Harbeth Compact 7ES + HiFi Bauernhof Reference Stand 7 – Bleibende Werte

Natürlich ist eine Jubiläumsversion anders als das Serienmodell. Und dennoch ist – typisch Harbeth – bei der Harbeth Compact 7ES irgendwie alles beim Alten geblieben. Zum Glück. Wirklich „neu“ ist hier nur der Unterbau – in traditioneller Bauweise

Muss sich ständig alles ändern? Muss das Rad wöchentlich neu erfunden werden? Beobachtet man den Markt, ganz gleich welcher Produktkategorie, möchte man zu diesem Schluss kommen. In immer kürzeren Zyklen soll alles besser/schneller/kleiner/neuer, vor allem aber teurer werden. Und allzu selten wird dieses Treiben hinterfragt, wird überprüft, ob die Neuerung denn wirklich im Dienste der Sache steht oder lediglich dem Hersteller in die Tasche spielt.Harbeth Compact 7ES plus HiFi auf dem Bauernhof Reference Stand 7

Genau aus diesem Grunde mag ich Firmen wie Harbeth, Naim oder auch Spendor. Wenn grundsätzliche Dinge für gut und richtig befunden werden, feilt man fürderhin am Detail, ohne bei dieser Evolution das einmal gefasste Ziel aus den Augen zu verlieren. Denn wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass es bei Produkten wie Lautsprechern, Plattenspielern oder Analogverstärkern schon lange keine bahnbrechenden Neuerungen mehr gab. Warum also nervös werden? Weil wir ständig unsere Hörbedürfnisse ändern? Wohl kaum. Weil sich unsere räumliche Situation so oft verändert? Auch nicht.
Nein, es gibt keinen wirklichen Grund außer dem Umstand, dass wir den Gerätewechsel zum eigentlichen Hobby erhoben hätten. Ist das nicht der Fall – was ich persönlich Ihnen allen von Herzen wünsche – heißt es, die eigenen Bedürfnisse einmal gründlich und ehrlich zu klären, um dann eine Anlage zu kaufen, die das Zeug dazu hat, die letzte zu werden.
Viele der Menschen, die einen solchen nicht ganz einfachen Prozess der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber durchlaufen haben, landen verblüffender Weise bei Produkten der weiter oben genannten Hersteller. Und bleiben dann wesentlich länger bei ihnen als der Rest der Gemeinde, für den die Reise das Ziel zu sein scheint.
All das Gesagte, liebe Leser, soll keineswegs überheblich wirken. Auch ich kämpfe ständig mit mir, bin aber doch zuversichtlich, immer näher zu mir selbst zu kommen. Aus mir spricht eher die Frustration des Musikers, wenn ich immer wieder erlebe, dass das, was einen großen Teil meines Lebens und meiner Identität bedeutet, in dieser Szene eigentlich gar nichts gilt und allenfalls als Feigenblatt dient, wenn mal wieder eingekauft werden soll. Wenn die zentimetergenaue Verortung der sprichwörtlichen Triangel hinten links natürlich wichtiger ist als die Frage, wie kompetent der Musiker sie denn gespielt hat. Und ob dessen Tat überhaupt in dieser Form der Intention des Komponisten entspricht. Sie sehen: ich schreibe mich in Rage und hüte mich jetzt lieber davor, die Tore ganz zu öffnen. Denn das nähme kein gutes Ende.

Wohnzimmer-Werkzeug

Dieser Mangel an Ehrlichkeit, den ich beklagte, ermöglicht aber eine halbwegs elegante Rückkehr zum eigentlichen Thema, der Harbeth Compact 7ES. Diese Lautsprecher sind grundehrlich. Und zwar in jeder Beziehung. Sie werden „sauber“ in England gefertigt und fallen nicht in einem Niedriglohnland aus der Maschine. Bei ihnen folgt die Form der Funktion, weshalb es ihnen unmöglich ist, sich im Wohnraum zu verstecken – sie sind wirklich „da“. Sie bieten alle Informationen, die man zum Musikhören (und sogar zum Vergleichen von Kabeln) braucht, stellen diese technischen Parameter allerdings völlig in den Hintergrund und lassen der Musik den Vortritt. Das klingt jetzt ein wenig schwammig, ist aber für mich die zentrale Qualität dieser Evergreens. Allen mir bekannten Harbeth-Lautsprechern gelingt das Kunststück, mehr Informationen zu liefern, als einem auffällt. Beim entspannten Hören wirken sie wunderbar geschlossen, sonor, körperhaft und vielleicht ein wenig defensiv, was man mit einem Detailmangel verwechseln könnte. Lauscht man indes genauer, muss man feststellen, dass jede relevante Information geliefert wird. Und zwar wie mit einem Kontrastfilter herausgearbeitet, um einen Vergleich aus der Bildbearbeitung zu bemühen. Bei einem der klassischen HiFi-Themen, dem Kabelvergleich, bedeutet das, nicht lange hinhören und Details suchen zu müssen, aus denen man sich ein Urteil stricken kann. Manchmal hört man schlicht keinen Unterschied. Dann kann man das Thema Kabel beruhigt vergessen. Manchmal dann doch, und in diesem Falle so gründlich und klar, dass man binnen weniger Sekunden weiß, was warum wie anders ist. Sicherlich eine Qualität, deren Wurzeln in der Studiovergangenheit dieser Lautsprecher zu suchen ist. Bei einer Aufnahme muss man eine Mikrofonierung auch sofort und eindeutig beurteilen, Fehler im System ohne lange Suche entdecken können und nicht erst lange und mehr ahnend als wissend suchen.


In der Handhabung sind die Compact 7ES wie alle anderen Lautsprecher dieser Art erfrischend freundlich. Alle Abstände zur Rückwand ab circa 50 Zentimetern funktionieren problemlos. Die Basisbreite richtet sich ein wenig nach dem in diesem Zimmer möglichen Hörabstand, da das gleichschenkelige Dreieck bei Harbeth das Mittel der Wahl darstellt. Mit der Einwinkelung kann man den Hochtonanteil definieren. Auf Achse gerät die Darstellung am präzisesten, dafür tönt hier auch der Hochtöner am frischesten – allerdings noch lange nicht nervig. Dies wäre für mich die bevorzugte Arbeitsposition. Zum entspannten Hören ändere ich fast nichts, drehe die Lautsprecher lediglich minimal nach außen. Gerade einmal zehn bis fünfzehn Grad reichen völlig aus und schon klingt es noch eine Spur geschmeidiger, in den Mitten wärmer. Dass die räumliche Darstellung der Schallereignisse dann nicht mehr ganz so pedantisch gerät, kann man beim feierabendlichen Enstpannungshören gut verschmerzen. Zumal das nun Gebotene immer noch die Fähigkeiten vieler High-End-Preziosen übersteigt.
Zum Glück muss man bei der aktuellen Version der Compact 7ES auch nicht mehr mit Blechbrücken, Kabelresten oder sonstigen Kleinteilen herumlaborieren: Harbeth verbaut mittlerweile nur noch Single-Wiring-Terminals, was ich persönlich für einen Gewinn halte. Denn zwei gute Verstärkerzüge klingen jederzeit besser als vier schlechtere. Und in der Regel wird beim Bi-Amping das Budget doch nicht verdoppelt, sondern lediglich anders aufgeteilt.
Die eingesetzten Treiber entsprechen mit minimalen Veränderungen den altbekannten Kollegen aus den Vorgängern und anderen Modellen.
Das Herz einer jeden Harbeth schlägt in der Mitte und im Grundton, weshalb diesem Treiber bei der Entwicklung seit jeher besondere Aufmerkamkeit gegönnt wird. Der zwanzig Zentimter durchmessende Tiefmitteltöner mit der hauseigenen „Radial“-Membran (einer von Harbeth entwickelten und patentierten Kunststoffmischung) begeisterte mich schon in einer Monitor 30, die über eine längere Zeit bei mir spielte. Und auch die kleine PS3R, über die ich in FIDELITY Nr. 5 (Ausgabe 1/2013) begeistert berichtete, profitiert von diesem Material. Der Hochtöner ist nach wie vor die bekannte 25 Millimeter durchmessende Aluminiumkalotte.
Eine deutliche Änderung – neben einer dezenten Frequenzweichenberarbeitung, über die sich Harbeth allerdings ausschweigt – betrifft die Innenverkabelung, die unsere Kandidatin, wie alle Modelle der Jubiläumsaktion, aus der M40.1 geerbt hat. Und überhaupt: Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ist diese Compact 7ES kein Nachfolgemodell, sondern ein parallel zur „normalen“ Serie gefertigtes Jubiläumsmodell zum 35. Firmengeburtstag. Da es aber bei moderatem Preisaufschlag deutlich besser als die Serie klingen soll, bestellen Harbeth-Kunden wohl nur noch diese Version – und der Standard schläft langsam aber sicher ein.

Wackelpeters Erzfeind

„Nur ein Idiot baut sein Haus auf einen schwankenden Grund“ schrieb ein berühmter Kontrabassist der 1920er Jahre zum Thema Vibrato in der Bassgruppe eines Orchesters. Mühelos lässt sich dieser Satz auch auf Teile einer Stereoanlage übertragen. Wackeln Plattenspieler oder Lautsprecher, ist es aus mit dem klaren und reinen Klang. Gerade das Thema der Lautsprecherstative trieb einen der engagiertesten hiesigen Harbeth-Händler so lange um, bis er schließlich zur Tat schritt.


Die selbst entworfenen Modelle der „Reference“-Serie werden vom Baum bis zur Verpackung ökologisch unbedenklich gefertigt, wie es sich für ein Unternehmen geziemt, das sich HiFi auf dem Bauernhof nennt. Der zur Compact 7ES passende Ständer Reference 7 besteht – wie alle anderen Modelle auch – aus schlichten, sauber gefügten und schwarz lackierten Vierkanthölzern. Den Kontakt zu Lautsprecher und Boden stellen kurze Holzzapfen dar. Da auf Metall verzichtet werden sollte, kommen auch keine Gewindefüße zum Einsatz, wodurch zwingend eine Höhenverstellung entfällt. In der Bedienungsanleitung wird empfohlen, Unebenheiten mittels kleiner Papierstreifen auszugleichen, was ich angesichts des Preises für eine recht wenig elegante Möglichkeit erachte. Sicher, in der Praxis funktioniert es tadellos; etwas fummelig ist es allerdings schon, bis man die Schnipsel so sauber zugeschnitten hat, dass diese nicht mehr undekorativ unter den Füßen hervorschauen. Klanglich hingegen lohnt sich der Aufwand, die Reference Stands unterstützen die Harbeth nicht nur mechanisch.
Ist alles installiert, kann man Lautsprecher und Ständer schlicht vergessen und sich der Musik zuwenden. Das ist durchaus ernst gemeint, denn die Harbeth wird keinerlei Probleme mehr verursachen. Aufgrund des passablen Wirkungsrades und des gutmütigen Impedanzverlaufs lassen sich fast alle verfügbaren Verstärker – Röhrengeräte der Flea-Power-Fraktion einmal ausgenommen – einsetzen. Bei mir spielten ein Lavardin IT, eine kräftige Musical-Fidelity-Endstufe, ein Röhrenvollverstärker von Air Tight und ein Ur-Nait gleichermaßen entspannt an der Engländerin.

Tipp unter Freunden

Über den Klang habe ich ja im ersten Teil dieses Artikels schon einiges geschrieben. Es bleibt immer wieder festzuhalten, dass diese Lautsprecher zu den wenigen Exemplaren gehören, die ich tatsächlich binnen einiger Augenblicke vergessen habe. Nichts drängt sich in der Vordergrund, nichts wirkt zu unklar oder diffus. Die Compact 7ES stellt die Musik einfach in den Raum und belässt es dabei. Dabei generiert sie eine Räumlichkeit, die im ersten Moment überraschend kompakt, nach genauerem Hören allerdings überraschend richtig ist. Einzelereignisse werden, auch wenn sie ein lauteres Solo spielen, im räumlichen Orchesterzusammenhang belassen und nicht vergrößert. Das ist zuerst etwas unspektakulär, weil man nicht so leicht einem Fagott auf die Klappen spähen kann. Nach einer Weile Harbeth nerven allerdings die meisten anderen Lautsprecher mit ihrer unseligen Rein- und Rauszoomerei. Bei aller Begeisterung muss ich allerdings zugeben, dass die kleinen P3ES diese Disziplin noch ein wenig besser beherrschten. Dafür bleiben sie im Vergleich zur Compact 7ES allerdings einige Antworten im Bass schuldig.


Tonal spielen die Siebener farbstark und voll, wirken aber dennoch stets transparent in ihrer Darstellung. Nichts drängt sich in den Vordergrund, jedes Detail wird integriert. Letztlich bietet Harbeth mit der Compact 7ES also wieder einen Lautsprecher, den ich jedem wirklich guten Freund bedenkenlos empfehlen und mit größtem Vergnügen auch selber nutzen würde. Kein Wunder, dass ich seit gut 15 Jahren einen kleinen Lautsprecher mit BBC-Genen besitze und nicht an einen Austausch denke.

 

Harbeth Compact 7ES

Prinzip: 2-Wege-Lautsprecher, Bassreflex
Nennimpedanz: 8 Ohm
Wirkungsgrad: 87 dB/W/m
Bestückung: 25-mm-Hochtöner mit Aluminiumkalotte, Ferrofluid-gekühlt, 20-cm-Tiefmitteltöner mit „Radial“-Membran und nichtmagnetischem Korb
Besonderheiten: Single-Wiring-Anschlüsse
Ausführungen: Echtholzfurnier Kirsche, Eukalyptus oder Ebenholz
Maße (B/H/T): 27,3/52/31,5 cm
Gewicht: 14 kg
Garantiezeit: 4 Jahre

Input Audio
Bernd Hömke
www.inputaudio.de
Ofeld 15
24214 Gettorf
Telefon 04346/600601

www.inputaudio.de

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HiFi-Bauernhof Reference Stand 7

Stativ für Harbeth Compact 7ES
Ausführung: Vollholz, schwarz lackiert
Maße (B/H/T): xx/xx/xx cm
Garantiezeit: 5 Jahre

HiFi auf dem Bauernhof
Äußere Kemptener Straße 3
87452 Altusried
Telefon 08373/7019

www.hifi-bauernhof.de

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