

NAD – Duett komplett

In der digitalen Welt rückt alles näher zusammen: NAD verkuppelt DAC und Preamp miteinander und lässt sie ein gemeinsames Gehäuse beziehen. Krawall gibt es dann, wenn sich der 275 BEE als Endverstärker dazugesellt.

 

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NAD Vor- Endverstärker

Nicht alles, was dem Schönen dient, ist selbst von ausgesprochener Schönheit. Das gilt insbesondere in der Welt des Wohlklangs. Wer eines schönen Sommertags ein Verstärkerensemble in den vierten Stock einer Altbauwohnung hochschleppen muss, erreicht sein Ziel oft nur schweißdurchnässt und mit einem zur schmerzverzerrten Fratze entstellten Gesicht. Dass dieser Mensch in Wahrheit ein Schöngeist ist, werden ihm die Nachbarn keinesfalls ansehen. Und wenn die Blöcke dann ins Wohnzimmer geklotzt sind, ist es meist keines mehr, das sich für Einrichtungsfachzeitschriften ablichten ließe, sondern das, was man gemeinhin einen „Hörraum“ nennt.

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Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma liegt im Understatement. Diesbezüglich ist NAD seit den siebziger Jahren eine der ersten Adressen. Als damals der heute legendäre Vollverstärker 3020 erschien, war man sich ob der klobigen Taster und des insgesamt eher rustikal anmutenden Gesamteindrucks zwar ziemlich sicher, dass offensichtliche Schönheit irgendwie anders geht, die inneren Werte aber möglicherweise höher zu bewerten sind. Inzwischen hat sich diese Diskussion längst erledigt: Das Äußere des Endverstärkers C 275 BEE ist geprägt von dem klaren Strich, der das Design von NAD seit langem unverwechselbar macht. Auch der DAC C 510 besticht durch schlichte Optik und lässt die Fokussierung auf klangwichtige Bauteile statt aufs blendende Äußere nicht unmittelbar erkennen.

Im Grunde genommen ist die C-Reihe von NAD für den Musikhörer das, was verschiedene Modelle der C-Klasse für den Autofahrer sind: familien- und alltagstauglich einerseits, beim Blick unter die Haube aber ausgestattet mit dem Zeug zum Porschekiller. Die Kombination des DACs, der vom Hersteller explizit nicht nur als Wandlungszentrale, sondern als Pre-Amp vorgesehen ist, mit dem Endverstärker C 275 erweist sich als bärenstarke Motorisierung einer Kette mit digitalen Quellen, die so manches abhängt.

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„Direct Digital Preamp DAC“ – in diese neue Kategorie will NAD das Gerät einsortiert wissen. Die Funktion eines Vorverstärkers mit einem DAC in einer Komponente zusammenzuführen ist die Antwort auf den digitalen Wandel, der längst das Geschehen in den eigenen vier Wänden zu prägen beginnt. Unabhängig von der Debatte, ob Vinyl nicht immer noch der wahre Jakob ist, bleibt doch festzustellen, dass der CD-Player zugunsten anderer digitaler Quellen an Bedeutung verliert. Ob man will oder nicht: Musik ist nicht mehr zwingend an einen „Tonträger“, wie man das früher nannte, gebunden, sondern wird in unterschiedlichen Formaten von allen möglichen Geräten zugeliefert. Sind frontseitig neben dem mittig angebrachten Display lediglich ein großer Shuttle-Regler, ein Standby-Schalter und zwei Source-Taster zu erkennen, so zeigt sich auf der Rückseite sehr deutlich, wie die Realität aussieht: Hier stehen AES/EBU eingangsseitig ebenso zur Verfügung wie S/PDIF (koaxial und optisch), USB und zwei HDMI-Anschlüsse. Mit diesem Arsenal ist man gut gerüstet für die Verwaltung eines digitalen Zuspielerparks und HiRes-Formate – insbesondere da die Eingänge mit 192 Kilohertz und 24 Bit arbeiten und der asynchrone USB-Eingang einem Computer das Taktsignal vorgibt und nicht umgekehrt. Zusätzlich zum Line-Ausgang über Cinchbuchsen hat man dem C 510 noch einen XLR-Ausgang beschert.

Tun wir nun etwas, was man eigentlich selten macht und der eigentlichen Aufgabe des C 510 auch gar nicht entspricht: Hören wir einfach mal keine Musik und reißen wir den Pegelsteller auf. Nun? Wie Sie hören, hören Sie nichts. Das wäre beim Anschluss eines analogen Vorverstärkers nicht unbedingt selbstverständlich. Der vorverstärkende DAC aber verhält sich mucksmäuschenstill und zeigt keinerlei zischelnde Atemgeräusche. Nehmen wir nun die mitgelieferte Fernbedienung zur Hand: Wie wäre es mit leichter und vor allem sehr, sehr leiser Orchestermusik? Beschneiden wir doch die Peer-Gynt-Suite Nr. 1 ihrer cineastischen Wucht und senken den Pegel auf ein bloßes Flüstern: Die aus Funk und Werbefernsehen bekannte Streicher-Orgie kommt nichtsdestotrotz plastisch und präsent aus den Schallwandlern.

Tatsächlich ist der C 510 nicht einfach nur ein DAC mit digitaler Lautstärkeregelung. Denn digitale Lautstärkeregelungen senken unter Umständen nicht nur den Pegel, sondern auch die Qualität. Der C 510 folgt jedoch in seinem Schaltungslayout Technologien, die NAD üblicherweise der teureren Masters-Linie angedeihen lässt. Das macht den C 510 zu einer Art Hochleistungsrechner: 35 Bit sind ein Wort und eine Ansage. Da lässt sich auch Leises berechnen, ohne dass bei 24 Bit die Wortbreite Pi mal Daumen beschnitten werden müsste.

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Doch langweilen wir den nebenstehenden Endverstärker nicht länger mit testweiser Leisetreterei. Der C 275 BEE signalisiert seine Einsatzbereitschaft mit einer durchgängig blau erstrahlenden Kontrollleuchte und ist schon leicht warm um die obenliegenden Rippen. Ansonsten ist der Auftritt zurückhaltend: Neben dem Standby-Taster, den man eigentlich nicht braucht, da der Endverstärker bevorzugt in Lauerstellung zu halten ist, finden sich zwei weitere LEDs, die gegebenenfalls auf einen gebrückten Betriebsmodus hinweisen oder auf die NAD-typische „Soft Clipping“-Funktion, die den Verstärker gewissermaßen abregelt, wenn er – beispielsweise im Falle einer wilden Party – ohne Rücksicht auf Verluste oder Verzerrung zu ausschweifend ausgefahren werden sollte. Sie kann durch einen kleinen Schiebeschalter auf der Rückseite aktiviert werden. Zwei Paar Speaker-Anschlüsse, Pegelsteller und – bei Bedarf – eine Einstellmöglichkeit für den Bridge-Mode. Und schon geht’s los.

Eine diskret aufgebaute Class-A-Wuchtbrumme wie der C 275 BEE schreit natürlich nach Strom. Lassen wir den Ringkerntransformator also als Erstes die Stromgitarren von Keith Richards befeuern. Der Legende nach wurde das Album Exile on Main Street mit Strom aufgenommen, der illegal dem französischen Eisenbahnnetz entnommen wurde. Deshalb, so die gängige Lehrmeinung der Fans, sei das Album so ungemein energetisch ausgefallen. Natürlich muss es „Happy“ sein, schief, aber charmant gesungen von Richards. Was soll man sagen: Der mitspielende Creek-Evolution-Amp, seinerseits nicht unbedingt ein Leistungsverweigerer, wäre bereits beim einleitenden Riff hinweggeblasen worden. Interessanter allerdings das nachfolgende Stück „Turd on the Run“: Charlie Watts bewegt hier ein paar Besen über das Schlagfell seiner Snare, die vermutlich mit einem Holzschaft ausgestattet waren: Das wäre zumindest eine Erklärung für die nach einer halben Minute zu hörenden zwei Schläge, die da eigentlich nicht hingehören und eben so klingen, als wenn zwei Sticks gegeneinandergeschlagen werden. Über das gesamte Stück hinweg ist der Stones-Drummer bemüht, vorschriftsmäßig die Hi-Hat auf den Zählzeiten zwei und vier zu treten. Allerdings braucht er zu Beginn des Stückes ein paar Takte, bis er das Bewegungsmuster verinnerlicht hat und die rhythmische Standardoperation auch gelingt – was die Kombination aus NAD-Endstufe und -DAC in nahezu ungeheuerlicher Klarheit an den Tag bringt.

Eine völlig gegensätzliche Herausforderung bietet das Album Odds or Evens des Fusion-Gitarristen Mike Stern. Aufgeräumter könnte ein Klangbild sich kaum präsentieren: Schlagzeuger Dennis Chambers spielt so präzise, dass keinerlei ordnende Hand einer Wiedergabekette erforderlich wäre, die Besetzung ist mit Gitarre, Drums, Bass, Saxofon und dann und wann ein wenig Synthie ausgesprochen übersichtlich. Allerdings ist die Platte vor lauter Studiohall pitschepatschenass. Außerdem ist der Gitarrensound von Herrn Stern reichlich mit Delay und Chorus zwar honigsüß, aber auch ebenso klebrig überzogen. Doch was soll man sagen: Der C 510 entdeckt doch tatsächlich in den Attacks deutlich hörbare Anschlagsgeräusche.

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Nun kommt freilich der Tag, an dem man sich mit Material beschäftigen muss, das nicht durch den Red-Book- oder einen höherwertigen Standard qualitätsgesichert ist: Ja, wir sprechen von Youtube. Es gibt nun einmal Musik, die in einer anderen Darreichungsform nicht erhältlich ist (und das mitunter aus gutem Grund). Ein typisches Beispiel dafür sind Promotionvideos von Schlaginstrumentenherstellern, in denen sie ihre Produkte von szenebekannte Virtuosen vorführen lassen. Dass solche musikalischen Darbietungen enorme künstlerische Höhen erklimmen können, beweist eine Cymbal-Vorführung des Drummers Benny Greb, die vom Hersteller mit amtlichen Mikrofonen eingefangen wurde – schließlich sollen die Zimbeln ihre Klangqualität unter Beweis stellen. Das Stereopanorama bildet eine sehr nahe Hörposition ab, wie sie Schlagzeuger kennen. Es ist nicht wenig eindrucksvoll, was der DAC hieraus macht: Die trockene Charakteristik der Jazz-Becken wird minutiös herausgearbeitet. Insbesondere das Ride-Becken – Benny Greb beschreibt es als „buttrig“ – pendelt zwischen den Gegensätzen aus wohldefiniertem Stockaufschlag und dem sogenannten „Wash“, einem tonal dunkel gefärbten Rauschen, das sich bei kräftigem Randanschlag ergibt. Nicht nur in tonaler, sondern auch in räumlicher Dimension ist die Wiedergabe des NAD-Doppelgespanns mitreißend: Die Abbildung des Raumes gelingt so überzeugend, dass sich tatsächlich ein dreidimensionaler Eindruck ergibt: Die Standtom scheint sich tatsächlich etwa zehn Zentimeter unterhalb des Ride-Beckens zu befinden, dessen Rand in etwa auf der Höhe der kleinen Tom ist – was sich auf dem Videobild leicht überprüfen lässt.

Rund 2600 Euro sind für das Duo aus DAC-Preamp und Endverstärker anzulegen – die Einzelkomponente schlägt mit jeweils rund der Hälfte zu Buche. Dafür bekommt man mit dem C 510 einen DAC, der die Referenzklasse nicht zu fürchten braucht und in der räumlichen, tonalen und dynamischen Abbildung Maßstäbe setzt. Der C 275 BEE ist dabei ein kongenialer Partner: Er bleibt seinen hervorragenden klanglichen Qualitäten auch im Betriebsmodus „volle Kanne“ treu: die Bässe haben Power, wirken aber nie überzeichnet, die Höhen sind klar und ohne Körnung. Das, was die C-Reihe liefert, kaufen andere Leute für den Preis eines Mittelklasse-Mercedes ein.

 

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NAD Direct Digital DAC C 510
DAC/Vorverstärker

Eingänge digital: 1 x XLR, 2 x S/PDIF (optisch und koaxial), 2 x HDMI, 1 x USB
Auflösung: 192 kHz/24 bit
Ausgänge digital: 1 x HDMI
Ausgänge analog: 1 x XLR, 1 x Cinch
Besonderheiten: keine analogen Eingänge, DAC und Vorverstärkerfunktion sind in einer Komponente vereint
Ausführung: graphit
Stromaufnahme Standby/Betrieb: < 0,5 W/16 W
Maße (B/H/T): 43,5/9,9/30,9 cm
Gewicht: 4,7 kg
Garantiezeit: 2 Jahre

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NAD Stereo Power Amplifier C 275BEE
Stereo-Endverstärker

Leistung stereo (8/4 Ω): 2 x 150 W
Leistung mono gebrückt (8 Ω): 330 W
Eingänge: 1 x Cinch (variabel oder fix), 12-V-Trigger
Ausgänge: 2 x Lautsprecher
Besonderheiten: Bridge-Funktion, Pegelsteller, Soft-Clipping-Schaltung, signalgesteuerte Einschaltautomatik
Ausführung: graphit
Maße (B/H/T): 43,5/13,3/35,2 cm
Gewicht: 14,6 kg
Garantiezeit: 2 Jahre

Dynaudio International GmbH, Ohepark 2, 21224 Rosengarten, Telefon 04108 41800

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www.nad.de

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 21 (5/2015)

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